Manchmal muss man die guten Manieren flexibel gestalten ...
Kleine Anekdote, die ich neulich bei meinem Lieblingsitaliener beobachten durfte: Am Nachbartisch saß ein Pärchen. Den Gesprächsfetzen nach zu urteilen handelte es sich um ein Date. Zudem waren beide hübsch angezogen. Er im Anzug. Sie in einem weißen Etuikleid.
Doch bereits bei der Vorspeise passierte der Fauxpas. Umständlich versuchte die Dame das überdimensional große Salatblatt auf ihre Gabel zu hieven, um es wenigstens halbwegs elegant in ihren Mund zu befördern. Das Unheil nahm seinen Lauf: Das Salatblatt entpuppte sich als widerspenstiger als gedacht und landete nicht im Mund, sondern samt Dressing auf dem wunderschönen weißen Kleid. Der fiese Essig-Öl-Fleck auf dem Kleid und der puterrot angelaufene Kopf der Frau lassen erahnen, dass der Abend, das Date, gelaufen war.
Doch Peinlichkeiten wie diese müssen nicht sein. Zwar mögen gute Umgangsformen zu Tisch den meisten befremdlich und umständlich erscheinen, dennoch muss man sich das Leben nicht schwerer machen, als es tatsächlich ist.
Dass man in der Vergangenheit Salat nicht schneiden durfte, hatten wir einzig und allein dem damaligen Herstellungsmaterial des Essbestecks zu verdanken: Früher wurden die Messer geschont, da sie nicht legiert waren und im Kontakt mit den Säuren schwarz anliefen. Dieses Argument zählt heute nicht mehr. Zum Glück. Mittlerweile gilt in den meisten Fällen: Salat, Kartoffel und Gemüse dürfen geschnitten werden.
Schade, dass die junge Frau sich dieser längst überholten Knigge-Regel unterwarf, sonst hätte der Abend sicherlich ein harmonischeres Ende genommen.