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Fatale Nebenwirkungen
Fatale Nebenwirkungen (Kategorie: Partnersucheblog)
Transparenz und Ehrlichkeit gehören genauso mit zur Partnersuche wie Vertrauen und Liebe zu einer Partnerschaft.

Was fehlende Ehrlichkeit und Transparenz bewirken können, erfuhr ich wieder einmal in meiner öffentlichen Telefonsprechstunde am Mittwoch. Frau K. (52) rief mich an, immer noch von den Ereignissen des Wochenendes übermannt.

Sie hatte vor 6 Monaten einen 7 Jahre älteren Mann kennengelernt. Nach intensiven E-Mailkontakt und vielen langen Telefonaten hatten sie sich für ein Treffen verabredet. 400 Kilometer lagen zwischen ihnen, da bot sich ein Wochenende an, auch mit der Möglichkeit, bei Interesse das Treffen auszudehnen. Es wurde ein fantastisches Wochenende. Als Überraschung hatte sie der Ingenieur in sein Landhaus in den Alpen eingeladen und so ging es nach Ankunft gleich mit dem Auto weiter ins "Ungewisse". Ihr war dies zunächst zuviel des Guten, aber da Herr M. ihren Bedenken Raum ließ, diese sogar offen ansprach, fühlte sie sich so gut verstanden, dass sie sich auf das "Experiment" einließ. Und ihr Mut wurde belohnt. Herr M. war rücksichtsvoll, das Kennenlernenn verlief ohne Erwartungsdruck, jeder hatte sein eigenes Zimmer. Da bei beiden der Wunsch nach mehr Nähe am dritten Tag entstand, kam es zu Intimitäten, die sich genauso harmonisch in das ganze Miteinander einreihten.

Frau K merkte nach den schönen Stunden, dass sie sich verliebt hatte. Doch der Alltag rief und so telefonierten und emailten beide intensiv weiter, weil so schnell kein Wiedersehen organisiert werden konnte. Herr M. war in der folgenden Zeit beruflich stark eingebunden und auch die Betriebswirtin hatte ein großes neues Projekt in ihrer Firma zu meistern. Für Frau K. wurde immer deutlicher, dass sie sich auf Herrn M. einlassen wollte. Nach ihrer Scheidung und mehreren enttäuschenden Beziehungsversuchen hatte sie schon fast die Hoffnung auf einen Partner aufgegeben. Nun dieser Glücksgriff. Alles schien gut zu laufen. Das nächste Treffen sollte jedoch noch auf sich warten. Irgendwie war es schwer, eine gemeinsame freie Nische zu finden. Ich fragte Frau K. im Coaching, warum das so kompliziert gewesen sei. Wenn man verliebt ist, dann sind auch 400 km nicht unbedingt ein Hinderungsgrund und es werden Dinge spontan möglich, ist die Sehnsucht nur groß genug. Frau K. erklärte mir, dass sie beide eher schüchtern seien, zwar Gefühle äußern würden, aber sie Herrn M. in keiner Weise bedrängen wollten. Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte sie sich auch nur mal für ein Mittagessen sonntags ins Auto gesetzt. Nach 8 Wochen war es endlich soweit, Herr M. wollte auf der Rückfahrt von einem Geschäftstermin zu Besuch kommen. Er hatte seine Geschäftsreise sogar extra verkürzt, damit man drei Tage am Stück füreinander hatte. Stürmisch war die Begrüßung und es dauerte nicht lange, dass man leidenschaftlich übereinander herfiel. Ausgeglichene, befriedigende Momente waren das, so berichtete Frau K. Und dann der Schock. Herr M. sprang plötzlich auf, sammelte alle seine Sachen ein, packte seine Wochenendtasche zusammen und verließ das Haus nur mit den Worten: "Ich kann dich sowieso nicht glücklich machen." Danach keine Erklärung, kein Anruf, keine E-Mail, nichts. Stille.

