Der passende Duft unterstreicht die eigene Persönlichkeit und kann auch bei der Partnersuche helfen, die richtigen Signale zu senden. Sie haben keine Ahnung von Parfum? Macht nichts! Der Schweizer Parfumeur Lindo Ganarin erklärt im Interview, worauf man achten sollte.
Wie finde ich heraus, welcher Dufttyp ich bin?
Ich bin kein Fan von strikten Einteilungen. Statt sich auf einen bestimmten Typus festzulegen, sollte der Duft immer auf die eigene Stimmung, das Umfeld und das Outfit abgestimmt werden – da gibt es kein Limit. Zudem: Düfte beeinflussen die Persönlichkeit und das Umfeld auf eine sublime Weise. Wenn ich mich selber "gut riechen" kann, bin ich glücklicher, selbstsicherer und wirke auf andere entsprechend attraktiver. Umgekehrt kann es durchaus am Duft liegen, wenn ich mein Gegenüber gleich auf Anhieb "zum Anbeißen" finde.
Wie finde ich den passenden Duft für mich?
Das ist ganz einfach und gleichzeitig auch sehr schwierig. Man muss sich dazu nämlich auf die eigene Nase verlassen, und das trauen sich die Wenigsten. Wichtig ist, einen neuen Duft immer zuerst auf der Haut zu testen und sich dafür Zeit zu nehmen. Der erste Eindruck ist auch bei Parfums oft trügerisch. Verlassen Sie sich beim Parfumkauf auf die eigene Nase und den persönlichen Geschmack. Beides bedingt genügend Vertrauen in das eigene Urteil, beides lässt sich trainieren. Trotzdem staune ich, wie viele Kunden den Kaufentscheid schlussendlich von der Meinung ihrer Begleitung abhängig machen.
Kann mir das richtige Parfum bei der Partnersuche helfen?
Wohlgerüche ziehen Menschen seit jeher an, Männer wie Frauen. Ein Parfum kann deshalb durchaus die Flirtchancen erhöhen – doch eine garantiert wirksame Formel gibt es dafür nicht. Generell kann aber gesagt werden, dass süße, warme, schwere Düfte auf die meisten erotisierender wirken als frische, herbe, leichte. Mein Tipp: Beim Rendezvous auf Vanille- und Sandelholznoten setzen und die Lavendel- und Citrusdüfte für den Besuch bei den zukünftigen Schwiegereltern aufsparen.
Welche Fehler machen die meisten Menschen in Sachen Parfum?
Hier sind die drei wichtigsten Parfum-Sünden: Erstens: Ein Duft ist nicht dazu da, den Eigengeruch komplett zu übertünchen. Im Gegenteil: Erst die intime menschliche Note, die sich auf der Haut entfaltet, macht den Zauber eines guten Parfums aus. Trotzdem begegne ich immer wieder Menschen, die riechen wie ein Sack nasser Zedernholzhäcksel oder wie ein Kaugummiautomat. Das ist verdammt unsexy. Zweitens: Parfum ist kein Ersatz für mangelnde Körperhygiene. Wer glaubt, den Mief der letzten Tage auf Knopfdruck einfach rasch wegsprühen zu können, ist auf dem Holzweg – und obendrein ein Affront für jede halbwegs zivilisierte Nase. Drittens: Zu viele Leute verlassen sich beim Kauf eines neuen Dufts lieber auf ihre Augen als auf ihre Nase. Sie wählen hübsche Flakons, schicke Verpackungen und bekannte Namen – und übersehen dabei, dass der Duft an sich völlig banal ist.
Haben wir verlernt, intuitiv den richtigen Duft zu finden?
Tatsächlich haben viele verlernt, der inneren Stimme zu vertrauen – und das längst nicht nur bei der Wahl ihrer Düfte. Das ist auch nicht weiter verwunderlich. Schließlich werden wir quasi rund um die Uhr von irgendwelchen Experten belehrt, wie wir auszusehen haben, was wir essen müssen und was in unserem Kleiderschrank zu hängen hat. Verstehen Sie mich nicht falsch: Trends sind ein wichtiger Impulsgeber unserer Gesellschaft, ich möchte sie um keinen Preis missen. Viel wichtiger ist es jedoch, einen individuellen Stil zu entwickeln und eine eigene Meinung zu haben. Das ist wahre Klasse.
Was ist das Besondere an Ihren Düften?
Parfums zu machen ist für mich eine Leidenschaft, kein Business. Deshalb nehme ich mir die Freiheit, keine Düfte für "Jedermann" zu kreieren. Als Parfumeur aus Passion verwende ich für meine Kreationen ausschließlich natürliche Duftstoffe. Jeder Flakon wird in meinem Atelier von Hand gemischt, abgefüllt und verpackt. Dementsprechend klein sind die Stückzahlen, doch umso größer ist die Freude.
Herr Ganarin, wir danken für das Interview!
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