Der schönste Tag im Leben eines Brautpaares ist die Hölle für die Single-Freunde. Soll man sie deshalb nicht mehr einladen? Oder als Single eine
Hochzeitseinladung lieber ablehnen? Eine Gebrauchsanweisung.
Sven (35) und Lisa (32) heiraten in den nächsten Monaten. Schon jetzt ist Lisa ein wenig gestresst, wenn sie an ihre Single-Freundinnen denkt. "Man hört doch immer wieder, dass Singles darunter leiden, wenn Freunde heiraten", sagt die Team-Leiterin. "Soll ich aus Rücksichtnahme meine Freundinnen lieber nicht einladen?" Psychologin Lisa Fischbach gibt Entwarnung: "Eine Hochzeitsfeier ist nicht für jeden Single eine emotionale Belastung. Das hängt davon ab, wie unzufrieden derjenige mit seinem Singleleben ist und ob er in einer Heirat seine persönliche Idealvorstellung sieht."
Heimliche Vorbereitungen
Sicherlich ist es der falsche Weg, sich selbst weniger auf die Hochzeit zu freuen, um den Single-Freunden Leid zu ersparen. Lisa hält nämlich aus Rücksichtnahme alle Vorbereitungen von ihrer Freundin Julia (31) fern. "Ich weiß, dass sie sich gern für mich freuen würde, aber irgendwie gelingt es ihr nicht." Psychologin Lisa Fischbach sagt: "Wer als Single mit sich im Reinen ist, kann sich auf ganz selbstverständliche Art mit dem Brautpaar freuen und sich im besten Fall sogar motiviert fühlen, die Partnersuche verstärkt anzugehen."
Allerdings freut Julia sich wirklich nur bedingt für ihre Freundin, denn sie leidet unter ihrem Single-Dasein und wünscht sich nichts sehnlicher als einen Partner, bestenfalls zum Heiraten. Klar, dass es ihr nicht wirklich gelingt, Freude für das Glück ihrer Freunde zu entwickeln. "So eine Hochzeit konfrontiert mich erst Recht mit meinem Alleinsein", klagt sie. "Am Liebsten würde ich gar nicht erst hingehen."
Einfach so absagen? Und dabei den wahren Grund nennen? "Das hängt von der Intensität der Freundschaft ab", so Lisa Fischbach. "Und davon, ob die Freunde die Wahrheit vertragen. Wirklich gute Freunde haben Verständnis für Ihr Leid, dann sollten Sie es ansprechen." Bei entfernteren Bekannten kann das irritierend und unangemessen wirken, dann ist eine plausible Ausrede womöglich die bessere Wahl.
Neidfaktor Hochzeit
Manchmal ist es aber auch bloßer Neid, wenn die Single-Freunde sich nicht mit einem freuen. Neid darüber, selbst noch nicht den richtigen Partner gefunden zu haben. "Fehlt einem Freund die menschliche Größe, anderen das Glück zu gönnen, ist das eine Chance, mehr über die Qualität der Freundschaft zu erfahren", sagt Lisa Fischbach. Mit anderen Worten: Denken Sie darüber nach, ob dieser Mensch wirklich so ein guter Freund ist und Sie ihn zu Ihrer Hochzeit einladen wollen.
Tipp für das Brautpaar: Sehen Sie genau hin, warum Ihre Single-Freunde sich nicht so richtig mit Ihnen freuen. Wenn es die Konfrontation mit dem eigenen Alleinsein ist, dann sollten Sie ihm oder ihr gegenüber tolerant sein. Setzen Sie dann die Single-Freunde strategisch geschickt bei der Feier nebeneinander. Achten Sie bereits bei den Einladungen auf ein ausgewogenes Verhältnis von Single-Frauen und -Männern. Vielleicht entstehen auf diese Weise neue Paare. Des Weiteren sollten Sie in den Einladungen für Ihre Singlefreunde schreiben, dass sie gern in Begleitung eines Freundes kommen können.
Das Glück der Anderen
Es sind übrigens keineswegs nur Frauen, die den Heiratsplänen der Freunde bisweilen wenig abgewinnen können. Dennoch: Frauen lassen sich eher von solch emotional aufgeladenen Veranstaltungen ergreifen und in ihren romantischen Wünschen berühren. Männer können eher den rationalen Blick behalten und es so von sich fernhalten. Dennoch: In peinliche Spielchen verwickelt zu werden, in dessen Verlauf dann die ganze Hochzeitsgesellschaft über sie lacht, sollten Sie vor Allem Ihren Single-Freunden ersparen. Das verlangt häufig auch eher robusteren Naturen ein bisschen viel Toleranz ab.
Das Glück der anderen kann tatsächlich sehr belastend sein. Oft erleben Paare kurz vor der Hochzeit noch einmal eine Phase intensiver Verliebtheit und strahlen dies auch nach außen aus. Das nervt auch Julia manchmal: "Dann fühle ich mich wie das fünfte Rad am Wagen." Der Tipp der Expertin: "Wem die Liebelei und die Zärtlichkeiten unter Paaren zuviel werden, darf dies ruhig charmant und diplomatisch ansprechen und mit entsprechender Erklärung um ein bisschen Rücksicht bitten."
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