Frau K. war gelähmt, kann sich das Ganze nicht erklären. Und weil es so unverständlich wie verletzend ist, beginnen häufig bei fehlenden Erklärungen die Selbstzweifel. Zweifel, was man falsch gemacht hat, übersehen hat, ob man zu drängend war oder zu zurückhaltend. Man macht auch noch die Arbeit, geht in sich, versucht zu verstehen. Obwohl schon die Verletzung groß genug ist und unendlich viel Kraft braucht. Ich habe mit Frau K. herausgearbeitet, dass sie wenigstens noch eine Erklärung für das Ganze einfordern möchte, um wenigstens von ihrer großen Hoffnung loslassen zu können. Sie erreichte nach vielen Versuchen Herrn M., doch die Begründungen waren lapidar und wenig nachvollziehbar. Geblieben ist bei Frau K. eine große Resignation und Selbstvorwürfe, nicht genug Menschenkenntnisse zu haben, sich so täuschen zu können.

Auch wenn Frau K. nun weiß, woran sie ist, ist viel Betroffenheit geblieben. Bekanntlich ist die Gefahr von Verletzungen dort am größten, wo Gefühle herrschen oder entstehen. Sollte es von daher nicht für jeden Menschen selbstverständlich sein, nicht mit Gefühlen anderer Menschen zu spielen, diese aus Egoismus oder Feigheit zu ignorieren. Sicher ist es eine der schwersten Aufgaben, sich vor jemanden zu setzen und zu sagen: "Ich merke, dass sich meine Empfindungen für dich nicht so intensiv entwickeln, wie ich am Anfang gedacht habe." Und keiner will abstreiten, dass dadurch verursachte Tränen, Enttäuschungen und Wut leicht auszuhalten sind. Schließlich hat man sie ausgelöst. Doch gehört für mich Transparenz, Ehrlichkeit und die Bereitschaft, sich für eine Aufklärung dem Anderen zu stellen, genauso mit zur Partnersuche wie Vertrauen und Liebe zu einer Partnerschaft. Jeder sollte sich die möglichen Nebenwirkungen seines unbedachten Verhaltens vor Augen führten. Keiner hört gerne einen Korb und auch beim Verteilen tun sich viele schwer. Selbst wenn der Korb nicht besonders diplomatisch formuliert ist und dem Gegenüber weh tut, drückt er doch mehr Wertschätzung aus, als sich mit fadenscheinigen Lügen, Stillschweigen, plötzlichem Verschwinden durch die Hintertür zu verabschieden. Gäbe es eine Reifeprüfung oder einen Führerschein für die Liebe, die Verpflichtung zum anständigen Ende würde für mich dazugehören.


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24 Antworten zu “Fatale Nebenwirkungen”

  • Klaus,Hamburg sagt:

    Herr M.s transparente Absage hätte lauten können:

    "Liebe Frau K.: Eigentlich wollte ich nur ein paar Wochenenden lang mit Ihnen schlafen. Das war super, aber für mehr sind Sie leider nicht zu gebrauchen. Auch wenn Sie das jetzt treffen sollte, Frau K., mein Flirt-Führerschein oktroyiert mir völlige Transparenz, und daher musste ich Ihnen das so sagen. Sie finden sicher einen Mann, dessen Ansprüche so niedrig sind, dass er mit Ihnen glücklich werden möchte."

    Ich denke, in sehr vielen Fällen ist es besser, mit der Wahrheit sparsam umzugehen – aus Gründen des Takts und der Menschlichkeit. Obzwar Herrn M.s Verhalten nicht die feinste Art darstellt, ist Frau K. damit möglicherweise glipmflich davongekommen.

  • Leonie sagt:

    …Das sehe ich ganz anders!

    Mir ist genau das Gleiche kürzlich passiert; zwar finde ich in meinem Verhalten Erklärungsansätze für das seine – aber es wäre weniger Quälerei gewesen, hätte ich auch nur eine ehrliche Antwort (bzw. ÜBERHAUPT eine Antwort) auf mein Erklärungsersuchen bekommen.
    Das Martyrium der Selbstzerfleischung ist nicht zu verachten!

