Die Wirtschaftskrise fördert die Gleichberechtigung. Dank ihr begegnen sich Männer und Frauen vermehrt auf gleichem Level - und wissen es zu schätzen.
Karrierefrau liebt Koch
Noch greifen sie, die alten Muster: Wie stellen Sie sich Ihre perfekte Frau an ihrer Seite vor, das fragten wir 6.000 Singlemänner. Das Ergebnis: Intelligent, unabhängig und selbstbewusst soll sie sein. Doch nur für jeden Fünften kommt eine finanziell gut gestellte Partnerin in Frage. Und nur jeder Vierte wünscht sich eine Frau, die beruflich erfolgreich ist. Eine Tatsache, von der Stefanie (35) ein Lied singen kann: Acht Jahre war sie mit Matthias (35) glücklich. "Solange ich studierte, war es für ihn kein Problem, dass er nur Koch war", sagt sie. Als sie als Anwältin in einer Kanzlei einstieg, begannen die Konflikte: "Matthias kam nicht damit klar, dass ich auf einmal mehr verdiente als er." Für Stefanie war das nie ein Thema, für Matthias schon. Er trennte sich. "Dabei dachte ich, wir wären ein total modernes Paar", sagt sie. Doch in dieser Hinsicht sind viele Männer noch nicht so weit, meint auch Beziehungscoach Lisa Fischbach: "Männer fühlen sich in ihrer traditionellen Rolle als Ernährer in Frage gestellt. Dieses Rollenbild wurde über Jahrhunderte geprägt. Die selbstständige, finanziell unabhängige Frau ist neu im Geschlechterverhältnis und erzeugt Unsicherheit." Denn: Heute ist alles offen, es gibt zahllose Optionen, wie zwei Menschen ihr Miteinander gestalten wollen. Die Rollen sind frei wählbar und nicht mehr an das Geschlecht gebunden. Für die Männer deshalb problematisch, weil sie zu dieser Veränderung gezwungen wurden. Schließlich haben die Frauen diese Rechte eingefordert.
Wirtschaftskrise fördert Emanzipation
Dabei ist gerade in Zeiten wie diesen Flexibilität gefragt: "Die Wirtschaftskrise verdeutlicht, wie vergänglich Geld und beruflicher Erfolg sein können", so die Psychologin. "Vielen wird jetzt bewusst, wie wichtig es ist, Identität und Selbstwert nicht einzig von beruflichem Erfolg und Verdienst abhängig zu machen." Also ist es doch nur hilfreich, wenn beide zum Lebensunterhalt beitragen und die finanzielle Belastung auf zwei Schultern verteilen.
Doch der beruflich erfolgreichen Frau haftet noch immer ein Makel an. Karrierefrau – das klingt für viele abschreckend. Warum eigentlich? Lisa Fischbach: "Wir nehmen ins Klischee passende Frauentypen viel stärker wahr und so wird das Vorurteil der taffen Businessfrau bestätigt. Dabei gibt es viele andere Frauentypen in entscheidenden Positionen, die weiblich, feminin und doch kompetent und durchsetzungsstark sind." Aber die blenden wir in unserer Wahrnehmung aus. Für Stephan (37) ist das kein Thema. Der freiberufliche Web-Designer weiß die Vorteile zu schätzen, die eine erfolgreiche Frau an seiner Seite mit sich bringt: "Ich erlebe es als Bereicherung, mit ihr auf Augenhöhe kommunizieren zu können." Und es sei auch eine Entlastung: "Wenn es bei mir mal nicht so gut läuft, müssen wir nicht gleich Panik haben, dass wir bald nur noch Brot mit Butter auf dem Tisch haben." So ein modernes Rollenverständnis bringen leider noch nicht viele Männer auf. Noch.
Beruf und Privates
Auf die Krise reagieren wir mit dem Rückzug ins Private. Aber: Warum ist der Beruf auch dort überhaupt so ein großes Thema? "Der Beruf hat eine identitätsbildende Funktion und nimmt in unserem Leben eine sehr große Position ein", erklärt Psychologin Lisa Fischbach. "Wir verbringen viel Zeit im Job und nehmen ihn häufig mit in die Freizeit, haben das Bedürfnis, über berufliche Ereignisse mit dem Partner zu sprechen." Deshalb lässt sich das nur sehr schwer trennen.
Noch immer funktioniert das Down-Dating für Männer besser als für Frauen. Sie kommt aufgrund des Rollenverständnisses besser damit klar, wenn er mehr verdient. Doch das ist rückläufig. Schließlich gibt es immer mehr gebildete Frauen und die Männer müssen sich nicht mehr entscheiden zwischen klug oder schön – sie können beides haben. Und: Es gibt mehr und mehr Konstellationen, die umgekehrt recht gut und dauerhaft funktionieren. Dennoch bleibt Geld in Beziehungen ein heikles Thema.
Grundsätzlich gilt: Jedes Paar sollte einen Umgang mit dem Finanziellen finden, der der jeweiligen Situation entspricht. Vielleicht ist es für viele Männer weiterhin schwierig, wenn sie weniger verdienen als ihre Partnerin. Dann ist auch von weiblicher Seite Sensibilität und Diplomatie gefragt. Aber es gibt Hoffnung: Schließlich gibt es zunehmend emanzipierte Männer, für die das zweitrangig ist. Und vielleicht hat die Finanzkrise ja tatsächlich eine beschleunigende Wirkung.
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