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Kategorie | Fräulein Wunder wundert sich über die Liebe


Freiwild-Fallen beim One-Night-Stand
Freiwild-Fallen beim One-Night-Stand (Kategorie: Fräulein Wunder wundert sich über die Liebe)
Ich habe genug von den Freiwild-Fallen und verbringe mittlerweile keine einzelnen Nächte mehr bei fremden Herren.

Freiwilliges Freiwild vor! Es gibt ja so Tage, da geben wir Singles uns selbst zum Abschuss frei. Und pfeifen auf die Gute Nacht-Geschichte im einsamen Doppelbett, um mit Einbruch der Dunkelheit eine Eine-Nacht-Geschichte aufzuschlagen. Oder besser gesagt aufzugabeln: Einen One-Night-Stand. Knapp 30 Prozent aller deutschen Singles zwischen 20 und 35 hatten schon mal einen. Eine Nacht mit einem vollkommen Fremden, ebenso erwartungs- wie hoffnungslos, ohne ein Wiedersehen. Ich weiß ja nicht, wie Ihre Erfahrungen mit diesem One-Night-Thing sind. Ich finde: Diese Stunden zwischen dem letzten Drink und dem ersten Hahnenschrei stecken voller Freiwild-Fallen.

Meinen ersten hatte ich im zarten Alter von 29. Ein ganz schön spätes Mädchen, finden Sie? Ich kompensierte diesen Umstand mit dem Alter meiner Eroberung. Keine Sorge, der  junge Mann hatte den Stimmbruch schon hinter sich, aber ich konnte kaum Bartwuchs erkennen. Stattdessen trug er lustige Ringe in der Nase und der Augenbraue. Wir waren an diesem Abend beide übriggeblieben. Es klingt traurig, ist aber so. Wir hatten die Bar leer getrunken und waren immer noch nicht voll, sondern offenbar innerlich ausgezehrt und auf der Suche nach etwas körperlicher Nähe. „Zu dir oder zu mir?“, fragte er lässig. Ich nehme grundsätzlich keine fremden Männer mit in meine Wohnung. Also fuhren wir mit dem Taxi zu ihm. Ganz schön weit draußen, die Bude, dachte ich noch. Ich wunderte mich auch, dass wir in sein Reich nur durch den spießbürgerlich eingerichteten Flur eines Einfamilienhauses gelangten. In seinem aufgeräumten Zimmer roch es nach frischer Wäsche. Eher hätte ich eine Räucherstäbchennote  in einer gammeligen WG erwartet. Um Punkt 7 am nächsten Morgen wusste ich jedoch, woher dieser Frischewäschewind wehte. „Gunnar, Frühstück!“ Die Tür sprang auf, ich ebenfalls. Gunnars Mutti hingegen sprang einen Schritt zurück. Gut so. Noch nie haben Sie mich so schnell eine Treppe hinunterflüchten sehen. Ich hatte mich in das Kinderzimmer eines Nesthockers verirrt.

Was immer noch besser war als sich ein Beziehungsnest zu verstricken. Nach einem halben Jahr Enthaltsamkeit kam mir damals dieser charmante Wuschelkopf auf der After Work-Party gerade recht. An einem Donnerstagabend, es war noch nicht einmal Nacht, begleitete ich ihn in seine Wohnung, die auf den ersten Blick kaum etwas Persönliches von diesem Mann preisgab. Sein stilles Örtchen erwies sich hingegen als ausgesprochen beredt. Als ich vor dem Spiegel stand, entdeckte ich die entlarvenden Utensilien. Make-up-Entferner. Wimperntusche. Die teure Antifaltencreme, die ich mir immer noch nicht leisten kann. All diese Tiegelchen entlarvten den so sympathischen wirkenden Mittdreißiger als Fremdgänger. Leider hatte ich sein Bad nicht drei Stunden früher aufgesucht. Zu spät. Ich sprach ihn auf seinen Beziehungsstatus an. „Wochenendbeziehung.“, nuschelte er nur. „Dann mal schöne Grüße morgen.“

Ob von Mutti höchstpersönlich weichgespülte Bettwäsche im Kinderzimmer oder Badezimmer-Beweise für dreisten Betrug auf dem eigenen Bettlaken: Wer bei einem One-Night-Stand in ein fremdes Revier eindringt, darf sich über solche Überraschungen nicht wundern. Ich habe genug von den Freiwild-Fallen und verbringe mittlerweile keine einzelnen Nächte mehr bei fremden Herren. Das einzige Risiko, auf das man dennoch trifft, wenn man in einer neuen Beziehungskiste etwas tiefer kramt: Sie finden Verweise auf die Vergangenheit. Zum Beispiel, wenn Sie nach einer verliebten Liebesnacht Ihr zerzaustes Haar richten wollen. Und zur wohl einzigen Bürste im Leben eines Fünfzentimeterhaarträgers greifen, in der einzelne lange blonde Haare noch immer das Revier markieren. Da hilft nur eines: Neue Bürste kaufen. Eigene Haare überall in der Wohnung verteilen. Zahnbürste drapieren. Denn wenn Sie jenseits der One Night-Abenteuer endlich irgendwo angekommen sind, soll man das schließlich auch sehen. Nicht nur für das eigene gute Gefühl. Es kann grundsätzlich nicht schaden, in der Wohnung des Herzblattes frühzeitig als Frau des Hauses und Herzens in Erscheinung zu treten. Nur für den Fall, dass der Liebste sich noch die frische Bettwäsche von Mutti frei Haus liefern lässt. Oder dass eines Donnerstagabends doch mal…

