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Eine Brise Körperduft
Eine Brise Körperduft (Kategorie: Partnersucheblog)
"Jemanden nicht riechen können": Das nicht bloß ein Spruch - dahinter steckt eine biologische Wahrheit.

Wer kennt das nicht: Neulich im Bus kam ich in den Genuss besonderer Sinneseindrücke. Draußen hatte es geregnet, alles roch muffig und feucht. Neben mir ein Mann, der noch beim Einsteigen den letzten Zug der Zigarette in seine Lunge, aber ebenso in seine Klamotten eingesogen hatte.

Nicht genau zu orten, jedoch deutlich in den Sitzreihen vor mir auszumachen, gab es irgendjemanden, der sich vorher in Räumlichkeiten mit siedendem Fett aufgehalten hatte. Das ist ja alles kein Drama und häufig nicht zu vermeiden, vor allem wenn es von morgens bis abends regnet – dann riecht alles früher oder später etwas eigenartig und modrig.

Doch dort, wo man es weniger erwartet, fährt es einem ungeschützt in die Nasengänge. Kürzlich war ich nach einigen Jahren in der Oper. Freudig registrierte ich, dass sich die meisten für die Oper noch immer in Schale werfen. Was ich aber irritierend wahrnehmen musste, war dieser Muff, der manchenorts in der Luft lag. So roch es vor allem an der Garderobe recht – "angestaubt", um es diplomatisch auszudrücken. Gut, hier zog man sich den Mantel vom warmen Körper und somit strömte der volle Duft ungehindert in die Luft. Aber auch in den Saalreihen fiel mir auf, wie "komisch" einige Leute riechen – von der Brise "Second-Hand-Schrank" bis zur Note "Kopfhaut". Mancher schien mit einem zusätzlichen Extrastoß Parfum zu versuchen, alles zu übertünchen. Doch die schweren barocken Düfte, die mir beim Opernpublikum auch spezieller erscheinen, halfen wenig. Vielleicht habe ich auch besonders darauf geachtet, weil sich vor kurzem eine Frau im Coaching bei mit beschwerte, wie entsetzt sie über die Körperhygiene ihres Dates gewesen sei: Fettige Haare, stockiger Körpergeruch, zu lange Fingernägel (und kein Gitarrenspieler oder beruflich notwendig). Sie fragte sich, ob es zu viel verlangt sei, sich wenigstens beim ersten Date ein bisschen mehr Mühe zu geben.

Körperhygiene und -ästethik sind wichtige Element im zwischenmenschlichen Miteinander. Schwer zu verstehen, warum sich manche Menschen daraus scheinbar weniger machen. Auch wenn einige selber nicht wahrnehmen, was sie ausdünsten, so sollte eine gewisse Körperpflege doch selbstverständlich sein. Es kann doch nicht an der Angst vor der Wasserrechnung oder an Zeitmangel liegen, sich mal von Kopf bis Fuß inklusive der eigenen Garderobe zu putzen. Ich bin auch nicht für Ganzkörper-Parfüm. Das ist oft zu viel, nicht jedermanns Geschmack und selten fesselnd. Wer aber beherzigt, dass bei der Partnerwahl und beim Thema Anziehung viel über die Sinne und die olfaktorische Wahrnehmung geht, der nutzt seine Chancen nicht, wenn er seine Körperhygiene zu niedrig priorisiert. Den meisten Menschen ist das nämlich wichtig.
Außerdem gibt es von der Riechschleimhaut zentralnervöse Verschaltungen zu Zentren im Gehirn, die für Emotionen und Motivation zuständig sind. Verständlich also, dass man jemand aufgrund seines Körperduft anziehend findet oder eben nicht riechen kann. Und das liegt nicht nur an den Pheromonen. (Das sind die Duftstoffe, die unbewusst wahrgenommen werden, also unterhalb der Wahrnehmungsschwelle sind). Jeder hat ein bestimmtes Geruchsempfinden, einige sind sensibler, andere weniger. Doch Gerüche werden schnell behalten und sehr lange erinnert. Beim Menschen können manche unangenehme Gerüche Schutzreflexe auslösen. Der enge Zusammenhang der anatomischen Verbindung des Geruchssinns mit dem limbischen System und dem Hypothalamus stellt dabei eine Sonderstellung in Lernprozessen dar. Aber das wird nun an dieser Stelle wirklich zu fachlich…


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7 Antworten zu “Eine Brise Körperduft”

  • Jana sagt:

    Wie wahr, wie wahr! Toller Beitrag und schön, dass es mal jemand ausspricht.
    Deutschland ist angeblich das Land der Reinlichkeit und Pedanterie. Aber bei der Körperpflege ist man nicht weltweiter Marktführer.
    In vielen südlichen Ländern ist beispielsweise das Kürzen oder Rasieren von Körperbehaarung Standard. Das kann ich in deutschen Saunen nicht gerade feststellen.
    Und was ich bei meinen Reisen in Afrika immer wieder feststellte. Egal wie arm die Leute da sind, ihre Kleidung ist häufig frisch gewaschen und sauber. Täglich wird diese durchs Wasser gezogen, auch wenn auf dem Waschbrett gereinigt, weil es kein fließendes Wasser gibt. Mir sagte mal ein afrikanischer Doktor in München, dass viele Afrikaner finden, dass viele Deutsche muffen und ungepflegt wirken.
    Auch wenn ich natürlich sofort widersprach, musste ich ihm im Nachhinein recht geben.

