ElitePartner Magazin
Kategorie | Sexualitätsblog


Intime Einblicke und die Relativität von Forschungsergebnissen
Intime Einblicke und die Relativität von Forschungsergebnissen (Kategorie: Sexualitätsblog)
Über Studien und die Aussagekraft der Ergebnisse.

Studien und Umfragen sind ja immer nur so gut und aussagekräftig, wie die Methode, die dahinter steht.

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass Befragte in persönlichen Interviews häufiger das antworten, von dem sie denken, es sei eine passende Antwort, während sie ihre tatsächliche Einstellung eventuell als unangemessen empfinden oder sich ihrer womöglich sogar ein wenig schämen. Das gilt insbesondere dann, wenn es um sehr intime Themenbereiche geht. Hinzu kommt eine höchst fragliche Umgehensweise mit diesen Ergebnissen von Seiten der Forscher.

In diesem Zusammenhang sei eine anonyme Umfrage erwähnt, in der knapp 15.000 Menschen zu ihrer Sexualität befragt wurden. Einige der Antworten waren nicht wirklich überraschend: So gaben zwei Drittel der Männer und drei Viertel der Frauen an, mit ihrer Partnerschaft recht zufrieden zu sein. Die meisten Paare hatten durchschnittlich ein- bis dreimal in der Woche Sex. Ebenso bekannt las sich das Ergebnis, dass die Häufigkeit sexueller Betätigung abnimmt, je länger die Beziehung dauert.

Eher aus der Reihe tanzte dagegen die Erkenntnis, dass Männer und Frauen sich in Sachen Selbstbefriedigung die Waage hielten: Nach den Angaben der Probanden dieser Studie taten "es" aber fast alle. Oft wurde ja angenommen, dass Frauen in dieser Hinsicht zurückhaltender seien. Weitere Ergebnisse, die uns mit dem Phänomen der "Sozialen Erwünschtheit" konfrontieren, lauteten: Frauen gehen weniger häufig fremd als Männer, und wenn sie es tun, dann haben sie in den meisten Fällen nur einen einzigen weiteren Partner. Männer hingegen neigen dazu, mehrere Affären zu haben. Entsprechen diese Ergebnisse wirklich der gesellschaftlichen Realität? Andere Studien fallen da nämlich genau konträr aus: Frauen gehen danach häufiger fremd als Männer – sie reden nur nicht darüber. Wir finden hier also deutliche Hinweise, dass – gerade in Bezug auf Fragen im sexuellen Bereich – das Bild, welches man zusammen mit seinen Antworten auf solche Fragen vermitteln bzw. aufrecht erhalten möchte, eine womöglich größere Rolle spielt, als eine "wahrheitsgemäße" Antwort.

Weiter zur Studie: Generell würde "Er" gern häufiger zur Sache kommen, während "Sie" mit ihrer Sexualfrequenz ganz zufrieden sei. Allerdings ständen Frauen gleichgeschlechtlichen Abenteuern offener gegenüber als Männer. Sie seien weniger "eindeutig" heterosexuell. Die Hälfte der Frauen machte bereits vor dem sechzehnten Geburtstag die ersten intimen Erfahrungen, was etwas früher lag als bei den Männern. Auch hier stellt sich die Frage nach der Authentizität der Ergebnisse und vor allem der Begründung: Was soll das bedeuten, die Frauen seien "ganz zufrieden"? Und geben Frauen möglicherweise gleichgeschlechtliche Kontakte leichter zu, als dies Männer tun?

Dazu passt: Das meist genannte Sex-Problem der Frauen sei der ausbleibende Orgasmus. Forscher vermuten, dass Frauen dem Orgasmus einen zu hohen Stellenwert beimessen (sic!) und deshalb das Ausbleiben desselben als besonders problematisch empfinden. Hier stellt sich meines Erachtens die Frage, ob nicht diese Forscher Opfer des Phänomens "Soziale Erwünschtheit" geworden sind? Vielleicht, weil sie sich mit einer konservativen Interpretation wohler fühlten, als mit der ebenso nahe liegenden: Dass nämlich Frauen offener über ihre Bedürfnisse sprechen und damit auch eher unerfüllte Wünsche "zugeben".

Und schließlich noch ein Ergebnis, das uns vor die Frage stellt, wie dessen Interpretation eigentlich zu bewerten ist: Oft sei "Sie" weniger am Sex interessiert als "Er" und empfände genau das als Makel; dabei würde es sich letztlich nur um eine unterschiedliche Interessenlage handeln, in der dann die Frau aus ihrem Rollenverständnis heraus die Position der "Schuldigen" annehmen würde. Hier geht der Forscher (ein "Er" oder eine "Sie"?) also davon aus, dass Schuldgefühle notwendig sind, um Unzufriedenheit mit dem Sexleben zu erklären. Man kann aber genauso wie im obigen Beispiel die Deutung zulassen, dass Frauen sich eher zu ihrer Unzufriedenheit bekennen. Schließlich ist ein Bewusstsein darüber notwendig, wenn man etwas an einer unbefriedigenden Situation ändern will.

Passen Sie also auf, werte Leserinnen und Leser, wenn Ihnen – auch an dieser Stelle – statistische Ergebnisse präsentiert werden. Man erfährt meist nicht, wie diese zustande gekommen sind und welche (Eigen-)Interessen auf Forscherseite sich dahinter verbergen.


Ältere Beiträge
/magazinmagazin/wp-content/themes/elitepartner_rebrush/thumb.php?src=&w=100&h=57&zc=1&q=90
 

/magazinmagazin/wp-content/themes/elitepartner_rebrush/thumb.php?src=&w=100&h=57&zc=1&q=90
 

/magazinmagazin/wp-content/themes/elitepartner_rebrush/thumb.php?src=&w=100&h=57&zc=1&q=90
 

Zur Kategorie Sexualitätsblog
Zur Magazin Startseite

Artikel kommentieren

E-Mail

wird nicht angezeigt (Pflichtfeld)
Name

wird angezeigt (Pflichtfeld)
Kommentar

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zu kürzen oder nicht zu veröffentlichen,
wenn der Inhalt unseriös ist oder sich nicht konkret auf den Artikel bezieht.
Code Eingabe