Meine große Angst ist es, dass ich ohne Partner "etwas verpasse" und - noch schlimmer - den anderen immer hinterhergucken muss. Ähnlich wie in einem Computerspiel bleibe ich immer noch beim 1. Level hängen, während die anderen schon wer weiß wo sind.
Sehr geehrte Damen und Herren,
auch ich möchte Ihnen auf diesem Wege eine Frage stellen.
Ich bin 31 Jahre alt und Single. Ich würde gerne heiraten, habe jedoch keinen Kinderwunsch. Ich lebe in einer wunderbaren Wohngemeinschaft, habe eine intakte Familie und viele Bekannte und Freunde. Ich habe eine gute Vollzeitstelle in einem großen Unternehmen, bin unabhängig und ziemlich selbstständig. Zu dem habe ich zwei Berufausbildungen genossen (Lehre und Studium) und bin vielseitig interessiert. Darüber hinaus finde ich mich selber attraktiv (dementsprechend pflege ich mich und halte mich fit) und das wird mir auch häufig von meinen Mitmenschen (sowohl Männern als auch Frauen) rückgemeldet.
Zudem lerne ich immer wieder neue Leute kennen, da ich relativ schnell neue Kontakte knüpfe – insbesondere auch zu Männern. Allein in den letzten eineinhalb Jahren haben sich fünf Männer um mich beworben. Mit zwei weiteren hatte ich regen E-Mailkontakt, der von mir aber nicht weiter vertieft wurde. Es ist tatsächlich so, dass ich bei Männern gut ankomme. Ich flirte relativ viel – je nach Laune – und komme wie gesagt recht schnell ins Gespräch. Zudem beobachte ich seit etwa eineinhalb Jahren, dass sich Männer gewissermaßen um mich "kümmern": Unabhängig, ob sie nun in einer Beziehung sind oder nicht, tun sie etwas für mich. Entweder, es wird mir ein kompletter Nachmittag in der Stadt gezahlt oder ich werde nach Hause gefahren oder – und das ist das Konsequenzenreichste – sie treiben meine Karriere voran. So machte mir ein Mann Mut, sich in einer ganz bestimmten Firma zu bewerben, ein weiterer gab mir Tipps für das Bewerbungsgespräch, ein weiterer besorgte mir Adressen, um mich auf einen höheren Posten zu bewerben. Ohne Männer wäre ich jetzt nicht da, wo ich jetzt bin.
Dennoch wollte keiner dieser Männer eine Beziehung mit mir, sie wollten mir einfach nur etwas Gutes tun.
Eigentlich könnte ich mich ja glücklich schätzen. Tatsächlich ist es aber so, dass ich immer wieder Phasen erlebe, in denen ich sehr unglücklich über mein Singledasein bin. Ich habe so viele Vorzüge, warum bin ich dann noch immer allein? Ich kann mich über mangelnde Interessenten nun wirklich nicht beklagen, trotzdem ist da diese Riesenangst, ein Leben lang alleine bleiben zu müssen. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin alleine auch glücklich und ich fühle mich auch nicht "leer" oder "halb" ohne Partner, ich kann mich auch sehr gut allein beschäftigen, nur zu zweit ist das Leben einfach noch etwas bunter. Und ich genieße es einfach, exklusiv für meinen Partner da zu sein.
Meine große Angst ist es, dass ich ohne Partner "etwas verpasse" und – noch schlimmer – den anderen immer hinterhergucken muss. Ähnlich wie in einem Computerspiel bleibe ich immer noch beim 1. Level hängen, während die anderen schon wer weiß wo sind. Andere bauen in meinem Alter ein Haus und heiraten, nur ich hinke da irgendwie hinterher.
Mehrere Gespräche verrieten mir, dass ich nichts falsch mache, auch eine zu Rate gezogene Psychologin sagte mir, nein, Sie machen nichts falsch. Lassen Sie die Dinge auf sich zukommen, sehen Sie sich an, Sie sind doch eine attraktive Frau, da kommt noch jemand. Haben Sie einfach etwas Geduld.
