Öfter mal den Kopf, Kopf sein lassen und dem Bauchgefühl eine Chance geben. Sie werden sehen, es lohnt sich!
Der Mensch weiß viel mehr, als er denkt. In seinem Unterbewussten lagern gewaltige Wissensschätze. Wer es versteht, sie freizulegen, kann wahre Wunder vollbringen. Und sich Vieles ersparen. Besonders auf dem Weg zum Liebesglück.
Intuition ist eine besondere Fähigkeit. Psychologen nennen sie jene Form unbewussten Wissens, die ganz ohne Berechnung und Erklärung auskommt. Dieses besondere Bauchgefühl spielt täglich in unendlich vielen kleinen Entscheidungen des Alltagslebens eine wichtige Rolle. Jeder Mensch vertraut fortwährend diesem Gespür. Es lässt in bestimmten Momenten den richtigen Ton treffen, zwischen vielen gleich qualifizierten Bewerbern den "Richtigen" wählen oder es hilft dabei einzuschätzen, ob es gelingt, noch schnell mit dem Fahrrad vor dem Auto die Straße zu überqueren. Ständig beweist der Mensch, dass er mehr weiß, als er denkt und beschreiben kann. Ohne nachzudenken, entscheidet er spontan: Wie er den netten Architekten aus Kiel beim unerwarteten Anruf anspricht. Ob er auf die Frage nach einem gemeinsamen Spaziergang am Wochenende "ja" sagt. Ob er mit dem Partner zusammenziehen soll oder doch lieber seine eigene Wohnung behält? Im Unterbewusstsein jedes Menschen lagern Wissensschätze, aus denen wir täglich schöpfen, ohne es zu merken.
Der amerikanische Intuitionsforscher Milton Fisher sagt, dass der Verstand, den Menschen einsetzen, um vermeintlich kluge Entscheidungen zu treffen, begrenzt ist und nur einen kleinen Teil unseres tatsächlichen Wissens ausmacht. Dennoch spielen bei intuitiven Handlungen Informationen eine Rolle. Aber nicht als faktisches Wissen, was in dem Moment zur Analyse genutzt wird, sondern mehr als Erfahrung, die irgendwann über unsere fünf Sinne wahrgenommen und gespeichert wurde. Das Unbewusste schafft es in besonderer Weise, in jeder Situation auf die passende Faustregel zurückzugreifen und kann dabei mehr leisten als der reine Sachverstand.
Hört sich so verführerisch gut an, dass sich die Frage aufdrängt, wie wir davon besser Gebrauch machen können. Allgemein vertrauen Menschen gerade bei schwierigen Entscheidungen ihrem analytischen Verstand wesentlich mehr als ihrem Bauchgefühl. Dazu wünschen sich die meisten viel Informationen und viel Zeit. Doch liegt der Mensch mit solch gefällten Einschätzungen nicht unbedingt richtig. Gute Intuition ignoriert gerade ein zuviel an Informationen. In vielen Studien zeigt sich, dass die untersuchten Personen mit intuitiv getroffenen Entscheidungen im Nachhinein zufriedener als mit den Resultaten langen Nachdenkens sind – obwohl sie ihrer Intuition vor einer Entscheidung weiterhin misstrauen.
Was heißt das konkret? Verstand ausschalten und nur auf die Intuition hören? Nein, das ist nicht der richtige Weg. "Nicht entweder oder", sondern "sowohl als auch". Ideal, wenn der Verstand einen unbewussten Berater zu Seite hat, schnell, immer zur Stelle und kompetent. Das Gehirn muss dem intuitiven Entscheider aber schon ein paar Voraussetzungen für gute Ergebnisse schaffen: Es muss unbewusst bereits Informationsfetzen zu einem Thema gesammelt haben. Wer also auf einem Gebiet schon Erfahrung gesammelt hat, darf und soll seiner Intuition ruhig häufiger vertrauen.
Daher macht es weniger Sinn, sich mit einer Checkliste zum ersten Treffen oder zur Beurteilung eines Profils aufzumachen und alles darauf zu geben, möglichst viele Daten, Fakten, Zahlen zu erfragen. Sicher ist es wichtig, sich Gedanken gemacht zu haben, worauf man Wert in einer Partnerschaft legt und was man davon erwartet. Doch achten Sie auf diese besonderen Momente, in denen Sie sich beim Lesen eines Profil angesprochen fühlen und Sympathie empfinden, auch wenn ihre sachliche Seite sagt, dass dieser Mann oder diese Frau so gar nicht ihrem Typ entsprechen kann, weil…Wer von einem Treffen zurück kommt und den spontanen Impuls nach einem weiteren Treffen spürt, sich aber wegen ungeputzter Schuhe und gefühlter zu großer Entfernung daran hindert will, sollte einen zweiten Blick riskieren. Es geht darum, Intuition und bewusstes Wissen bestmöglich zu verbinden. Das implizite Wissen weißt häufig besser, was gut für uns ist. Wir müssen nur lernen, die Intuition zu verstehen und unseren unbewussten Kenntnissen zu vertrauen. Dann kann sie uns positiv auf den Weg bringen…Also öfter mal den Kopf, Kopf sein lassen und dem Bauchgefühl eine Chance geben…
Zu diesem Thema habe ich kürzlich ein super Buch "entdeckt" (mit Bauch gekauft – wirklich!!!): Es heisst "Wie der Bauch dem Kopf beim Denken hilft – Die Kraft der Intuition" von Bas Kast. Es ist sehr aktuell, informativ und angenehm zu lesen.
