Nichts ist so kalt wie eine vergangene Liebe. Behaupten jedenfalls böse Zungen. Doch manchmal möchte oder kann man den Ex-Partner nicht einfach aus dem Leben reißen wie die gemeinsamen Urlaubsbilder aus dem Fotoalbum.
Kerstin (37) telefoniert fast täglich mit ihrem Ex. "Unsere Gespräche fehlten mir so! Da habe ich ihn einfach irgendwann angerufen", erzählt die Stadtplanerin. Leichter fällt ihr das Getrenntsein dadurch nicht. Kein Wunder: "Nach einer Trennung ist ein klarer Schnitt für beide Seiten der beste Weg" erklärt Liebeskummer-Expertin Silvia Fauck. "Beide müssen lernen, mit der neuen Situation klarzukommen. Gibt es immer wieder Rückfälle in alte Muster, wird die Trennung unnötig erschwert und die schmerzhafte Phase verlängert." Also besser Funkstille.
Der Ex als Kollege beim Projekt "Nachwuchs"
Was aber, wenn das nicht geht? Wenn Kinder im Spiel sind, sollten sich die Eltern auch nach der Trennung irgendwie zusammen raufen. "Versuchen Sie, Ihren Ex-Partner als Kollegen zu sehen, mit dem Sie ein Projekt bewältigen müssen", rät Fauck. "Entwickeln Sie eine Art Arbeitsbeziehung und konzentrieren Sie sich ausschließlich auf anstehende Situationen." So gelingt es Ihnen leichter, bei Konflikten Ruhe zu bewahren. Ansonsten gilt: Die Kinder sind tabu. Wenn Sie dem oder der Ex eins auswischen wollen, sie oder ihn schlecht machen oder zurückgewinnen wollen, lassen Sie die Kinder aus dem Spiel. Erklären Sie ihnen, wie es um Ihre Gefühle bestellt ist, damit sie die Situation verstehen können. Aber instrumentalisieren Sie Ihren Nachwuchs nicht.
Rachegefühle
Klar, dass wir sauer sind, wenn unser Ex-Partner verletzt hat. Der Trauerphase folgt die Wut. Das ist wichtig, um sich abzunabeln. Auch der Impuls, dem anderen eins auswischen zu wollen, gehört dazu. Aber: "Lassen Sie sich nicht dazu hinreißen, Rache zu üben", warnt der Liebeskummer-Coach. Das bringt Sie nicht weiter. "Hinterfragen Sie Ihre negativen Gefühle und betreiben Sie Ursachenforschung." Und wie begegnen Sie diesen Empfindungen am Besten? Machen Sie sich klar, dass Sie diesen Menschen einmal geliebt haben. Können Sie ihn nun wirklich so sehr hassen? Blicken Sie nach vorn, statt Ihre Energie an negative Rachegelüste zu verschwenden. Aktionen, die Sie selbst oder andere in Gefahr bringen oder womöglich rechtliche Konsequenzen haben, sind absolut außer Frage. Die beste Rache ist übrigens, wenn Sie so glücklich sind, dass Sie de, anderen nicht mehr nachtrauern.
Klare Ansagen
Ilka (41) trauerte ihrem Ex hinterher. Er hatte sie verlassen, weil er "Zeit für sich" brauchte. Deshalb hoffte Ilka, er werde nach einer Pause irgendwann zu ihr zurückkommen: "Wir haben häufig telefoniert und uns getroffen. Ich interpretierte das, als wolle er uns noch eine Chance geben, dabei hatte er nur ein schlechtes Gewissen." Doch sie kam mit dem ständigen Kontakt, ohne ein Paar zu sein, nicht zu Recht. Sie litt und drehte sich in einer Warteschleife. Schließlich zog Ilka die Notbremse und bat um Funkstille. Kurze Zeit später erfuhr sie, dass er eine Neue hatte. "Das war ein Schock, aber wenigstens hatte ich Gewissheit, dass es wirklich vorbei ist." Richtig, findet Expertin Silvia Fauck. Irgendwann muss nämlich Schluss sein mit Wiederbelebungsträumereien und Gedanken an den Ex: "Sein Leben geht Sie nichts mehr an! Also hören Sie auf, sich auszumalen, was er mit wem gerade tut. Blicken Sie nach vorn und konzentrieren Sie sich auf Ihr eigenes Leben." Das geht nämlich weiter – auch wenn die zweite Hauptrolle gerade unbesetzt ist.
Vier Phasen einer Trennung
Na klar, erst mal ist da der Schock. Erst dann brechen Gefühle wie Trauer, Verzweiflung und Wut hervor. Es folgt eine Neuorientierung, in der wir unser Leben wieder in die Hand nehmen und die Grübeleien in den Keller verbannen. Dann ist es nicht mehr weit, bis wir unser inneres Gleichgewicht und unseren Platz im Leben wieder finden. "Die Phasen sind nicht klar voneinander abgegrenzt und verlaufen bisweilen unterschiedlich", sagt Silvia Fauck. "Es ist aber wichtig, sie sich bewusst zu machen. Das hilft Ihnen, Ihre Gefühle zu verstehen und einzuordnen." Geben Sie sich auf jeden Fall genügend Zeit, alle Phasen auszuleben: Vom heftigen Trauern bis zum Genießen der Freiheit.
Manchmal ist Funkstille das Beste, um die Trennung nicht noch schwerer zu machen. Sie muss ja nicht ewig anhalten. Vielleicht können Sie sich irgendwann nach geleisteter Trauerarbeit wieder annähern und so etwas wie eine Freundschaft aufbauen.
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