Auch ich habe Erfahrungen mit sogenannten Alphamännchen gemacht.
Es gibt viele Motive für Liebe. Jedoch lassen sich zwei wesentliche Antriebe unterscheiden. Das Geld und das Gefühl. Anders gesagt: Sicherheit und Romantik. Ich teile Ihre Faszination, was Frauen an den Leitwölfen im Singlerevier eigentlich so anmacht, verehrter Herr Kollege Leyendecker. Ein archaisches Programm scheint eine Vielzahl von Frauen noch immer dazu zu verleiten, den Versorger zu wählen und den Verzauberer ziehen zu lassen. Soviel zur Theorie. Doch die sensiblen Männer können aufatmen. Denn heute gibt es viele finanziell unabhängige Frauen, die sich um ihren Kontostand keine Sorgen machen müssen, die aber emotional unterversorgt sind. Und die sich deshalb statt des spendablen Alphamännchens den sensiblen Seelenverwandten an ihrer Seite wünschen, ganz einfach, weil sie es sich leisten können.
Männer, die in der Chefetage ganz oben sitzen, zahlen nämlich eine beträchtliche Summe an Nachteilen auf das Beziehungskonto ein. Oft verschulden sie die in privaten Momenten. Zum Beispiel am Frühstückstisch. Genau in solchen Situationen wollen wir Frauen einem Mann auf Augenhöhe begegnen. Nun verhält es sich aber so, dass die Augen eines Leitwolfes um 7.30 Uhr morgens zumeist in den Wirtschaftsteil der Süddeutschen und nicht in unsere verliebten Blicke versinken. In der Priorisierung kommt das romantische Dinner nach dem Verhandlungsmarathon mit dem Vorstand. Ich kenne einige Frauen, die sich mit teurem Luxusgut darüber hinwegtrösten, dass sie finanziell wahnsinnig gut fremdversorgt, dafür aber strenggenommen alleinerziehend sind. Weil sich ihre Lebenswelt auf das Diskutieren über Bio-Dinkelkekse in Gesellschaft gelangweilter Latte Macchiato-Mamis auf dem Spielplatz beschränkt, während der Alpha-Gatte den Chefposten rockt – und sich so das Beziehungsgefälle dramatisch verstärkt. Es klingt ein bisschen nach Klischee. Aber genau so kann es laufen.
Ich habe mich an ihnen versucht, den Alphamännchen oder solchen, die es werden wollten. Genau genommen waren es zwei. Ein Chefarzt Mitte 40 und ein aufstrebender Marketing-Yuppie Ende 20. Der Chefarzt war es gewohnt, dass ihm wegen seines Cabrios und seiner riesigen Dachterrasse sowohl die Straße und die Stadt als auch die Damenwelt gleichzeitig zu Füßen lagen. Vorsichtshalber informierte er mich beim zweiten Date auch schon mal über sein fünfstelliges Monatsgehalt, damit die Fronten direkt geklärt waren. Für ihn war es in diesem Zuge selbstverständlich, dass er stets die Getränke und das Essen zahlte, aber eben auch, dass ich dafür mit meiner ständigen mentalen und körperlichen Verfügbarkeit bezahlte. Ein Deal. Aber Gefühl? Der junge Yuppie verlangte hingegen nach ständiger Aufmerksamkeit und Bewunderung, die er in seiner Abteilungsleiterfunktion auf dem Weg in die Vorstandsriege noch vermisste. Aber nur von Samstagabend bis Sonntag früh. Während der Woche war er auch abends auf Arbeit festgelegt. Und wahrscheinlich auch auf die junge Assistentin, die ihn angeblich immer so anhimmelte. Was sie mit Sicherheit besser drauf hatte als ich.
Doch dann stieß ich auf eine neue Gattung – und nicht nur ich. Eine besondere Spezies im Rudel rund um den Leitwolf erobert nun die neue Generation Frauenherzen. Die emotionalen Versorger. Das sind die sensiblen Männer, die nicht an vorderster Jobfront die Ellenbogen ausfahren. Denen dafür Liebe und Familie und Freunde und Freizeit mindestens genauso viel wert sind wie Ästhetik und Genuss, Erfolg und Anerkennung. Wohlbemerkt ist diese Form der Gamma-Männchen von den Gammel-Männchen zu unterscheiden. (Unter Gammel-Männchen versteht man die Gattung Mann, die ohne erkennbaren Grund 25 Semester lang für ein Studium benötigt und dann feststellt, dass mit dem Abschluss nicht sofort ein Headhunter mit einem Managerposten bei Ihnen vorspricht.)