Intuition ist halt wie ein feines Instrument: Je mehr ich es bespiele, desto besser wird es und desto feiner höre ich die kleinen Unterschiede. Ich habe gelernt, bewusst beidem, Verstand und Intuition, Platz zu geben – eines nach dem andern und erst danach zu entscheiden. Im Endeffekt ist es wohl so, dass ich der warnenden Intuition rascher folge (Erfahrung macht klug, s. Eintrag von Lily), als der unterstützenden, da brauche ich oft noch den Verstand als zusätzliche Entscheidungshilfe – eigentlich doof, da ich dort genauso auf die Intuition vertrauen könnte, aber so ist es im Moment.
Una, am Balancieren
Eine 3Sat-Sendung hat 2008 berichtet, wie Menschen sich für einen Partner, eine Partnerin entscheiden:
Instinkt, nicht Intuition
Geruch und Aussehen sind zwei wichtige Faktoren:
Geruch, hierüber wird wahrgenommen, welches Immunsystem mein Gegenüber hat. Sind Immunsysteme sehr ähnlich, kommt es meist zu einer Ablehnung.
Aussehen: meint nicht Aussehen im Sinne von Mode oder Werbung, sondern der Kopf schaut nach optischen Merkmalen wie glatte Haut und weitere Dinge.
All diese Dinge sind wissenschaftlich belegt. All diese Dinge finden bei der Partnerwahl statt.
Und sie finden im Kopf statt, nicht im Bauch.
Nachtrag: Ich weiß nicht, wo Du stehst, Uma, ich gehe schon Ende-Fifties, Deine Einstellung ist Klasse (aus meiner Sicht).
Wir müssen nicht (mehr) auf die Barrikaden gehen – es geht drum, sich selbst, ob Hausfrau oder Pilotin, ernst zu nehmen, und genau dort, wo wir stehen. Alles liebe für Dich U.
Ich denke Intuition ist etwas sehr wichtiges. Man sagt es ist der erste Impuls aus dem Unterbewusstsein der "gesendet" wird….mir wurde mal gesagt ich hätte eine gute Intuition und ich solle öfters auf sie hören bzw. ihr trauen…so könne ich sie trainieren…Genau das habe ich getan, oder tue es noch immer, und es ist auch richtig so wie mir das gesagt wurde. Und ich denke es ist auch keine Sache des Alters, ich bin 46 und man lernt ja nie aus..:-) Grüsse Patricia
Ein toller Artikel! Und genau auf den Punkt getroffen.
Ich kann für mich nur sagen, dass ich viel öfter auf meine Intuition hätte hören sollen und mir viel damit erspart hätte.
Bin 42 Jahre und stelle fest, dass viele dazu neigen, mit dem Alter immer mehr auf den Verstand zu hören, ängstlicher abwägen, kritisch sezieren und ihre Intuition ignorieren. Irgendwie finde ich das sich selbst gegenüber überheblich. Ist in unser Wissensgesellschaft den der Verstand, dass faktische Denken mehr wert als die Intuition, als die Intelligenz des unbewussten Erfahrungswissens? Nur weil sie noch nicht so bewiesen scheint, ist sie eine Leistung zweiter Klasse. Schade!
Als ich vor fünf Jahren nach dem 3. Vorstellungsgespräch in einer Unternehmensberatung mit der Inhaberin eine Zusage bekam, freute ich mich, stellte aber am Abend fest, dass ich ein "komisches" Gefühlt hatte. Ich erzählte meiner besten Freundin, dass ich eigentlich dort nicht anfangen sollte, irgendetwas warnt mich, obwohl faktisch alles perfekt schien. Ich ignorierte das Gefühl, habe mich 2 Jahre für die Firma sehr verausgabt mit dem Erfolg, das die Inhaberin sich nach einem wirtschaftlichen Betrug in die Südsee absetzte und die Firma auf riesigen Schulden saß. Ende vom Lied: Insolvenz.
Hätte ich mal auf meine Intuition gehört.
Lily, heute klüger