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Kategorie | Herr Leyendecker über die Liebe und andere Unklarheiten


Ist Untreue das neue Wir?
Ist Untreue das neue Wir? (Kategorie: Herr Leyendecker über die Liebe und andere Unklarheiten)
Wenn man die Ex-Frau seines Kumpels im Fernsehen sieht, wie sie in einer Talkshow über das Thema Untreue mitdiskutiert, dann ist das schon ein Grund genauer hinzuhören. Und was so eine Gruppe von Journalisten, Philosophen und „Journalisten und Philosophen“ nicht so alles von sich geben, wenn die Nacht lang und die Sendezeit billig ist.

Untreue könnte zum Beispiel, so sagt da jemand, dass nächste Modell für Beziehungen sein. Sich gegenseitig Raum lassen und Offenheit leben. Wissen, der andere kommt zurück, egal was sexuell passiert. Denn Seitensprünge könne man nicht ausmerzen, deshalb sei es sinnvoller – halten Sie sich fest – die Eifersucht abzuschaffen. Klar, die werden wir bestimmt ganz einfach los.
Die Gegenseite macht den Seitensprung dann gleich zum Teil einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung, sagt gleichzeitig, 50 Prozent der Frauen und Männer tun es. Klingt so, als ob wir ohne irgendwie unnormal wären, oder?
Mein Favorit, mein absoluter ungeschlagener Favorit ist aber die Idee, dass Untreue ja nur deshalb überhaupt ein Problem sei, weil Leute dahinter kommen! Als Geheimnis, selbst wenn man es ahne, sei es nicht so schlimm! Naja, führt vielleicht eben diese Ahnung dazu, dass man es rauskriegt?
Das einzige Mal, dass ich betrogen wurde, litt ich wie ein Hund. Keine Vorwarnung, keine große Geschichte, es wurde mir gestanden, ich beendete es und wir waren durch. Es war verletztes Ego, sterbende Hoffnung und Einsamkeit, die sich breit machten. Es war ein Verrat. Hätte es geholfen, wenn ich tolerant gewesen wäre? Sozusagen Verrat unmöglich machen, indem alles okay ist? Naja, es war als Verrat gemeint, glaub ich. Aber warum? Warum war das passiert?
Nun, ich habe den ganzen Abend schlaue und nicht so schlaue Leute gehört, die berieten, warum und wieso man untreu ist und natürlich die unvermeidbaren Lager der „Befürworter“ und der „Gegner“ gehört. Beide befriedigen da irgendwie ihre Bedürfnisse. Die einen wollen, dass ihre Partner so treu sind wie sie, die anderen wollen bitte keine Konsequenzen für das, was sie getan haben. Weil es ihrer Selbstverwirklichung als mündiger, moderner Mensch (der in der Tat mit einem Egotrip unglaubliche Ähnlichkeit hat) im Weg steht. Beide ignorieren natürlich den wichtigen Umstand das jede Beziehung anders ist und generalisieren wo sie können. Die Frage der Fragen stellt keiner.
 
Ist es für den Partner okay?
 
Wenn nicht, warum tue ich es? Weil ich mir selbst viel wichtiger bin als mein Partner es mir ist? Und was sagt das über meine Beziehung?

Das war es auch schon. An dieser Stelle ist man entweder nicht angekommen, oder man ist halt der Böse. Dann sollte man nicht philosophische Diskussionen darüber führen. Wenn das so nicht vereinbart war und der Partner sich auf die Vereinbarung verlässt, ist es nicht okay.

Basta! Andernfalls kann man sich ja auch auf  nichts mehr von der anderen Seite verlassen, oder?

Aber für die öffentlich-rechtlichen ist das vielleicht zu einfach.


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