Ex und hopp, bitte der Nächste. Nicht gerade die feine englische Art. Aber sind wir alle feine Engländer?
Das Leben spielt manchmal komische Spiele mit einem. Neulich saß ich mal wieder im Zug (ich fahre viel zu viel mit dem Zug) und unterhielt mich mit einer Kollegin (allerdings rede ich viel zu selten mit charmanten Frauen dabei), als das Thema unweigerlich auf mein Fachgebiet kam: Trennungen.
Irgendwie waren wir beide nicht so ganz frei von der Idee der Trennung und ich dachte an meine Artikel, die ich hier gerade schreibe. Denn eigentlich ist jede Trennung, jeder Betrug, jedes Opfer, jede Versuchung vor allem eines … eine Entscheidung. Und man kommt nicht drum herum, sich irgendwann zu fragen, ob man nicht hätte andere Entscheidungen treffen können? Ich fragte mich, ob ich nicht auch einmal der schlimmsten und wohl auch bewundernswertesten Sorte von fliegenden Wechslern eine Stimme gebe sollte. Denn, wenn man so hört, was in der Welt geschieht, dann scheint mir der "Mensch" nicht wirklich ein romantisches, verantwortungsvolles Wesen zu sein. Und seien wir mal ehrlich. Bin ich das? Oder ihr?
Ja, vielleicht sollte gerade ich mal drüber nachdenken, ob man so was nicht tatsächlich auch tun kann, ohne überhaupt über Gut und Böse, richtig und falsch nachzudenken. Vielleicht ist Liebe ja nur ein Spiel? Und es gewinnen halt all die, die nicht verlieren! Denn, dass es Verlierer gibt, ist hinreichend bekannt. Also ist es deine Aufgabe als naturgemäßer Spieler dieses Spiels, nicht zu denen zu zugehören, die alleine sind, die heulen vor Einsamkeit, die sich nach dem sehnen, was sie verloren haben. Du musst zu denen gehören, denen es gut geht. Erfolg wird daran gemessen, nicht zu scheitern, richtig?
Und alles andere ist egal.
Na ja, so abwegig ist das nun aber auch nicht. Moral ist eh etwas Klebriges und Schwieriges, dass die meisten einfach ihre Fahne in den Wind hängen. Und Treue? Treue ist nichts, dass dir je garantiert wird. Nicht, dass der Partner treu bleibt. Nichtmals, dass er überhaupt treu ist. Es gibt ohnehin nichts, was dir je im Leben garantiert wird. Vertrauen? Eine tolle Sache, es sei denn, es ist ein Fehler zu vertrauen. Dann ist es eine Falle. Vertrauen ist wie Hoffnung … ein Verräter. Er wird dich immer dann im Stich lassen, wenn du ihm lange genug gefolgt bist und ihn dann aber am nötigsten brauchst. Und die Liebe? Dass Liebe alles überwindet, denkt man vielleicht beim "Ersten Mal". Beim zweiten auch noch. Aber beim dritten Mal? Nachdem eine bestimmte Zahl an "großen Lieben" vorbei ist, verabschiedet man sich von dem Gedanken oder entkoppelt ihn ohnehin gänzlich von jeglicher logischen Argumentation. Um ihn zu beschützen und eifersüchtig zu bewachen. Wer sagt ohnehin, dass du dich mit anderen Menschen auf dieses Liebesding einlassen musst? Die Allgemeinheit? Das mag ja "Mann als solches" oder "Frau an sich" brauchen, aber das Schöne an solchen Regeln ist, dass die nicht für jeden gelten. Nein, es gibt Ausnahme von jeder Regel. Und Einsamkeit … sind Menschen einsam, die lügen? Die betrügen? Denkt ihr, wenn ihnen andere Liebe schenken, sterben die aufgrund ihres schlechten Gewissens? Warum würden sie dann weiter machen? Quatsch. Die Hälfte aller Gefühle basieren eh auf dem, was wir fühlen wollen und nicht dem, was wirklich passiert. Dann ist es ja fast ehrlicher nachzuhelfen, oder? Also warum nicht? Der fliegende Wechsel? Warum überhaupt alleine sein? Warum überhaupt jemals das Risiko eingehen und eine Beziehung beenden ohne eine Neue/einen Neuen zu haben? Erinnert euch an das Spiel. Ja, wenn man einfach mal tut, was gut ist für einen selbst, dann wird sich kaum verhindern lassen, dass man anderen weh tut. Aber besser die als ich! Oder?
