Heute sinniere ich über den Orgasmus. Ein wahrlich schönes Thema.
Wer erinnert sich nicht gerne an die herrliche Szene aus dem Kultfilm "When Harry meets Sally": Meg Ryan und Billy Cristal streiten sich über das Verhalten von Paaren. Und Harry (B.Cristal) behauptet, er könne mit Sicherheit merken, wann seine Partnerin einen Orgasmus nur vortäuschen würde.
Das sei ihm natürlich noch nie passiert…bis schließlich Sally (M. Ryan) ihren öffentlichkeitswirksamen Auftritt hinlegt.
Die Aufregung drum herum mutet uns vielleicht heute etwas merkwürdig an – immerhin sind ja seit dem Film auch schon wieder 20 Jahre ins Land gegangen. Überhaupt: Noch in prähistorischen Zeiten, aber auch im klassischen Altertum konnte der Geschlechtsakt samt orgiastischer Verzückungen noch ohne Schuldgefühle und falsche Scham dargestellt werden. Das änderte sich schnell, und eine solche Freizügigkeit war in der Kunst des Abendlandes nicht mehr denkbar. So wurde man auf eine Vulva anhand eines Geigenkastens hingewiesen, und der Verlust der Unschuld wurde durch einen umgestürzten Obstkorb symbolisiert. Eine solche Zensur findet heutzutage so gut wie gar nicht mehr statt.
Alles ist möglich, ja, man könnte, was das Sexuelle angeht, fast wie Obama sagen: "Yes, we can!". Aber das ist natürlich trügerisch. Schon Michel Foucault hat in seinen Untersuchungen zu "Sexualität und Wahrheit" herausgearbeitet, dass die scheinbare Befreiung der Sexualität, die durch das Sprechen über Sexualität und das Zeigen von Sexualität stattfinden soll, in Wirklichkeit nur neue Machtverhältnisse schafft, die das Individuum einengen und manipulieren. Welche Um- und Abwege wir auf dem Wege hin zu dieser befreiten Sexualität zurücklegen können, hat z.B. Wilhelm Reich beschrieben: mit seinem Orgonakkumulator könnten wir endlich zu unserem endgültigen und vollständigen Orgasmus gelangen… "Yeees, we caaaan!"