Irland ist ein merkwürdiges Land voller Aberglauben und seltsamer Bräuche. Einer davon ist das "Matchmaking Festival", das einmal im Jahr im beschaulichen Küstenort Lisdoonvarna stattfindet.
Das kleine Städtchen an der irischen Westküste hat nicht wirklich viel zu bieten: Es gibt weder eine Ampel, noch einen Geldautomaten. Ein Blick auf die Infrastruktur offenbart: Lisdoonvarna ist tiefste Provinz. In den 70ern gab es mal eine Art "Irisches Woodstock" und internationale Pop-Prominenz trat hier auf. Für die 800 Einwohner gibt es immerhin 13 Bars und Pubs. Einer der beliebtesten ist "The Matchmaker". Was es damit auf sich hat?
Im 19. Jahrhundert entdeckte ein Adliger auf Vogeljagd eine heilende Quelle in Lisdoonvarna und prompt wurde das verschlafene Nest zu einem angesagten Kurbad, das in seiner Blütezeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis zu 20.000 Gäste anzog. Darunter auch viele Bauern aus der Umgebung, die ihre Zipperlein mit dem heilenden Wasser kurieren wollten und die Gelegenheit auch gleich nutzten, um ihr Vieh bei den örtlichen Händlern zu verkaufen. Und weil diese die Familien recht gut kannten, waren sie quasi im Nebenberuf auch noch gleich als Heiratsvermittler tätig und machten Heiratswillige beim abendlichen Tanz miteinander bekannt. Daraus entwickelte sich eine schöne Tradion: Das "Matchmaker"-Festival, das noch immer jedes Jahr im September stattfindet und tausende Interessierte aus aller Welt anzieht.
Von Beruf Matchmaker
Einer der letzten Matchmaker ist Willie Daley, eigentlich Pferdehändler und schon ein betagter Herr. Er versteht sich nicht als Kuppler, sondern er stellt lediglich Singles einander vor. Diese Tradition liegt in der Familie: Auch sein Vater und Großvater waren Matchmaker. In einem zerfledderten Notizbuch hält er einige Infos zu Heiratswilligen fest und versucht, diese geeigneten Kandidaten vorzustellen. Inzwischen kommen Anfragen aus aller Welt und Willie Daly kommt kaum noch nach mit der Arbeit.
Hier haben Chatrooms und Online-Profile nichts zu suchen. Die Menschen lernen sich bei Music and Dance Venues kennen – und hoffentlich auch lieben. Manchmal für immer, manchmal nur für eine Nacht. Eine herrlich altmodische Art der Partnersuche. Ob sie erfolgversprechend ist? Für einige vielleicht. Zeitgemäß ist sie jedenfalls nicht, denn Willie Daley hat keinen Nachfolger. Dafür hat er gerade seine Autobiografie veröffentlicht, die hoffentlich auch bald auf Deutsch erscheint.
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