    Beste Grüße
    von Jana, die täglich duscht.

  • Catherine sagt:

    Bin ja so einverstanden! Danke, dass Sie dieses so klar geschildert haben.

  • MatthiasS. sagt:

    Liebe Leser,
    ich finde, es ist eine Selbstverständlichkeit, sich fürs erste Date richtig Mühe zu geben. Und damit meine ich nicht deine Dusche, Rasieren und Körperpflege. Das ist doch überhaupt nicht zu diskutieren.
    Für mich es es Wertschätzung pur, sich den Umständen entsprechend anzuziehen und in Schale zu werfen.
    Das heißt nicht, zu übertreiben und zuviel des Rasierwassers ist auch nicht gut. Ich bin weit weg vom gegelten Schniegel oder vom Typus "gefeilte Fingernägel" oder Keinen Sex haben können, ohne vorher zwingend zu duschen.
    Aber mit Schuppen auf dem Jacket oder fettiger Mützenfrisur zum Date zu laufen, zeigt doch meiner Meinung nach wenig echtes Interesse oder eben eine ganz andere Einstellung zur Körperpflege.
    Wäre doch auch ein guter, sicher sehr aussagekräftiger Matchingpunkt für die Passung: Wieviel Wert legen Sie auf Körperpflege? ;-) )
    Bestes wünscht
    Matthias

  • PetraWinni sagt:

    Also das schlimmste ist doch Mundgeruch!
    So was kann ich noch viel weniger verstehen. Der Geschäftsführer in der kleinen Unternehmensberatung, in der ich arbeite, ist eigentlich ein gepflegter Typ. Aber der hat manchmal so Mundgeruch, dass ich mich manchmal in einer Besprechung mit ihm, in der ich im sogar nur gegenüber sitze, arg zusammenreißen muss, damit ich nicht würge.
    Das kann ich überhaupt nicht verstehen. Heißt dann immer gleich entschuldigend, der hat was am Magen oder schlechtes Zahnfleisch. Glaube ich in den meisten Fällen nicht, denn dann würde das auffallen und behandelt.
    In diesem Fall hat der GF sogar eine sehr nette Frau. Dass die das nicht merkt oder stört. Mag mir gar nicht vorstellen, wenn die sich küssen…
    Wenn das ein guter Freund wäre, würde ich mir den mal zur Seite nehmen und sehr vorsichtig ansprechen. Ist ja ein heikles Thema. Aber sonst sagt einem das doch keiner.
    Schlimm, wenn man keine Eigenwahrnehmung hat oder die Geruchsorgane so tumb werden.
    Liebe Grüße
    Petra

  • Gunner sagt:

    Herrlich der Artikel und herrlich die Kommentare!!!
    Petra, du hast mit deiner Ergänzung so recht. Ich denke nur an die Gerüche im Kino, die einem vom Nebenmann oder Nebenfrau zugemutet werden.
    Mal Knoblauch-Geruch, weil vorher noch schnell ein Döner reingezogen wurde, saures Aufstoßen von dem dritten Bier, Muffgeruch, weil der Wollmantel feucht wurde und nun sauer riecht, oder einfach "alter" ungepflegter Mundgeruch vom Vordermann, wo man sich fragt, wie der so weit wehen kann.
    Aber ich finde auch so manches Zuviel an Parfum ist eine Zumutung, vor allem diese puffig schweren Frauendüfte oder die Gurkenwässerchen der Herren.

    Also: Nase auf bei der Partnerwahl!

    Schönes Wochenende
    Gunner

  • SabineSinner sagt:

    Also Leute, nun mal halblang. So schlimm ist das auch nicht.
    Ihr Nasal-Ästheten sollten mal nicht so übertreiben. Dieser Hygienewahn ist doch auch echt krank. Wer so viel Körperpflege betreibt, dass er seinen eigenen Körperduft neutralisiert und nur noch nach Cremes, Wässerchen, Waschmittel oder Parfum stinkt, der macht auch was falsch!
    In diesem Sinne,
    Sabine

  • BeateSch. sagt:

    Hey Sabine,
    du hast halb recht und halb nicht. Denn meiner Meinung nach liegt die gute Wahl in der Mitte. Die Dosis macht das Gift. Im zu viel und im zu wenig.
    Ja, ich mag auch keine hysterischen Hygienewahnsinnige, die zig Hundert Wasch- und Putzsprays unter der Spüle stehen haben und sich so parfümieren, dass einem davon schlecht wird.
    Aber was der Artikel sehr gut beschreibt ist das Grundrauschen an ungepflegten und muffigen Menschen.
    Ich finde, viele könnten bisschen mehr auf sich achten. Das fördert auch den Selbstbezug und tut der Seele gut.
    In diesem Sinne,
    Beate