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Hirnforschung: Warum Männer und Frauen unterschiedlich ticken
Hirnforschung: Warum Männer und Frauen unterschiedlich ticken (Kategorie: Psychologie)
So sehr wir die Gleichheit zwischen den Geschlechtern herbeisehnen: Es gibt Dinge, die unterscheiden Männer und Frauen. Und damit meinen wir nicht Fußball-Leidenschaft und Schuhtick. Nun haben Forscher nämlich bewiesen: Männer- und Frauengehirne unterscheiden sich anatomisch.

Schon im Mutterleib sorgen die kleineren Y-Chromosome, die den Anteil der Geschlechtshormone regeln, dafür, dass ein Fötus männliche Züge entwickelt. Und tatsächlich wird dadurch auch die Entwicklung des Gehirns beeinflusst. Das bedeutet: Das unterschiedliche Verhalten der Geschlechter wird nicht nur durch unser Verhalten bestimmt, sondern liegt auch an den verschieden entwickelten Gehirnstrukturen.

Männerhirne sind größer, Frauenhirne fitter

Frauengehirne sind in der Regel symmetrischer als männliche. Auch andere Teile zeigen unterschiedliche Formen. Obwohl die Kleinhirne bei beiden ähnlich groß sind, haben Männer durchschnittlich ein größeres Großhirn. Auch die Anzahl gewisser Neuronen an verschiedenen Stellen des Gehirns ist jeweils verschieden – eine Erklärung für die unterschiedlichen Reaktionen auf chemische Botenstoffe wie beispielsweise Sexualhormone. Aber kein Grund zur Freude, liebe Herren: Frauen mögen in einzelnen Regionen weniger Volumen aufweisen. Dafür haben sie Ihnen aber etwas voraus. Denn sie verfügen über Hormone, die ihnen zwar dreimal häufiger Migräne bescheren als Männern, dafür helfen sie auch, Gehirnschäden zu reparieren. Statistiken beweisen: Frauen erholen sich besser von Schädelverletzungen oder Gehirnschlägen als Männer. Und ihr Gehirn bleibt Dank des größeren Anteils an weiblichen Hormonen auch mit zunehmendem Alter leistungsfähiger.
Tatsächlich spielt sich männliches Denken in anderen Regionen des Gehirns ab, als weibliches. Wenn eine Frau zuhört oder spricht, sind beide Hirnhälften in den meisten Fällen in etwa gleich aktiv. Männer denken vornehmlich mit der linken Hirnhälfte. Auch die Tatsache, dass Frauen eine schlechtere Orientierung haben, wird so erklärt: In einem Experiment der Universität Ulm sollten die Probanden aus einem komplizierten Labyrinth herausfinden. Während Frauen vornehmlich die vorderen Hirnregionen dazu nutzten, waren es bei den Männern weit tiefer im Gehirn liegende Regionen. Unterschiedliche Kompetenzen liegen also in den einzelnen Hirnzonen.

Angeboren oder anerzogen?

Bleibt die Frage, wie viel unseres geschlechtsspezifischen Rollenverhaltens von außen beeinflusst wird und was genetisch programmiert ist. Viele Eltern haben es probiert: Mädchen oder Jungen, die das Spielzeug des jeweils anderen Geschlechts zum Spielen bekommen, bevorzugen dennoch vorrangig die typischen Mädchen- oder Jungen-Spiele und Verhaltensweisen.
Der britische Psychologe Simon Baron-Cohen vertritt die These, dass Männer sich mehr für Systeme interessieren, weshalb sie besser für mathematische oder mechanische Überlegungen geeignet seien. Frauen hingegen verfügen über größeres empathisches Talent und sind deshalb auch sprachbegabter. Und tatsächlich leiden wesentlich mehr Männer unter Sprachstörungen als Frauen. Allerdings beziehen sich solche Aussagen immer nur auf den Durchschnitt, so der Psychologe: Ausnahmen sind ebenso existent.
Es ist nicht eindeutig bekannt, inwieweit diese Unterschiede nun tatsächlich angeboren oder eben anerzogen sind. Nicht ausschließlich das genetische Programm ist dafür verantwortlich, wie das Gehirn arbeitet. Auch die Erlebnisse und Umwelteinflüsse vor allem während der Kindheit und Jugend formen es mit.

Arbeitsteilung in der Höhle

Bleibt noch die Frage, woher diese genetischen Unterschiede eigentlich kommen. Die Erklärung der Forscher: Menschlicher Nachwuchs brauchte auch in der Vorzeit über einen relativ langen Zeitraum die intensive Betreuung der Eltern. Also bot sich die Aufteilung der häuslichen Pflichten an: Die Männer übernahmen das Jagen, für das sie natürlich ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen brauchten. Die Frauen blieben zu Hause, pflegten die Kinder und die Sozialkontakte und entwickelten so ihre sprachlichen Fähigkeiten. Bis heute wirkt sich das auch auf die Anatomie aus.
Fazit: Männer und Frauen ticken unterschiedlich. Und das gleich auf verschiedenen Ebenen. Doch ob angeboren oder anerzogen: Die jeweiligen Eigenschaften sollten im Rahmen der Gleichberechtigung als Chance gesehen werden. Gemeinsam sind wir stark, denn die Kombination aus sozialen Fähigkeiten und dem Interesse an technischen Systemen machen uns letztendlich unschlagbar. Eigentlich ein schöner Gedanke, denn das bedeutet, dass Männer und Frauen einander unbedingt bereichern.

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