Wenn wir Flirtpartner in Hinsicht auf ihre Attraktivität einschätzen, spielt unsere eigene Ausstrahlung eine große Rolle.
Kein Geheimnis: Reizvolle Menschen haben bei der Partnerwahl meist hohe Ansprüche. Dass dies aber auch an ihrem Selbstbild liegt, wissen sie eher nicht. Stellen Sie sich vor, Sie würden in Ihrer Lieblingskneipe an der Theke stehen. Es ist 22.30 Uhr. Tolle Rockmusik. Der Laden ist voll. Lauter nette Menschen.
Sie nippen gerade an Ihrem Cocktail, als sich eine sehr reizende Person neben sie drängt, um sich ebenfalls einen Drink zu bestellen. Ihnen geht spontan ein Gedanke durch den Kopf: Umwerfend! Ein zweiter: Hmm, da könnte ich doch jetzt mal einen Versuch starten.
Wer so ein Szenario in den nächsten Tagen in der Realität erlebt, sollte, wenn aktuelle wissenschaftliche Befunde zutreffen, bedenken: Attraktive Menschen sind sehr kritisch bei der Einschätzung von potenziellen Flirtpartnern. Die Betonung liegt auf: sehr. In der aktuellen Psychologie Heute (2/2009) wird eine Studie zitiert, die diesen sehr relevanten Sachverhalt mal wieder bestätigt. (Nun, selbstredend wissen auch wir, dass an der Volksweisheit "Gleich und Gleich gesellt sich gern" was dran ist.)
Wie kommt es, dass schöne Menschen meist auch einen attraktiven Partner haben? Hierzu gibt es viele Erklärungsansätze. Einer davon ist die so genannte "Hochzeitsmarktthese". Sie besagt, dass sich die reizvollsten Vertreter einer Generation als Erstes finden. Die "Normalos" bleiben übrig und müssen sich mit dem "unattraktiven Rest" begnügen. Klingt sehr evolutionspsychologisch, nicht?
Aber diese Theorie wankt. In der oben erwähnten Studie des Psychologen Matthew Montoya (Universität von North Carolina) kam heraus: Wenn wir Flirtpartner in Hinsicht auf ihre Attraktivität einschätzen, spielt unsere eigene Ausstrahlung eine große Rolle. Je hübscher, desto kritischer – und umgekehrt. Nur so ist es wahrscheinlich zu erklären, dass die durchschnittlich aussehenden Probanden in der Untersuchung – in der Singles beurteilt wurden – viel mehr Personen als begehrenswert einschätzten als die makellosen.
So weit, so gut. Nun stellt sich aber an dieser Stelle eine andere Frage: Wissen alle Alpha-Frauen und -Männer, dass sie, wie der alte Schopenhauer mal treffend sagte, "die Herzen im Voraus gewinnen"?
Das ist nicht sicher. Denn: hier sind manchmal, man glaubt es kaum, die irrationalsten Meinungen am Werk. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass so manche bildhübsche Frau wenig Wahrnehmung von ihrer Schönheit hat, beziehungsweise sich sogar als unansehnlich empfindet. Natürlich waren in solchen Fällen wohlbekannte biografische Erfahrungen am Werk, von der sich Betreffende unbewusst vereinnahmen lassen.
Vielleicht müsste man aufgrund dieses Phänomens eher sagen: Ob wir einen Menschen attraktiv finden, hängt von unserem eigenen Selbstbild ab.