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Interview mit Dr. Änne Söll: “Bitte mit Gefühl – Coolness ist out”
Interview mit Dr. Änne Söll: “Bitte mit Gefühl – Coolness ist out” (Kategorie: Partnersuche)
Coolness ist nicht mehr cool. Das zumindest behaupten einige Wissenschaftler in dem Buch Coolness: Zur Ästhetik einer kulturellen Strategie und Attitüde. Statt bewusst arrangierter Kälte von Umgangsformen, Körperinszenierungen und Charakteren, ist es wieder angesagt, Gefühle zu zeigen. Warum das so ist, erklärt Mitherausgeberin Dr. Änne Söll von der Universität Potsdam.

Was genau ist eigentlich Coolness?

Coolness ist eine Verhaltensstrategie, die hilft, die eigenen Gefühle zu verbergen, sich keine Blöße geben zu lassen und auch in gefährlichen Situationen eine ruhige Maske nach außen zu tragen.
In unserer derzeitigen Kultur ist sie nicht mehr so verbreitet. Es ist eher eine historische Strategie, die zu anderen Zeitpunkten aktuell war, wie beispielsweise zwischen den Weltkriegen oder in den 1940 und 1950er Jahre, man denke an so "coole" Filmstars wie Marlene Dietrich, Bogart, James Dean etc.

Sind Männer und Frauen unterschiedlich cool?

Coolness ist eine Verhaltensweise, die sich hauptsächlich Männer angeeignet haben. Das heißt aber nicht, dass nicht auch Frauen cool waren. Wenn Frauen in den Filmen der 40er Jahre als cool dargestellt wurden, dann war das Ende der Figur meistens schon vorprogrammiert: Die coole Frau musste sterben. In diesen Filmen bedeutet Coolness für Frauen immer eine große Gefahr. Für männliche Filmhelden dagegen bedeutet Coolness eine Erfolgsstrategie.

Sie sagen in Ihrem Buch, es findet eine Veränderung statt. Hat die Coolness ausgedient?

Cool ist out, da sind wir uns sicher. Es geht in unserer Gesellschaft mittlerweile darum explizit Gefühle zu zeigen. Wie viel davon echt ist,  ist natürlich die andere Frage.

Warum ist das so?

Wir leben in einer Demokratie und Mediengesellschaft. Generell denke ich, dass diese auf einer Kultur des Gesprächs, der gegenseitigen Anteilnahme und Mitteilung aufgebaut sein sollen bzw. aufgebaut sein müssen. Dadurch wird die Mitteilung von Gefühlen gesellschaftlich gewollt, gefördert und gefordert. Ob es sich dabei um authentisches Gefühl handelt, ist aber schwer zu bezweifeln, denn es geht ja gerade in der Politik und in den Medien um eine Inszenierung von Gefühlen.

Was meinen Sie damit?

Zum Beispiel kann man an den neuen James Bond-Filmen sehen, dass sogar der Superheld Gefühle zeigt, statt sie zu verbergen. Man könnte sagen, dass die Motivation des neuen Bond seine eigenen Gefühle sind: Trauer, Rache, Liebe etc. Der neue Bond führt ja sogar fast therapeutische Gespräche im Film, in denen er seine Gefühle diskutiert. Gefragt ist also ein Offenlegen der eigenen Gefühle. Gerade bei Männern ist das neu. Wir leben heute in einer fast schon zwanghaften Geständniskultur. Man denke nur an die weit verbreiteten Talksshows!

Sehr geehrte Frau Söll, wir bedanken uns für das Interview!

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