Doch auch die Evolution des emotionalen Versorgers ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Als Frauenversteher und Warmduscher verschrien, führen viele von ihnen im Job ein regelrechtes Schattendasein. Ihre Feinfühligkeit und das fehlende Arschloch-Gen disqualifizieren sie für eine Führungsposition. Dafür nehmen sie in der Gefühlswelt von immer mehr selbstbewussten Frauen die heimliche Pole Position ein. In der Hierarchie sozialer Dominanz unter Männern fügen sie sich in die hinteren Reihen. Und haben Spaß dabei – mit uns Frauen, versteht sich. Denn finanziell unabhängige Frauen schätzen einen Gesprächspartner, der sich mehr durch Empathie als durch Ehrgeiz auszeichnet. Der sich nicht durch Machtgebärden oder dem Maserati vor der Haustür Respekt verschafft, sondern auf der Matratze, als kreativer und einfühlsamer Liebhaber. Der emotionale Versorger ist vielleicht nicht reich, aber er weiß, das Leben einer Frau auf immaterielle Weise zu bereichern. Wir können mit ihm quatschen wie mit unserer besten Freundin, doch in den entscheidenden Momenten zeigt er uns, wie viel Mann in ihm steckt. Dass er weiß, worauf es im Leben ankommt. Dass an seiner Seite einfach alles gut wird. Und all dies kann so viel wertvoller sein als eine Zahl auf dem Kontoauszug.
Ihr Fräulein Wunder
Hallo,
ich finde die Autorin hat recht. Ich bin ein Emontionaler Versorger und werde von Frauen als Freund und Helfer im Alltag geschätzt. Aber nach Hause gehen sie dann mit dem Alpha-Männchen. Diese Typen stellen sich besser zur Schau und machen einen auf Super-Lover. Dabei wollen die nur Ihr Ego befriedigen. Emontionaler Versorger möchten aber an der Seite der Frau sein und sind nicht auf der Suche nach einer Frau die Ihn anhimmeln.
Ich glaube, dass die Frauen noch nicht die Emontionalen Versorger entdeckt haben und daher auf die Typen mit der großen Klappe und den großen Auto reinfallen und sich dann nach Jahren fragen wo sie den als Person in der Beziehung geblieben ist. Also wer als Frau keine Lust auf eine Statistenrolle in einer Beziehung hat. Hände weg vom Alpha-Mann, nehmt zur Abwechselung einen netten Mann und nicht einen Angeber. Vielleicht ist die Zeit reif, das Stickmuster zu ändern?
Ein ganz großartiger Beitrag und die Autorin hat wirklich recht. Nach einigen Alpha-Männchen und draus resultierenden Enttäuschungen habe ich mich mal auf einen emotionalen Versorger eingelassen – mit Erfolg und ganz viel “Glücklichsein”. In einer Sache muss ich allerdings widersprechen … auch emotionale Versorger können tolle Autos fahren
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Ich halte mich für einen emotionalen Versorger. Es war für mich nicht leicht, eine Frau zu finden, die dies auch zu schätzen weiß. Dabei dachte ich immer, es sei das, was ein Mensch zum Glücklichsein braucht: Liebe und Aufmerksamkeit, verstanden werden, Unterstützung und Gehör finden. Aber mein Leben hat mir bislang (fast) immer genau das Gegenteil bestätigt. (Die Antwort ist wahrscheinlich in der “Alphamännchen-Theorie” zu finden
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Als ich die Hoffnung, eine Frau kennen zu lernen, die mich mit meinen emotionalen Eigenschaften zu schätzen weiß, schon beinah aufgegeben hatte, lernte ich zum Glück jemanden kennen, der mir mit ein paar Worten, meinen zu verlieren drohenden Glauben zurück gab: “Menschen mit so viel Feingefühl und Liebe, die bereit sind auch zu geben, sind etwas Besonderes, wie eine Antiquität. Die meisten Menschen kaufen in einem Kaufhaus und nur wenige in einem Antiquitätenladen. Aber du möchtest doch diejenigen Menschen kennenlernen, die das Besondere lieben und suchen, oder? Deshalb kann es etwas dauern, bis die Eine kommt, die dich wertschätzt, … aber irgendwann kommt sie”.
Ich habe lange gewartet…und jetzt ist sie da – meine neue Freundin, die unglaublich glücklich darüber ist, wie wir uns auf liebevolle, ehrliche, respektvolle und aufmerksame Weise begegnen. Sie kannte es vorher so nicht und hat leider selbst einige Enttäuschungen mit Alphamännern erlebt, aber sie gibt mir das Gefühl, dass es genau das ist, was sie sich schon immer gewünscht hat. Wir sind beide sehr glücklich. Und ich glaube, dass diese beiderseits wertgeschätzte Liebe immer viel Nahrung haben wird, um von Bestand zu sein.
Übrigens liebt sie mich auch ohne Auto
Jetzt ist mein Platz im Antiquitätenladen frei und jemand, der auch von einem besonderen Menschen gefunden werden möchte, darf sich nun voller Hoffnung ins Schaufenster stellen. Und bitte schön lächeln