  • Doro sagt:

    Hallo Klaus,
    schön, dass man wieder ein Exemplar der eigenen Spezies die ganze männliche Seite mit seiner bodenlosen Unsensibilität oder emotionalen Blödheit zum Offenbarungseid geführt hat. Danke für die exhibitionistische Einlage und den Einblick in die Abgründe männlicher Psychen.
    Ist doch gar nicht so schwer zu verstehen (IQ über 100 vorausgesetzt). Bitte nicht immer schwarz weiß denken. Wie wäre es mit der Möglichkeit? Man stellt fest, dass es im Bett ganz nett ist, sich aber auf anderer Ebene kein adäquates Gefühl entwickelt. Zwei Optionen: Ich nehme den Sex unkommentiert mit (Gefühle des Gegenübers ignoriert) oder ich spreche das an und laufe Gefahr, beim nächsten Treffen nicht mehr zum Zuge zu kommen und auf meinen Höhepunkt verzichten zu müssen. Möglich wäre:

  • loude19 sagt:

    Ich finde die ganze Diskussion sinnlos!!!

  • Sandra sagt:

    andere Moeglichkeit: der Mann zweifelt tatsaechlich an seinen Qualitaeten die attraktive und unaabhaengige Frau halten zu koennen. Meistens ist es doch einfacher einen Partner zu finden wenn man etwas hilflos und unsicher ist,
    denn dies vermittelt eher, dass man den anderen auch braucht. Man sollte unbedingt darauf achten, als Powerfrau, einen selbstsicheren Mann zu treffen, davon gibt es weniger als man denkt…..
    Sehen Sie diese Absage als Kompliment, denn waere er selbstbewusst gewesen, haette er auch ehrlich sein koennen. Also war er Ihnen nicht gewachsen…was macht es schon aus, wenn jemand schnell mitteilt, das er nur an Sex intressiert ist, evtl. ist FRAU ja auch danach…wir sind doch erwachsen….das ist ja Kinderkram was der Herr da macht…..Herzlichen Glueckwunsch Frau, Sie muessen eine beneidenswerte Frau sein in meinen Augen, Kompliment!

    Ein Vollmensch

  • Klaus,Hamburg sagt:

    Ich möchte all den verirrten Kommentatoren freundlich belehrend zur Seite stehen und ein kleines Propädeutikum in Logik anfügen:

    Die analytische Philosophie unterscheidet zwischen Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Wenn A behauptet, der Haustürschlüssel liege entweder in der Küche ODER im Wohnzimmer, weiß aber, dass der Schlüssel im Wohnzimmer liegt, so hat er die Wahrheit gesagt. Wahrhaftig dagegen ist die Aussage von A nur dann, wenn er sagt, der Schlüssel liege im Wohnzimmer.

    Ich halte es füt richtig, dass man in zwischenmenschlichen Beziehungen Wahrheit einfordern kann und zu Ihr verpflichtet ist. Insoweit kann ich Frau Fischbach Recht geben. Wahrhaftigkeit indes ist zutiefst subjektiv und autonom. "Accusare se nemo debet", lautet einer der obersten Rechtsgundsätze, und eben weil sich niemand selbst belasten muss, darf weder vor Gericht noch in einer Zweierbeziehung Wahrhaftigkeit eingefordert werden.

    Herr M. hat sich gegenüber Frau K. nicht besonders sensibel verhalten, doch war sein Verhalten nicht falsch. Ihm ist daher kein Vorwurf zu machen.

  • Hans sagt:

    Hallo zusammen,

    ich möchte mich hier nun als zweiter Mann neben Klaus zu Wort melden und eine Lanze für die Männerwelt brechen. Ich kann Doros Verärgerung nur zu gut verstehen. Werter Geschlechtskollege Klaus: Ihre Beiträge

  • Elke sagt:

