Die Lächel-Expertin Prof. Dr. Nicole Krämer von der Universität Duisburg-Essen ist Leiterin des Fachgebiets Sozialpsychologie/Medien und Kommunikation. Sie beschäftigt sich unter anderem auch mit der Mimik des Menschen. Im Interview verrät sie, warum wir lächeln und woran wir ein echtes Lächeln erkennen.
Frau Prof. Krämer, warum lächeln wir überhaupt?
Es gibt Forscher, die im Lächeln eine Analogie zum Furchtgrinsen der Primaten sehen. Empirische Befunde deuten in der Tat darauf hin, dass Menschen eher lächeln, wenn sie in der inferioren, also unterlegenen und nicht dominanten Position sind. Deshalb lässt sich daraus schließen, dass es eine Nähe zum Furchtgrinsen der Primaten geben könnte. Primaten zeigen ein solches Verhalten, wenn sie den Gegner beschwichtigen wollen.
Also ist unser Lächeln irgendwie "affig"?
Nun ja, es gibt auch Forscher, die diese Theorie bezweifeln. Sie sehen den Sinn und die Funktion eines Lächelns ausschließlich in der Herstellung eines angenehmen Gesprächsklimas und der Affiliation, also der Suche nach Unterstützung. Zudem haben Menschen allein schon durch die beweglicheren Gesichtsmuskeln viel mehr Möglichkeiten, unterschiedliche Lächelarten zu zeigen. Ein Beispiel hierfür ist das so genannte "Coy Smile", ein schüchternes Lächeln, das Verlegenheit symbolisiert und die Bereitschaft signalisiert, Kontakt aufzunehmen.
Was passiert denn in unserem Gesicht, wenn wir lächeln?
Das Hochziehen der Mundwinkel geschieht durch den Muskel zygomaticus major. Auch der Ringmuskel um die Augen, der orbicularis oculi, ist angespannt. Es gibt Forscher, die den Standpunkt vertreten, ein echtes Lächeln sei an der Anspannung des Ringmuskels zu erkennen. Allerdings teile ich diesen Standpunkt nicht, empirische Forschung hat eher gezeigt, dass die Aktivierung des Muskels um die Augen damit zusammenhängt, wie stark gelächelt wird und weniger, ob das Lächeln als echt empfunden wird.
Woran kann ich denn erkennen, ob das Lächeln meines Gegenübers wirklich echt ist?
Kollegen haben herausgefunden, dass ein Lächeln auf Beobachter dann unecht wirkt, wenn es zu schnell startet. Es wird auch die Ansicht vertreten, dass ein Lächeln gar nicht "unecht" sein kann, da es immer ein kommunikatives Signal ist und immer verdeutlicht, dass jemand in der Situation freundlichen Kontakt haben möchte – unabhängig davon wie die Person sich fühlt oder mich bewertet.
Wie lauten Ihre Tipps für ein besonders strahlendes Lächeln?
Generell hat Expressivität viele Vorteile. Man wird als sympathischer und kompetenter wird man von anderen eingeschätzt. Das bedeutet: Je stärker da Lächeln, umso besser. Es darf nun nicht zu schnell starten oder aufhören.
Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Krämer, wir danken Ihnen für das Interview!
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