Zurückhaltung in der Partnerwahl ist ein Phänomen, das sich durch die meisten Bereich der Tierwelt zieht.
Verschiedene Länder, verschiedene (Flirt-)Sitten. Im westlichen Kulturkreis scheinen die meisten Damen schwer erreichbar zu sein – so zumindest der erste Eindruck.
Gibt sich die Mehrheit des weiblichen Geschlechts beim Flirten und nach dem ersten Date mehr oder weniger bewusst "ein bisschen" arrogant und abweisend, um das männliche Interesse zu testen? Ist das gar ein Ritual, genauer gesagt, ein Flirtritual?
Schaut man sich die große Resonanz beispielsweise von Filmen wie Sex and the City, Bridget Jones und Co. an, könnte man schon auf die Idee kommen. Vielen Menschen scheint das "vorsichtige", ja teilweise abweisende Flirtverhalten – wenn es um den "Traummann" geht – vonseiten des weiblichen Parts sehr bekannt vorzukommen. "Frau" kann darüber auch sehr schmunzeln – so zumindest meine Erfahrung aus Gesprächen. Entsprechend heißt es: "Ja, Marcus, als Frau kann ich doch nicht gleich zugeben, dass ich ihn toll finde oder sogar mag!" oder: "Der Typ soll erst mal zeigen, dass er es ernst meint und bei der Stange bleibt!" Soso.
Was dazu passt: Letztens verfolgte ich eine Sendung auf Pro 7, die entsprechende Rituale thematisierte. In Ratgeber-Manier wurden den weiblichen Zuschauern "typische" Verhaltensweisen beim Flirten empfohlen. Ich fasse Sie im Folgenden sinngemäß zusammen:
1. Sich beim Flirten ein bisschen unnahbar geben. Grund: Dies entspräche einem Test à la: Bleibt das Interesse des Mannes weiterhin bestehen? Wenn ja, kann es "weitergehen".
2. Niemals nach dem zufälligen oder geplanten Date den Anderen anrufen – er soll das tun. Grund: Siehe Punkt eins.
3. Wenn er denn nun anruft, soll "Frau" sich wiederum ein bisschen winden – und dann erst mal wieder eine Abfuhr erteilen, ihn zum Beispiel ein paar Tage hängen lassen beziehungsweise vertrösten.
In diese Richtung gingen die Tipps. Puh. Was ist davon zu halten? Gut, zunächst gibt es tatsächlich eine wissenschaftliche Erklärung für die (anscheinend) populäre "weibliche Zurückhaltung". Sie erahnen es schon, liebe Leserin, lieber Leser: Die Evolutionäre Psychologie ist gemeint. Sie offenbart: Tatsächlich ist Zurückhaltung in Sachen Partnerwahl ein Phänomen, das sich durch die meisten Bereiche der Tierwelt zieht. Die meisten männlichen Vier- und auch Zweibeiner buhlen um die Gunst der weiblichen Vertreter, nicht umgekehrt, und zwar in Form von Ritualen. Manche veranstalten Tänze, andere bauen der Angebeteten ein Nest.
Die Einsicht liegt nahe, dass das weibliche Geschlecht bei der (ernst gemeinten) Partnerwahl vorsichtig sein muss. Schließlich geht es darum, ein "Männchen" zu finden, das nach dem Fortpflanzungsakt nicht sogleich wieder von dannen zieht, sondern bei der Stange bleibt. Das heißt, "Frau" muss sich auf ihren Partner langfristig verlassen können. Nun zu uns Menschen. Lassen sich die Erkenntnisse übertragen? Ja, wahrscheinlich schon. Daher muss "Mann" sich im Allgemeinen schon auf eine längere Anfangsphase gefasst machen. Das kann im Hinterkopf behalten werden. Dies scheint ritualspezifisch aufseiten des weiblichen Geschlechts angeboren zu sein.
Aber sicher hat es auch biografische Gründe, wenn etwa eine Frau Ihre Flirtpartner immer am sprichwörtlichen ausgestreckten Arm verhungern lässt. Stichwort: Angst vor Nähe.