    Auch mir ist etwas ähnliches passiert. Im Juli lernte ich bei EP einen für mich sehr interessanten Mann kennen. Nach anfänglichen E-Mails und darauffolgenden Telefonaten mutmaßte ich, dass er gefühlsmäßig ähnlich dachte als ich. Mitte August kam es zu einem ersten Treffen, welches ich als sehr angenehm empfand. Da er mich fast täglich mit SMS, Telefonaten u./o. E-Mails bedachte, glaubte ich in der Tat an den Beginn einer tollen Geschichte. Ein zweites Treffen gab es nicht, dafür aber immer mehr berufliche Gründe, um angedachte Dates zum Platzen zu bringen. In meiner Naivität und auch irgendwo Verliebtheit glaubte ich ihm auch weiterhin. Ende August/Anfang September konnten wir uns endlich auf ein längeres Treffen kurz nach meinem Geburtstag im Oktober einigen, gab es ja eine ausreichende Vorlaufzeit zur Realisierung dessen. Es war für den 11.10.2008 geplant. Ich habe mir Urlaub genommen und mich sehr auf ihn gefreut. Habe ein Zimmer in der Nähe meiner Wohung organisiert und war glücklich, dass es nun endlich klappte. Dann kam am 10.10.08 abends um 19.00 Uhr seine Absage. Natürlich waren es wieder berufliche Gründe, welche ein Kommen unmöglich machten. Auf meine Bitte um Aufklärung, warum ich nunmehr 5 Monate "hingehalten" wurde, teilte er mir Mitte November lapidar mit, dass er – wie ich schon mutmaßte – nicht frei im Kopf und im Herzen sei. Noch heute leide ich unter diesem Vertrauensbruch und finde kein Verständnis für solch eine Haltung seinerseits. Ich verstehe Frau K. sehr gut, fühlt sie sich zurückgelassen mit ihren Gefühlen und sehr verletzt. Wie kann man mit solchen Erfahrungen überhaupt noch an das Glück einer Beziehung glauben??

  • daffodil sagt:

    Danke Hans.Der 1. Herr scheint in Gefühlsdingen die Wärme einer Eiswüste zu versprühen.Sandra dürfte den Nagel eher auf den Kopf getroffen haben.Selbstbewußte Lady verunsichert Freizeit Playboy.Es gibt viele Gründe, warum Menschen nicht ehrlich zueinander sind, denn das scheint mir der Kern des Problems.Flucht in die Philosophie ändert nichts an der Wahrnehmung!Was ist so schwer daran zu sagen, ok ein schönes Wochenenende aber mehr kann/will ich erst mal nicht bieten.Den anderen Menschen aber hinzuhalten, Hoffnung zu machen ist einfach nur unfair.Nichts verletzt so tief, wie Missbrauch von Gefühlen! Bin gespannt auf den philosophischen Antwortdiskurs…

  • edgarda sagt:

    Warum sollte es bei diesem Parternschaftsdienst anders sein als bei den einfacheren?
    Das Internet verführt leider dazu, sich in einer relativen Anonymität zurückzuziehen! Chats werde irgendwie abgebrochen, Verabredungen nicht eingehalten und was noch schlimmer ist, Beziehungen abgebrochen und womöglich noch per eine SMS beendet.
    Ich frage mich, was die moderne Kommunikationsgesellschaft aus dem Einzelnen gemacht hat. Als ich vor ca. einem halben Jahr mich übers Internet auf die Partnersuche gemacht habe, dachte ich, die Nutzer stellen Profile ins Netz, die der Wirklichkeit entsprechen. So habe ich vielen sehr offen und ehrlich geantwortet. Schon bald war ich von Ablehnungen verschiedenster Art verunsichert. Mal passte mein Aussehen nicht, mal mein Beruf und mal die Tatsache, dass ich Tiere habe. Viele meiner Chat- oder Mailpartner haben Kinder und wurden deshalb auch nicht gleich von mir heraussortiert!
    Aber was kann man von einer Beziehung erwarten, die nur auf kurzseitige Bedürnisbefriedigung aus ist? Wenig!
    Aus diesem Grunde habe ich mich aus den Foren zurückgezogen, besuche sie nur sporadisch und habe meinen Wunsch nach einer verständnisvollen, achtsamen Beziehung erst mal auf Eis. So etwas, was Frau K. erlebt hat, kann ich und will ich mir emotional nicht leisten! Dazu fordern mich andere Bereiche in meinem Leben zu sehr!

