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Ein Licht im Dunkel der Liebe gezündet – Richard David Precht
Ein Licht im Dunkel der Liebe gezündet – Richard David Precht (Kategorie: Flirtblog)
Humorvolles über die unrealistische Anforderungen an den Partner.

Derzeit stehen ausnahmsweise mal mehrere absolut empfehlenswerte Autoren auf den Top-10-Hitlisten: von Hirschhausen und Winterhoff zum Beispiel. Der neue Precht ist auch dabei. Und das ist auch gut so…

Ja, der Nachfolger des Hammerbuches 2008 "Wer bin ich – und wenn ja: wie viele?" (in 18 Sprachen übersetzt) hat es wieder in sich, und zwar sehr. In "Liebe – ein unordentliches Gefühl" behandelt der begnadete Schriftsteller und Denker Richard David Precht die größte aller Emotionen.
Es geht sehr kritisch zur Sache. Der Forscher dreht so gut wie alle derzeitigen "Steine der Weisheit" herum und schaut, was an ihnen wirklich dran ist. Meistens findet er nicht viel Positives.
Precht entwirft verschiedene Thesen. Ganz ruhig stellt er zum Beispiel fest, dass unsere Vorstellung von der romantischen Liebe – Leidenschaft und Geborgenheit mit einem Partner – eine Erfindung der Neuzeit ist. In den Herzschmerz-Romanen des 18. Jahrhunderts sieht er ihren Ursprung.
Liebe ist nach seinen Erkenntnissen andererseits viel mehr als nur ein biochemischer Vorgang, wie Chemiker behaupten – und auch keine genetische Vorbestimmung (Meinung von Biologen). Die zweigeschlechtliche Liebe, so sein Schluss, ist nicht unbedingt notwendig. Kinder könnten auch ohne Liebe gezeugt und erzogen werden.
Seiner Meinung nach speist sich das, was wir Liebe nennen, hauptsächlich aus unserem Verhältnis zu unseren Eltern. Es ist nach Precht die Vorlage für alle späteren Liebesbeziehungen, die meistens in der Pubertät erstmals praktiziert werden.
Und weil der Schriftsteller sehr vielseitig und selbstsicher ist, bekommen auch alle möglichen "Peases", "Grays", "Basts", "Lausters" und Co. ihr Fett weg. Und wie! Precht hegt ganz offensichtlich keine Sympathie gegenüber der zeitgenössischen Ratgeberliteratur, sie ist ihm zu "einseitig". Eine Stärke des Buches von Precht liegt ohne Zweifel in seiner interdisziplinären Sichtweise. Hirnforschung, Psychologie, Philosophie, Evolutionäre Psychologie – ein großer Bogen wird gespannt, um das Thema "Liebe" zu erforschen. (Leider wird die Tiefenpsychologie vernachlässigt, aber das ist nur ein Schönheitsfehler.)

"Liebe – ein unordentliches Gefühl" ist kein Ratgeberbuch, will es gar nicht sein. Es geht ihm viel mehr darum, die "einfachen Erklärungen" und "Halbwahrheiten" (S. 15) über die Liebe, die überall grassieren, zu überwinden. Er arbeitet sich durch die Steinzeit bis zur Moderne vor.
Und auch unrealistische Anforderungen an den Partner werden aufs Korn genommen. Gerade falsche Ideale sind sehr hinderlich für die Liebe. Zahllose Menschen verschleißen einen Lebensgefährten nach dem anderen "weil halt einfach nicht der Richtige dabei ist".
Precht selbst ist Vater von einem Sohn und drei Stiefkindern. Derzeit ist er mit einer Frau zusammen, die ungleich älter ist als er – wieder ein Hinweis darauf, dass evolutionspsychologisches Denken ("Die Frauen suchen ältere Männer") nicht der Weisheit letzter Schluss ist.
Also, liebe Leserin, lieber Leser: Ich halte nichts von Aktien, die taugen derzeit sowieso nichts. Investieren Sie lieber in die hier vorgestellten 400 Seiten; das Buch ist eine sichere Bank inklusive Langzeitwirkung. Precht liest sich leicht, er hat einen unglaublichen Horizont. Und er erzählt beschwingt und (vor allem) mit Humor. Auch einige Flirttipps stehen zwischen den Zeilen.
Also los: Kaufen Sie, kaufen Sie, kaufen Sie! Und wenn Sie Precht mal in Aktion sehen wollen, schauen Sie sich doch mal seinen Auftritt vor kurzem auf der Leipziger Buchmesse an.


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Eine Antwort zu “Ein Licht im Dunkel der Liebe gezündet – Richard David Precht”

  • J sagt:

    Also, da muss ich aber mal Einspruch erheben. Das neue Buch von Precht ist nicht *annähernd* so unterhaltsam, informativ und gut geschrieben wie sein Werk "Wer bin ich – …". Precht wiederholt sich in seinem neuen Werk regelmäßig und ständig – z.T. wurden ganze Passagen anscheinend per Copy & Paste innerhalb der Kapitel kopiert, um damit die Seiten zu füllen. Die Aussagen, die Precht in seinem neuen Werk tirfft, sind allesamt bereits hier in der Kritik aufgeführt – alles andere ist leider diesmal "Füllmaterial". Man hat das Gefühl, der Autor wurde dazu genötigt, möglichst schnell sein nächstes Werk fertig zu stellen, damit die Kasse im Verlag wieder stimmt. Sehr schade, dass Precht es nicht geschafft hat, das Niveau seines Vorgängerwerks zu erhalten oder sogar noch zu steigern. "Wer bin ich – …" war ein absoluter Höhepunkt – locker geschrieben, leicht verständlich, wissenschaftlich fundiert. Nunja, es ist halt nicht nur bei Filmen oft problematisch mit den "Sequels"…