Ihr Fräulein Wunder


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3 Antworten zu “Freiwild-Fallen beim One-Night-Stand”

  • AteneaCL sagt:

    Hahaha! Ja, wir haben alle ONS gehabt, ich mit 28. Es war die Zeit ohne “ElitePartner” ;-) Ich denke, dass ONS ein Teil des Lebens ist.

  • Bitterkecks sagt:

    Was soll man dazu sagen? Was erwartet man denn von einem ONS, außer Sex? Man hat doch eh nicht vor den anderen wiederzusehen, sonst wäre es ja kein ONS. Also ist es doch egal, wer, wie, wo in welchen Umständen haust. Ich wunder mich auch über Fräulein Wunder – aber typisch Frau halt – nie zufrieden mit dem was sie hat. Tja – so verläuft eine Lebenszeit sicher nicht glücklich – aber ist sicher eh nur fiktiver Gedankenschmalz und daher nur wenig amüsant bis langweilig.

  • Kiara sagt:

    Ich möchte meiner Vor-Posterin ein wenig widersprechen.
    Ich glaube, das ist zu eindimensional gedacht.
    Ich bin der Meinung, dass in den meisten Frauen – auch wenn es manchen von ihnen noch nicht einmal bewusst sein mag – der scheinbar so spontane Gedanke, sich von einem fremden Mann zu einer Liebesnacht verleiten zu lassen (und umgekehrt), gar nicht in der schicksalhaften Nacht selbst, aus reinster Fleischeslust und sexueller Anziehung geboren wird. Denn hat Sie auch nur ein halbwegs normal entwickeltes Herz, sehnt Sie sich nur all zu lange schon nach vertrauter Zärtlichkeit, Nähe und Gefühl, da “das letzte Mal”, wahrscheinlich mit dem Ex, schon viel zu lange zurück liegt und Sie sich fast gar nicht mehr daran erinnert. Und wie den meisten Frauen, ist Ihr Sex mit Gefühl am wichtigsten. Und auch wenn Sie zumindest für diese eine Nacht Ihre Prinzipien, eines niederen Zwecks zugunsten, zu verleugnen scheint und diesen Deal eingeht, um das sehnlichst Gesuchte in Ihrem Leben nicht ganz verloren (glauben) zu haben und um die Hoffnung weiterleben zu lassen, tut Sie es wahrscheinlich doch im Wesentlichen, um wieder einmal zu spüren, wie gern Sie dies doch wieder mit einem Mann hätte, der gleichermaßen Gefühl für Sie hat, der in Ihr Gedanken an eine schönere Zukunft entstehen lässt -was Ihre Sehnsucht noch größer macht. Aber ohne, dass Sie es beeinflussen kann, hofft Sie doch zumindest ein paar Augenblicke lang, dass -wenn doch schon einmal in dieser Nacht -zumindest gefühlt- zum Teil einiges in Richtung eines “Gemeinsam” deutet, dass doch die Gelegenheit, da Sie doch so günstig scheint, dem Zwecke diene, dass all Ihre Sehnsüchte doch DIESER Mann erfüllen möge – gut sieht er zumindest ja schon mal aus ;-) .
    Ist es dann nicht also die logische Konsequenz (vorausgesetzt ER ist ein, im mehrfachen Sinn, “heißer” Kandidat”), dass Sie sich, wie Fräulein Wunder schon richtig ausformuliert hat, um sich richtig frei zu fühlen, in den “näheren Umständen” des Auserwählten umsieht, ob ein kuscheliges und dauerhaft zu Verfügung stehendes Plätzchen für Sie -nur theoretisch- bereit stehen könnte, sprich: sich keine Rivalinnen in seinem intimsten Aktionskreis befinden?
    Ich kann also gut verstehen, dass es für viele Frauen doch ein kleiner Stich in Richtung Hoffnung und Sehnsüchte ist und letztlich mit der Erkenntnis endet, sich, eines innigsten Wunsches wegen, unterhalb des eigenen Niveaus “verkauft” zu haben, wenn Sie auf “Freiwild-Fallen” stoßen. Ein echtes Ego-Desaster!!
    Ich kenne viele Frauen, einschließlich mir selbst, die wie Fräulein Wunder gelernt haben, dass genau aus in dem Titel dieses Blogs benannten Gründen, man nach einigen verbrachten One-Night-Stands, jedes Mal ein bisschen mehr Hoffnung und Urvertrauen eingebüßt hat, was es einem dann, wenn doch einmal Mr. Right vor einem steht, nicht leichter macht, ihn un-misstrauisch (und somit, mit nicht mehr ganz so viel Urvertrauen) ins Herz und Leben aufzunehmen.
    Toller Artikel, Fräulein Wunder!