  • Fraya sagt:

    Wo hier gerade alles um Verständigung geht. Ein Grundproblem ist doch, dass man einfach seine rosa Brille nicht mehr abkriegt, und sich alles was passiert und negativ wäre einfach nicht wahrnimmt. Selbst wenn jemand versucht, sich dezent zurückzuziehen, weiss Gott wir sind nicht alle Kommunikationswunder, kann der andere das garnicht mitbekommen, und wird dementsprechend enttäuscht. Natürlich kann man es wahrscheinlich, wenn überhaupt erst mit viel emotionalem und zeitlichem Abstand neutral betrachten um irgendwie herauszubekommen was wirklich abgelaufen ist, aber sich von vornherein auf "Arschloch" einzuschiessen halte ich für übereilt und falsch, vorallem wenn man davor doch einen guten Kontakt gehabt hat.

  • Julia sagt:

    Zwei Anmerkungen:

    1. Frauen, diese intuitiven Wesen, wissen sonst immer so genau über Gefühle (besonders über die der Anderen) Bescheid. Aber wenn ein Mann "nur" mit Ihnen schlafen möchte, merken sie das nicht? An so etwas glaube ich nicht. Ein Mann, der wirklich tief empfindet, verhält sich anders: Er benutzt den Job oder die weite Entfernung nicht als Ausrede. Vielleicht sind viele Fauen einfach nicht ehrlich genung zu sich selbst und wollen den Satz "Gut, er steht eben nicht auf mich" nicht aussprechen. Nein, da wir nachgedacht (mit den Freundinnen als Unterstützung)… Sein Job ist momentan so stressig, er hat eben seine Ex-Freundin noch nicht überwunden, tief im Herzen liebt er mich, möchte es mir aber noch nicht sagen. Das sind alles nur emotionale Ausreden, die sich frau einredet, damit sie sich nicht eingestehen muss, dass er eben nur einen schönen Abend mit ihr verbringen wollte.

    2. Männer hinken in Sachen Ehrlichkeit manchmal wirklich leider etwas hinterher. Es scheint ihnen wohl unorthodox einfach die Wahrheit auszusprechen. Stattdessen schweigen sie lieber. Die ganze "Dating-Welt" wäre aber um einiges besser zu ertragen, wenn jeder seine Bedürfnisse klar ausspricht. Vielleicht erleben wir trotzdem Verletzungen und Enttäuschungen, aber das tun wir auch, wenn er sich "danach" gar nicht mehr meldet. Also, liebe Männer (und Frauen!): Warum nicht sagen, was man will? Das wirkt ungemein befreiend!

    (Nebenbei: Liebe Frau Fischbach, ich lese in unregelmäßigen Abständen Ihren Blog. Folgendes Bild ergibt sich für mich: Frauen werden enttäuscht, weil sie auf die große Liebe warten und Männer enttäuschen Frauen, die sich zu große Hoffnungen gemacht haben. Ein bisschen einseitig, oder nicht? Warum nicht mal einen Blog-Beitrag über Frauen, die nicht bei jedem Date den Traumprinzen erwarten und die sagen "Er hat mich zwar enttäuscht, aber die Zeit war trotzdem schön"?)

  • Inge sagt:

    Hallo Julia, Dein Beitrag hat mir gut gefallen, und mit Deinem Beitrag hast die teils emotionale Sichtweise gut auf den Punkt gebracht. Generalisieren lassen sich sicher auch diese Sichtweisen sich nicht, aber sie sprechen schon eine originäre Problematik an. Nur mit dem Satz" er hat mich zwar enttäuscht, aber die Zeit mit ihm war trotzdem schön" tue ich mich schwer. Ich glaube, diese Denkweise des "Verlassenen" wünschen sich viele, die ihren Partner verlassen haben, auch die, die ihren Partner egoistisch und rücksichtlos verlassen haben. Man sollte nicht außer acht lassen, dass es nun mal diese Menschen gibt, die sich nicht um die Gefühle eines anderen scheren. Ich, jetzt mal ganz persönlich, habe damit ein großes Problem, gerade dann, wenn sich der Partner als egoitisch und rücksichtlos entpuppt und untreu war, die Zeit mit ihm im nachhinein noch als schön zu empfinden, u. a. auch weil so egoistisch strukturierte Menschen dies dann auch noch als Bestätigung ihres Verhaltens empfinden. Ich ärgere mich u. a. dann wirklich über mich selber, dass ich dies nicht rechtzeitig erkannte und empfinde es (oder will es so empfinden) als vergeudete Zeit.
    Inge

