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Kategorie | Fräulein Wunder wundert sich über die Liebe


Happy 2011: Nie war mehr Anfang als jetzt
Happy 2011: Nie war mehr Anfang als jetzt (Kategorie: Fräulein Wunder wundert sich über die Liebe)
Kennen Sie Kühlschrankpoesie? Kleine Puzzleteile, die Sie zu schräger Lyrik aneinanderreihen können?

Mein Kühlschrank ist ein kleiner Verräter. Wenn man sich den mal genauer anschaut, weiß man genau, wie es gerade um meine Seelenlage und die meiner Freunde bestellt ist. Sie denken jetzt vielleicht an das Bild, wenn die Kühlschranktür aufschwingt. Spot an für mehrstöckig geschichteten Schokopudding, ahhh, alles klar: Liebeskummer. Heeey, ein Sixpack Bier, das regelmäßigen Herrenbesuch indiziert. Nein. Nicht der weiche Kühlschrankkern ist beredt, sondern seine harte Schale. Von außen spricht mein Kühlschrank Bände.

Kühlschrankpoesie. Kennen Sie diese kleinen Magnetworte, die an der Kühlschranktür haften und die man aus ihren 1001 Puzzleteilen zu ziemlich schräger Lyrik aneinanderreihen kann? Perfekt geeignet, um Besucher während des Kochvorgangs halbwegs sinnvoll zu beschäftigen. Denn wenn ich brutzele und brate, dulde ich keine helfenden Hände. Also bekommen Freundinnen und Freunde, Verehrer und Dates ein Glas Rotwein in die Hand gedrückt und werden zum kreativen Arrangieren von Buchstabenschnipseln verdonnert, während ich ähnlich mit den Gemüsesschnitzen verfahre. Die perfekte Aufgabenteilung. Und ein bisschen Therapie für beide Seiten.

Das erste Hungergefühl am ersten Wochenende des neuen Jahres. Ich studierte meinen Kühlschrank, erst von innen, nix drin. Dann von außen. Wenigstens ein bisschen Nährwert fürs Hirn, dachte ich mir. Und entdeckte einen Spruch, der selten besser passte. „Nie war mehr Anfang als jetzt“. Ein Zitat meiner Freundin Tiffy, die es neulich von einem amerikanischen Dichter geklaut und beseelt von zuviel Sekt und dem Gefühl des Verliebtseins an meinen Kühlschrank gepuzzelt hatte. Dieser spezielle Anfang fand leider ein schnelles Ende. Doch der Spruch stimmte immer noch, und nie trug er mehr Wahrheit in sich als jetzt, kurz nach Silvester. Vor allem für Tiffy selbst: Denn sie zieht nächste Woche von der Singlehauptstadt Hamburg ins beschauliche Lüneburg. Meine Fräulein Wunder-Kristallkugel prophezeit ihr dort übrigens den Mann ihres Lebens und eine große Kinderschar. Fern unserer schnell-l(i)ebigen Metropole wähne ich Tiffys persönlichen Anfang.

Tiffy wiederum weissagt mir ebenfalls einen spektakulären Neubeginn – mit einem ihrer Umzugshelfer. Was etwas skurril ist, denn den findet sie eigentlich selber total spitze. Sie entwickelten beim gemeinsamen Sport nicht nur Muskeln, sondern auch eine besondere Beziehung zueinander, die nie so richtig in die Gänge kam. Schade, findet Tiffy. Und jetzt sagt ihre Kristallkugel, dass ausgerechnet dieser Sportsfreund mein Mr. Right sein könnte. So richtig geheuer ist ihr diese Idee selber nicht, aber die Erfahrung sagt: Manchmal behält ihre weibliche Intuition wirklich Recht. Wie viel Anfang steckt also für mich zwischen Hamburg und Lüneburg? Möglicherweise will Tiffy mir auch nur die Kistenschlepperei hübsch verpacken. Denn ob bei diesem unliebsamen Treppen-Workout Funken sprühen, bezweifle ich. Ich vermute, die Glut wird in Schweiß und Tränen ertränkt. Immerhin gar nicht so einfach, Tiffy ziehen zu lassen.

Trotzdem: Das Jahr ist noch jung, wer weiß, was es bringen wird? Allein, wenn ich an meine liebe Single-Freundin Kathrin denke, die noch im Oktober auf meinem Kühlschrank verkündete: „Das Leben ist ein fliegender Vogel.“ Sie hatte Recht – wusste sie zu diesem Zeitpunkt doch noch nicht, dass sie auf Wolke Sieben ins neue Jahr schweben sollte. Und all die guten Vorsätze, die beim fünften Glas Champagner in der Silvesternacht beschworen wurden: Haben wir nicht alle ein bisschen das Gefühl, an Silvester den Reset-Knopf drücken zu können? Das gilt auch für die Liebe. Mal sehen, ob ich bei Tiffys Umzug den Einzug der Liebe in mein Leben erwarten darf. Oder ob ich Amor doch einfach mal im Internet auf die Sprünge helfe. Wie dichtete ein unbekannter Poet auf meinem Kühlschrank? „Will Mund. Woll Lust. Wann Lippe?“ Die Beantwortung dieser Frage überlasse ich erst einmal dem Anfang himself. Denn wie ein anderer Dichter so richtig bemerkte: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“

Ihr Fräulein Wunder


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