Ich werde jetzt nicht sagen, was alle von mir erwarten. Ich werde jetzt nicht sagen, dass die oben gemachten Gedanken alle falsch sind. Ich werde nicht die heilende, heilige Kraft der Liebe offenbaren. Nein, nein! So einfach sind die Dinge nicht. Tja, jetzt bildet sich gerade jeder eine Meinung. Einige werden denken, dass ich da oben viel Wahres geschrieben habe. Andere denken, dass sind Monster. Kerle, vor denen man sich am besten fernhält, Frauen, vor denen man sich fürchtet …
Was denkt der Autor? Was denke ich?
Verdammt, ich weiß es nicht. Keiner von uns weiß es. Aber ich weiß, dass es Sachen gibt, die man nicht stehlen kann. Die man sich nicht erschleichen kann und auch nicht erlügen kann. Die Frage ist, ob man die will. Denn wie alles Wertvolle, kriegt man auch die Liebe nie umsonst. Am Ende findet wohl jeder selbst seinen Weg, das "Spiel" zu spielen. Ich wünsche euch viel Glück dabei.
Nächste Woche werde ich mir dann auf Wunsch einiger enthusiastischer Leser und Leserinnen Gedanken zu Polyamorie und Polygamie - und alles was so dazu gehört – machen. Ich freu mich schon drauf.
Ist ein fliegender Wechsel immer unmoralisch? Tun das Männer/Frauen, die stets mehrere Eisen im Feuer haben? Ich glaube das nicht.
Es könnte doch auch so ein: Man hat eine langjährige, schöne, exklusive Beziehung, übersteht einige Krisen gemeinsam. Und dann kommt wieder eine, und man möchte an der Beziehung arbeiten, weil man eben nicht zu den scheinbar so modernen Schnell-Aufgebern gehört. Doch der Weg ist lang und steinig. Und unterdessen lernt einer von beiden, nicht weil er/sie danach sucht, sondern durch Zufall/Schicksal, jemanden kennen und verliebt sich.
Mit einer Verurteilung des fliegenden/warmen Wechsels ist nun keinem geholfen.
Der Warmwechsler steht vor den Herausforderungen, sich über seine eigenen Gefühle klar zu werden, den beiden anderen Personen möglichst wenig wehzutun und dann das Scheitern der alten Beziehung verarbeiten zu müssen, während die neue schon läuft. Denn auch er/sie hat eine Form von Trennungsschmerz.
Die/der Ex ist unsicher, unter welchen Umständen es sich noch zu kämpfen lohnt und wie man damit fertig werden soll, scheinbar einfach ausgetauscht worden zu sein.
Und die/der Neue ist auch unsicher, vielleicht eifersüchtig auf die/den Ex, vielleicht mit einem schlechten Gewissen, die Partnerin oder den Partner ausgespannt zu haben, und voll Angst, dass es nicht gut geht, die Entscheidung revidiert wird und die junge Beziehung ganz schnell scheitert.
Wie man auf jeder dieser drei Positionen am besten handelt, um nicht noch mehr Porzellan zu zerschlagen, dazu habe ich noch wenig Konstruktives gelesen
Ich denke der Text da über mir, zeigt doch recht plastisch, wie sich die Täter dann zu Opfern machen. Während der "Kerl" (könnte auch ne Frau sein, oder?) sich nämlich über seine Gefühle "klar wird" lügt er und betrügt er und genau das ist es, was dem Partner irgendwann weh tun wird. Warum geht er nicht am ersten Tag wo er sich sicher ist das Problem zu haben zum Partner und erzählt ihm diese rührende geschichte? Das ist nämlich zufällig der Weg wie man ihm am webnigsten weh tut. Warum nicht?
Weiter so Herr Leyendecker. Ich liebe es, wenn sie uns auch mal die dunklere Seite der Liebe vorführen. Ich frag mich nur, ob sie da aus eigener Erfahrung schreiben.
Weil der Partner dann weg ist und er sich ja noch nicht zwischen beiden entschieden hat.
Von daher, ehrlich sein. DAS ist der Weg wie man am wenigsten Porzellan zerschlägt. Nur dann läuft das nicht mit der netten langen "Entshceidungsphase". Und das kommt von jemandem, der zum fliegenden Wechsel neigt. Aber irgendwann aufgehört hat sich selbst zu verkaufen, er sei dabei etwas anderes als ein Arschloch
@Claire: In meinem Kommentar war von einer "netten langen Entscheidungsphase" überhaupt nicht die Rede. Alle genannten Probleme existieren auch, wenn alle drei Beteiligten vom ersten Tag an die Wahrheit wissen, Und ich bezeichne auch einen sofortigen Wechsel – ohne lange Entscheidungsphase und ohne dass mit der neuen Partnerin/dem neuen Partner schon etwas Körperliches gelaufen – ist als fliegenden/warmen Wechsel.
Das wäre für mich kein fliegender Wechsel. Das ist Schluss machen und neue Freundin haben . . .