  • Tine sagt:

    Das scheint ja offensichtlich für viele ein brisantes Thema zu sein. Die Kommentare von "Hans" und "Edgarda" sprechen mir aus dem Herzen. Nur noch eines: auch ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht: Zum einen im Rahmen einer hier gefundenen Beziehung (die nach einigen Monaten so ähnlich wie geschildert zu Ende ging). Zum anderen nachdem ich nach längerer Sendepause hier doch wieder aktiv geworden bin. Meine Meinung ist: offensichtlich verführt die anonyme Welt des Internet noch mehr dazu, daß Menschen, in meinem Fall Männer, ihre man könnte schlicht sagen guten Manieren vollständig über Bord werfen. Wer jemanden kontaktiert dessen Profil er ansprechend findet und dann eine persönliche, konkrete, ernstgemeinte Antwort bekommt, sollte zumindest dem anderen so viel Respekt zollen, daß er, so kurz sie auch ausfallen mag, eine persönliche Absage zukommen läßt. Diese vorformulierte E-mail "vielen Dank für den netten Kontakt" blabla ist ein absolutes Unding. Vor allem in der Verbindung mit der gleichzeitigen Löschung des Profils. So hat man noch nicht mal mehr die Möglichkeit irgendwie zu reagieren. Das ist würdelos und schlichtweg eine Unverschämtheit. Oder sollte man mutmaßen, die Männer sind alle so feige, daß sie noch nicht mal in aller Anonymität einer schriftlichen Absage fähig sind?! Für mich scheint das leider doch eher Ausdruck der zunehmenden Verrohung und egoistischen Rücksichtslosigkeit unserer Zeit zu sein. Ich denke aber letztlich treffen sich solche Menschen mit so einer Haltung irgendwann selbst. Solange kann man sich nur damit trösten, daß man bei solchen Typen wohl echt nix verpaßt hat.
    Nur leider leidet die positive Grundhaltung und Unverfänglichkeit in der Begegnung mit potentiellen Partnern durchaus darunter.

  • Julia sagt:

    Hallo Inge,

    nach einer Beziehung ist es völlig natürlich, zu trauern und/oder auf den anderen wütend zu sein. (War ich auch schon) Allerdings empfinden viele Frauen schon so nach der ersten Nacht, bzw. dem ersten Wochenende… Ich würde meine Schlüsse daraus ziehen und einfach nicht so schnell Gefühle in einen Mann investieren, mit dem ich mich nur ein paar Mal getroffen habe. Vielleicht ist das schwierig, wenn man viele Jahre mit jemandem zusammen war und jetzt mit der "harten" Dating-Welt konfrontiert wird, aber trotzdem finde ich es wichtig nicht überschnell zu reagieren. (An jeden, der es vermutet: JA, mein Nähe-Distanz-Balken ist extrem im Bereich "Distanz"… Selbstironie hilft manchmal über vieles hinweg :-) )

  • Christian sagt:

    Nach einem REALEN Treffen sollte nach meinem Empfinden – sofern die Herzen nicht im Gleichklang schlagen – unbedingt eine Absage erfolgen. Stimmt. Über das WIE kann man sich durchaus streiten. Klaus hat durchaus recht: Wahrhaftigkeit hilft dem Betroffenen vermutlich am Wenigsten, auch wenn manche Vorredner sich den Schmerz fast herbeizuwünschen scheinen. So pseudo-nette Absagen helfen m.E. auch nicht. Im Gegenteil: Das kann sogar wütend machen. Kurz & knapp ist wahrscheinlich richtig.
    Was mich wundert: Warum baut man(n/frau) nach einem oder zwei Treffen (oder noch schlimmer: vorher) bereits ein Gefühlsleben auf, das so manchen Verliebten im unmittelbaren Vorfeld zur Heirat gut täte? Das kann ja sogar noch passieren (ich war nach einem ersten Treffen auch mal recht weit), aber wenn ich in den nächsten Wochen nix oder nur mehr oder minder intelligente Ausflüchte höre, ist die Sache – ob man es nun wahrhaben möchte oder nicht – klar. Punkt.
    Daraus ein nachhaltiges Drama zu machen, empfinde ich als unachtsames Umgehen gegenüber sich selbst. Es passiert nun mal, dass Gefühle nicht erwiedert werden und mitunter die Absage des Anderen ungeschickt oder gar nicht erfolgt. Keiner mag das gerne erleben, aber es passiert nunmal. Und somit rauschen wertvolle Tage eines gesunden Lebens einfach so vorüber (womit ich "echten" Liebeskummer nach einer längeren und intensiven Beziehung in keinster Weise platt reden möchte).
    Wie auch immer -morgen kann die/der Richtige schon im Postfach sein.
    In diesem Sinne …
    Christian

