Dass ich an einer "normalen" Freundschaft nicht interessiert bin, habe ich ihm ebenfalls gesagt. Ich bin ziemlich sicher, dass er mich noch liebt und selber nicht weiß, was er machen soll. Hat es Sinn auf ihn zu warten?
Liebe Redaktion,
ich habe nach einer langjährigen Zeit als Single (mit wenigen kurzen Unterbrechungen) vor 2 Jahren meinen Traummann kennengelernt. Leider war unsere Beziehung durch äußere Umstände (bei ihm beruflich und gesundheitlich, bei mir durch langjährige Krankheit und Tod meines Vaters, beruflichen Stress, depressive Phasen) sehr belastet. Außerdem brauchte ich länger, um mich ihm ganz zu öffnen, während er immer sehr offen und direkt ist. Vor 3 Monaten hat er sich dann (zum 3.Mal) von mir getrennt. Ich habe vieles in meinem Leben geändert, mit einer Gesprächstherapie angefangen, alte Hobbys wieder aufleben lassen, neue Hobbys angefangen. Wir begegnen uns öfter bei gemeinsamen Veranstaltungen. Ich habe den Eindruck, dass er oft über die Veränderungen bei mir positiv überrascht ist. Vor kurzem hatten wir ein längeres Gespräch, in dem er sagte, die Trennung mache ihm zu schaffen, er habe es bei anderen Frauen versucht, aber gemerkt, dass es nie wie mit mir war. Gefühlsmäßig habe ja alles gepasst, nur nicht die Art, wie wir miteinander umgegangen sind. Es sei viel kaputt gegangen. Ich liebe ihn auch immer noch und glaube daran, dass man sich gemeinsam weiterentwickeln und das "Miteinanderumgehen" lernen kann. Das habe ich ihm offen und direkt gesagt. Er meint, er bräuchte mindestens ein halbes Jahr, um wieder auf die Füße zu kommen, dann könne er ein "gutes" Verhältnis aufbauen. Dass ich an einer "normalen" Freundschaft nicht interessiert bin, habe ich ihm ebenfalls gesagt. Ich bin ziemlich sicher, dass er mich noch liebt und selber nicht weiß, was er machen soll.
Hat es einen Sinn zu warten und zu hoffen, dass wir wieder zusammenkommen? Wünschen tue ich es mir sehr, ich bin auch bereit ihm Zeit zu lassen.
LG
Tona*
*Name von der Redaktion geändert
Antwort: Gehen Sie aufeinander zu!
Liebe Tona,
solche kritischen Lebensereignisse, wie sie Ihnen beiden widerfahren sind, belasten jede Beziehung – die eine mehr, die andere weniger. Wie Stress einzeln verarbeitet und wie damit als Paar umgegangen wird, ist sehr unterschiedlich. Ihnen scheint es als Paar nicht ausreichend gelungen zu sein, sich in dieser schweren Phase gegenseitig zu unterstützen. Die Mehrfachbelastungen haben Sie dermaßen anspannen und verzweifeln lassen oder überfordert, dass ihre Bedürfnisse aneinander nicht zufrieden stellend ausgelebt werden konnten. Ihr zwischenmenschlicher Umgang litt derart darunter, dass es daraufhin zur Trennung kam.
Mir wird aus Ihren Zeilen nicht klar, woran Ihre Beziehung letztendlich genau zerbrochen ist. Was waren die konkreten Gründe Ihres Freundes, aus der Beziehung auszusteigen? Wie Sie schreiben, zeigen Sie gegenwärtig viel Initiative, um neue Stabilität in Ihr Leben zu bringen. Ihr konsequentes Verhalten beeindruckt auch Ihren Freund. Doch das Scheitern der Partnerschaft lag nicht nur an Ihnen. Auch Ihr Freund hat offensichtlich keine Mittel gefunden, die Beziehung zu retten und sah nur in der Trennung eine Lösung.
Wie es aussieht, verbindet Sie noch viel Gefühl. Das ist in der Tat eine gute Voraussetzung, um über Vergangenes zu sprechen, mit einem gewissen Abstand das Miteinander zu analysieren und zu erkennen, wie sich Ihr problematisches Verhalten gegenseitig bedingt hat. Findet man dadurch ein gemeinsames Verständnis, reichen die Gefühle und gelingt es Ihnen, sich gegenseitig zu verzeihen, wäre eine zweite Chance möglich. Wie ich aus Ihren Worten lesen kann, sind Sie dazu bereit. Ihr Ex-Freund braucht aber noch ein halbes Jahr Zeit. Wofür? Um auf die Füße zu kommen. Was ist damit gemeint? Beruflich oder will er die Trennung allein verarbeiten, die Klärungsphase mit sich alleine ausmachen? Oder herausfinden, ob er sie noch liebt? Sie scheinen sich ziemlich sicher zu sein, dass er Sie noch liebt. Stellt sich die Frage, ob das Ihre Hoffnung ist oder sein wirkliches Gefühl. Die Strategie, dies herauszufinden kann warten sein. Aber das macht Sie passiv, Sie müssen emotional offen bleiben, stattdessen blicken sehnsüchtig wartend nach hinten. Das ist sehr Energie zehrend und was ist, wenn es kein Happy End gibt? Besser ist der Weg, auf einander zu und in die Klärung zu gehen. Das können Sie nur zu zweit und im Kontakt. In solchen Begegnungen zeigen sich Gefühle, Chancen und Probleme deutlicher. Sie finden viel schneller Klarheit.
Wenn Sie bei bestimmten Themen nicht weiter kommen und dennoch beide spüren, dass ein großes Ja für einander im Raum schwebt, nur der Weg zueinander nicht erkennbar ist, sind ein paar Sitzungen bei einem Paarberater häufig sehr hilfreich.
Alles Gute,
Ihre Lisa Fischbach