Ich habe aber langsam keine Geduld mehr, ich bin leider schon länger alleine. Was raten Sie mir, was ich tun soll? Ich bin der Meinung, ich mache nichts falsch.
Vielen lieben Dank für Ihre Hilfe!
Theresa*
Antwort: Ein altbekanntes Problem: Der Fisch und das Fahrrad!
Liebe Theresa
wir kennen uns nicht und es ist unmöglich, dass ich Sie durch das was Sie schreiben wirklich kennen lerne. Umso spannender ist es, darauf zu schauen, was bei mir als erster Eindruck entsteht. Bitte verstehen Sie mich richtig: Die folgende Rückmeldung meint nicht Sie als ganze Person. Ich beschreibe nur, welchen Teil Sie von sich sichtbar machen. Darüber lohnt es sich zu sprechen, denn sicherlich zeigt er sich auch im Kontakt zu anderen Menschen und damit auch Männern.
Ich sehe durch das was Sie schreiben eine attraktive, erfolgreiche, intelligente Frau in den besten Jahren vor mir. Sie fühlt sich in sich selber vollständig, macht alles richtig, sie weiß sehr viel und reflektiert sich gut. Sie hat keine echten Sorgen, sie ist kompetent, sie weiß was sie will, ist beruflich auf einem guten Weg – man könnte sagen, sie hat alles was sie braucht! Diese Frau schreibt, sie habe eine Frage. Ich finde, Sie haben eigentlich gleich zwei: Warum bin ich allein und was kann ich tun? Meine Frage an diese Frau wäre: Sehnt sie sich? Was möchte sie von einem Mann, den sie nicht braucht? Sie möchte keine Familie, keine Kinder. Sie will nicht allein sein und spricht über das Leben als Computerspiel, in dem sie zurückbleibt. Sie beurteilt sich durch einen Vergleich mit anderen, die in Level 2 und 3 bereits Häuser bauen.
Wenn ich aus den Zeilen dieser Frau keine Sehnsucht spüre, wie sollte es ein Mann können? Sie schreibt nichts von Männern, die sie selbst begehrt, sie schreibt nur, dass sie begehrt wird. Sie hat eine Riesenangst vor dem Alleinebleiben, aber warum? Sie braucht doch niemanden. Sie ist aufgehoben in einer wundervollen Wohngemeinschaft, hat Familie…
Mit der Emanzipation haben wir modernen Frauen die Notwendigkeit abgeschafft, uns zu binden. Wenn wir also heute mit einem Mann zusammen sein wollen, dann gibt es vor allem die Gründe Kinder und Liebe/Leidenschaft. Kinder sind es nicht im Falle der Frau – wo ist also ihre Sehnsucht? Soll der Mann nur helfen in Level 2 zu kommen? Ist er Mittel oder Zweck?
Liebe Theresa, ich habe nur meinen ersten Eindruck beschrieben, aber dieses Bild bietet sich mir im Singlecoaching immer wieder. Erfolgreiche Frauen, die so gut alleine leben, dass kein Mann mehr nötig ist und die so beschäftigt sind, dass sie oft auch gar keinen Bezug zu ihrer eigenen Sehnsucht nach Liebe mehr haben. Der Fisch und das Fahrrad!
Wo ist die Frau, die sich erst in den Händen eines Mannes als Frau fühlt? Wo ist der Teil von Ihnen, der sich Liebe und Geborgenheit wünscht? Wo ist Ihre Sehnsucht nach Romantik? Ohne dass Sie dem begegnen und ihn für andere sichtbar machen, wird kein Mann sehen können, dass er willkommen ist und Sie haben keinen Grund einen Mann an sich heran zu lassen. Wollen Sie sich „angreifbar“ machen, sich sogar unvollständig fühlen? Es klingt paradox, aber ich glaube das würde helfen!
Herzlichst
Lisa Fischbach