  • DL1MBW sagt:

    Liebe Diskutierer, ich habe mich sehr über den Gebrauch des Wortes "Dating-Stress" gefreut – beschreibt es doch eine Erscheinung die unvermeidbar ist. Das liegt an der Tatsache, dass (richtige) Partnerwahl (trotz mehr oder weniger ausgefeilter Matching-Verfahren) eine GLÜCKS-Sache ist. Die Wahrscheinlichkeit, einen (erneuten) Misserfolg zu produzieren oder zu erleiden ist nämlich dann besonders hoch, wenn man den "grundlegenden Deal" aus Mangel an Wahrhaftigkeit gegenüber sich selbst nicht benennen kann oder will oder diese "Grunderwartung" (also das, was immer für die Beziehung gelten soll) von der anderen Seite nicht rechtzeitig einfordert. Andeutungsweise hat diese Problematik ja einer der Mitdiskutanten zu artikulieren versucht, indem er die Frage stellte, ob (hier von mir als Beispiel genannt) ein 59-Jähriger balzender (immer) mit finanzieller Potenz aufwarten müsse, das sei ja die regelmässige Erwartung der Frauen in einem solchen Fall. Erschwerend kommt hinzu, dass aus Mangel an Selbstreflektion oder Authentizität diese Grunderwartungen nur ganz selten benannt werden oder aus einem Mangel an Herzensbildung /den anderen hinters Licht führend unzureichend offengelegt werden. Fortsetzung folgt…

  • DL1MBW sagt:

    TEIL II: Beruf, Einkommen, Tagesabläufe, Lebensstil, Einstellungen zu sich selbst, Anderen und den Dingen gegenüber sind VARIABLE, die für ein HEUTE gültiges Matching vielleicht gut herhalten können, es gibt aber keine Garantie, dass alles so bleibt. Das Liebesleben ist unter Evolutionsgesichtspunkten nur temporär nützlich und sollte der natur nach so lange "halten" bis die Nachkommen ihrerseits fortpflanzungsfähig sind, dann wird es (evolutionsbiologisch/-soziologisch) nicht mehr gebraucht. Also darf man auch nicht die hohen Erwartungen daran knüpfen. Es ist, nüchtern betrachtet eine Zweckgemeinschaft, deren Zweck sich im laufe der Zeit ändern kann und auch ändert. Eine "Zweckdiskussion" (warum sind wir immer noch zusammen und wollen es auch bleiben), insbesondere unter dynamischem Gesichtpunkt wäre daher die Methode der Wahl, Missverständnisse und Enttäuschungen im wahrsten Sinn des Wortes zu vermeiden. Das partnerschaftliche Glück ist kein sich selbst einstellender, stabiler Zustand sondern ist vergleichbar mit einer kleinen Kugel, die auf einem Handball ruht, den man in der Hand hält. Es ist schon sehr mühsam und erfordert viel Aufmerksamkeit und Konzentration, die Kugel nicht herabfallen zu sehen. Die grosse Misserfolgsquote legt nahe, ein zusätzliches Fach in der Grundschule einzuführen: "Beziehungsgestaltung". Die Frage stellt sich nur, wer es unterrichten soll. Fortsetzung folgt…

  • DL1MBW sagt:

    Teil III (von3): Das hilft natürlich hier nicht praktisch weiter, deshalb empfehle ich das Konzept der sog. "Nagelprobe". Das bedeutet, dass man sich "Sollbruchstellen" ausdenken sollte und die persönliche Autonomie nicht aufs Spiel setzen sollte. Dann wird auch der Kummer nicht so gross, wenn das oben beschriebene Lotteriespiel einen zunächst noch nicht gewinnen lassen will.

