Fremdgegangen. Es ist passiert. Vielleicht war es nur ein eine bedeutungslose Nacht. Oder ein verführerisches Abenteuer, das über einen gewissen Zeitraum den Alltag versüßte. Was bedeutet der Seitensprung für die Beziehung – und wie verhalten sich beide Seiten richtig?
Wer fremdgegangen ist, kämpft meist mit einem schlechten Gewissen dem Partner gegenüber. Die moralische Zwickmühle besteht in der Frage: Gestehe ich meinem Partner den Fehltritt oder verschweige ich den Ausrutscher lieber? Trenne ich mich für meine Affäre oder entscheide ich mich, ein Doppelleben zu führen? Fest steht: Ein Seitensprung zeugt in den meisten Fällen von einem inneren Konflikt oder einem empfundenen Mangel, den Betroffene nicht ignorieren sollten.
Der Ausrutscher
Zu tief ins Glas geschaut, der Kollegin in den Ausschnitt gefallen und dann zusammen im Bett gelandet: Der spontane Seitensprung, ein klassischer Ausrutscher. Wer weder verliebt ist noch den Ausflug in jenes fremde Bett wiederholen möchte, sollte sorgfältig abwägen, ob er seinem Partner den einmaligen Fehltritt gesteht. Diplom-Psychologin und Beziehungscoach Lisa Fischbach weiß: „Ehrlichkeit kann in einem solchen Fall eine ungeahnt zerstörerische Kraft entfalten. Was für einen selbst eher bedeutungslos erscheint, ist für den Partner der größte Vertrauensbruchs eines möglichen Treuegelöbnisses.“
Gestehen oder schweigen?
Ein Geständnis katapultiert den oder die Betrogene in eine emotionale Ausnahmesituation, die das Ende der Beziehung bedeuten kann. Nämlich dann, wenn der Partner seine Prinzipien oder Gefühle so tief verletzt sieht, dass das Vertrauensverhältnis irreparabel gestört wird. „Wer fremdgeht, mag den Impuls verspüren, sein Gewissen zu erleichtern und den Partner mit der Wahrheit zu konfrontieren.“ Doch durch ein Geständnis verringert sich die persönlich empfundene Schuld kaum, wohl aber die Chance auf eine vertrauensvolle Beziehung. „Der Akt des Betrugs wird in der Fantasie des betrogenen Partners irrational aufgeladen. Diese quälenden Bilder können zu einer großen psychischen Belastung werden.“, sagt Lisa Fischbach. Die Exklusivität der Beziehung wurde schließlich empfindlich gestört, was sie in ihren Grundfesten erschüttert. Aus einer solchen Krise kann jedoch auch eine neue, reifere Qualität der Partnerschaft erwachsen. Voraussetzung: Das Paar entscheidet sich vor dem Hintergrund des Seitensprungs bewusst für eine gemeinsame Zukunft. Am Ende der gemeinsamen Klärung kommt es zur Versöhnung und der Betrogene kann verzeihen.
Die Affäre – ausgelagerte Bedürfnisse
Eine Affäre unterscheidet sich vom Seitensprung durch den Vorsatz, den Partner zu betrügen: Wer über einen längeren Zeitraum fremdgeht, muss sich schließlich Ausreden einfallen lassen, heimliche Treffen organisieren – kurz: Aufwand betreiben, um nicht vom Partner erwischt zu werden. „Wer sich auf eine Affäre einlässt, sollte sich fragen, welche unerfüllten Bedürfnisse möglicherweise dahinter stecken.“, so Lisa Fischbach. Oft verständigen sich Paare im Laufe einer Beziehung auf eine kleine Schnittmenge ihrer persönlichen Neigungen. Innerhalb einer langjährigen Beziehung kann sich zwischen den Federn ein gewisses Maß an Langeweile einschleichen. Irgendwann suchen Paare dann womöglich im Außen nach Erfüllung beziehungsweise Kompensation.
Kommunikation in der Partnerschaft
Die Erfahrung aus der Paartherapie zeigt, dass die Toleranz innerhalb von Beziehungen viel größer ist als von den Betroffenen erwartet. „Fragen Sie sich, ob Sie jene Sehnsüchte, denen Sie in einer Affäre nachgeben, nicht auch in der eigenen Beziehung realisieren können. Natürlich kostet es Mut, die eigenen Wünsche zu kommunizieren – doch wer das tut, wird meist belohnt. Oft ist die Schnittmenge und Toleranzgrenze beim anderen viel höher als erwartet.“, konstatiert Lisa Fischbach. Den Bedürfnissen des Partners aufmerksam zu begegnen und die eigene Sprachlosigkeit zu überwinden, kann die Lust auf einen Seitensprung bereits im Vorfeld ausbremsen. Und wer sich zu einem einmaligen Fehltritt bereits hat hinreißen lassen, sollte lernen, das Gefühl der Schuld auszuhalten statt sich selbst entlasten zu wollen.
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