  • Petra sagt:

    Mein Dank geht an Hans, Inge und Julia.

    Ich bin im Persönlichkeitstest als nah eingestuft und möchte – auch bei negativen Erlebnissen – offen bleiben, nicht verbittern oder mich auf Eis legen….

    und so freue ich mich meines Lebens, aber hoffe dennoch einen Seelengefährten zu finden, bzw. daß dieser mich findet :-)

  • Anna sagt:

    Ich brauche nicht mehrere Wochenenden und gemeinsame Nächte, um zu spüren, ob ich mich auf jemanden einlassen mag und kann.
    Ich finde, es ist ein Fehler, viel zu schnell viel zu viel Nähe herzustellen. Zwei Fremde, die nichts von einander wissen, fallen über einander her und benehmen sich wie ein Liebespaar, das sie ja gar nicht sind.
    Wenn es dann doch nichts wird, ist der Absturz grausam . Mit oder ohne Erklärung.
    Ich treffe mich einmal oder höchstens zweimal mit jemandem für einen Spaziergang und eine Tasse Kaffee oder einen Kinobesuch. Ein Küsschen auf die Wange zum Abschied reicht.
    Das ist freundlich und unverbindlich und beide kommen ohne große Schrammen aus der Sache raus, wenn es mit der Verliebtheit nicht klappen will. Und erzwingen kann man das doch nicht !

  • Ros sagt:

    Man sieht wieder wie unterschiedlich die Meinungen sein können, es kommt immer auf den einzelnen Menschen an. Frage an Klaus in Hamburg," wenn Du nicht den Mut hast eine Beziehung einzugehen und Deinem " Ego " treu bleiben mußt , solltest Du Dir doch ein Haustier anschaffen. Wie möchtest Du – Bitteschön – glücklich werden oder ist Dir das nicht so wichtig ?? Es steckt einfach kein starker Charakter dahinter ohne Dich dabei verletzten zu wollen. Aber irgendetwas hast du nicht verstanden.

  • Gabriele sagt:

    Nach jahrelangem Suchen habe ich eine eigene Philosophie entwickelt – die meisten Männer sind Mackenmänner – in der Regel wurden sie verlassen und das nicht ohne Grund- sie waren nicht genügend kompromissbereit und sehen heute, da frustriert, keine Chance aus dem Ganzen was dazu zu lernen- das führt meiner Meinung nach dazu das in der Regel nur solche Secondhand Männer auf dem Markt sind- die, die eh keiner haben wollte- manchmal versuchen die dann zu flirten- aber eigentlich wollen, die keine wirkliche Partnerschaft- deshalb kommen dann solche Kurzbegegnungen dabei raus… aus dem Jagdtrieb des Mannes geboren- Also in solchen Foren gibt es sogut wie keine guten partnersuchenden und fähigenden Männer- Die Anonymität fördert diesen Vorgang- und intelligente Männer findet man hier gar nicht- selbst Absagen- waren so was von dumm- das Frau sich wirklich fragt wo sind sie die netten normalen Männer? Ich suche zwar noch, aber eigentlich glaub ich nicht mehr daran hier einen wirklich partnerfähigen Mann zu finden… Das wäre die berühmte Suche nach der Stecknadel ;-)

  • Saba sagt:

    Mir ist es schon ein paar Mal passiert. Ein Mann war ehrlich und sagte mir, dass er Minderwertigkeitsgefühle mir gegenüber hatte, weil ich in seinen Augen so viel konnte und Akademikerin war (er war nur Beamter). Er sagte mir das, nachdem er sich 10 Tage lang nicht gemeldet hatte und ich dachte, ich wäre ‘zu wenig’ anziehend für ihn! Inzwischen habe ich festgestellt, dass Männer oft einfach ‘cool’ wirken wollen, aber eigentlich oft sehr unsicher sind.