Eifersucht - kein schönes Gefühl und doch beschleicht sie uns manchmal völlig unvorbereitet. Was sich gegen sie tun lässt und warum manche eifersüchtiger sind als andere, erfahren Sie hier.
Wann werden wir eifersüchtig? "Immer dann, wenn wir uns der Liebe des Partners nicht sicher sind", erklärt Psychologin Lisa Fischbach. "Eifersucht verkörpert einen exklusiven Besitzanspruch. Wenn diese Exklusivität vermeintlich oder tatsächlich in Frage gestellt wird, löst das Verlustängste aus."
Sprich: Wir werden eifersüchtig, wenn unser Partner mit anderen flirtet oder gar Intimitäten austauscht. Dann sehen wir unsere Beziehung in Gefahr. Selbstzweifel sind ein Katalysator für das unschöne Gefühl: Wer sich selbst als wenig liebenswert empfindet, kann sich auch nicht vorstellen, dass ein anderer es tut. Das bestätigt Karin (36), die sich selbst als extrem eifersüchtig beschreibt: "Ich empfinde es als Demütigung, wenn mein Partner jemand anderen bevorzugt. Ich denke immer gleich, dass ich ihm nicht genug bin."
Übrigens: Eifersucht muss sich nicht unbedingt gegen eine andere Person richten. Von Hobbys bis Haustieren: Alles, was in der Lage ist, Aufmerksamkeit und Zuwendung zu binden, kann Eifersüchtigen Anlass geben, sich zurückgesetzt zu fühlen.
Ein bisschen eifersüchtig sind alle
"Menschen, die behaupten, nicht eifersüchtig zu sein, sind mir suspekt", sagt Karin. Eine Art natürliche Eifersucht steckt sicherlich in uns allen. Und das ist nicht nur negativ – ein bisschen schmeichelt das dem Partner ja auch: "Hin und wieder ein wenig Eifersucht kann prickelnd sein. Das zeigt die Bedeutung des Liebsten für uns", so Lisa Fischbach.
Bei Karsten (38) und seiner Ex-Freundin ging es um mehr als ein kleines Prickeln: Die Eifersucht zerstörte ihre Beziehung. "Es war geradezu krankhaft", erzählt Karsten. "Sie hat sich dauernd völlig grundlos in irgendetwas hineingesteigert und wurde davon so beherrscht, dass sie mich ständig kontrollieren wollte." Laut Psychologin ein klares Zeichen für große Verlustängste.
Mittel gegen die Eifersucht
Wer ist besonders eifersuchtsgefährdet? "Menschen, die ihr Lebensglück in erster Linie vom Partner abhängig machen", so Psychologin Fischbach. "Die Angst, verlassen zu werden ist ihr ständiger Begleiter." Ihr Rat: Glück und Selbstbestätigung auch in anderen Bereichen des Lebens suchen – zum Beispiel Familie, Freundeskreis, Beruf. Widmen Sie sich bewusst eigenen Dingen, entwickeln Sie eigene Interessen. Das hilft gegen starke Abhängigkeit. Natürlich hat auch das Temperament Einfluss auf das Maß der Eifersucht: Wer zu Dramatik und großen Gefühlsausbrüchen neigt, ist eher veranlagt, eifersüchtige Gefühle zu entwickeln.
Auch eine Stärkung des Selbstwertgefühls ist nötig: "Wenn Sie sich für liebenswert halten, verlieren Sie Ihre Angst", so Lisa Fischbach. "Wer sich selbst nicht für einen tollen Menschen hält, zweifelt ständig daran, ob andere ihn lieben können."
Schon die Auseinandersetzung mit Aspekten wie Verlustängsten, der Bedeutung Ihres Partners und die eigene Selbstsicherheit werden Ihnen auf dem Weg zum positiven Selbstbild helfen. Und was, wenn die Eifersucht einmal begründet ist? Laut Lisa Fischbach sollten Sie den Untreuen nicht offensiv angreifen. Besser: Sachlich ansprechen, dass Sie sich gerade nicht genügend geschätzt fühlen.
Übrigens: Männer und Frauen sind unterschiedlich eifersüchtig. Frauen reagieren eher auf emotionale Untreue, während Männer bei sexueller Untreue eifersüchtig werden. Das fand der amerikanische Evolutionspsychologe und Sexualforscher David Buss in einer Studie heraus.
So gehen Sie mit Eifersucht um
Nicht nur für den Eifersüchtigen ist die Lage schlimm, auch der "Beschuldigte" leidet unter der Kontrolle und ständigen Fragen. So ging es Karsten: "Ich habe ständig versucht, die Fakten offen zu legen, meine Unschuld beteuert und ihr meine Liebe versichert, aber sie hat immer wieder dieselben zermürbenden Fragen gestellt."
Erster Tipp der Psychologin: Lassen Sie sich nicht in die Rechtfertigungsecke drängen, gehen Sie auf die bohrenden Fragen nicht ein. Damit lindern Sie nur das Symptom, nicht die Ursache. Besser: "Machen Sie klar, dass der andere die Verantwortung für seine Eifersucht selbst trägt. Nur er kann etwas dagegen tun!"
Finden Sie den wirklichen Grund für das Gefühl heraus: "Braucht mein Partner einfach nur mehr Transparenz oder liegt es am Vertrauensbruch in früheren Beziehungen?" Generell gilt: Begegnen Sie Ihrem Partner mit Offenheit, halten Sie sich an Absprachen und lassen Sie sich gegenseitig an Ihrem Leben teilhaben – dann nehmen Sie der Eifersucht den Wind aus den Segeln. "Geben Sie Ihrem Partner genug Sicherheit und Zuwendung, dass er keine Bedrohung der Beziehung sieht", fasst Lisa Fischbach zusammen.
Alte Wunden, neue Liebe
Wer einmal hintergangen wurde, hat es schwer, sich wieder vertrauensvoll in eine Beziehung zu begeben. Das funktioniert nur, wenn die Wunden verheilt sind und der Schmerz überwunden ist. Manchmal tippt uns die Vergangenheit gerade dann an die Schulter, wenn wir denken, wieder offen für Neues zu sein. Reißen dann alte Wunden auf, sollten Sie Ihren neuen Partner mit einbeziehen. Gemeinsam finden Sie den Weg zu gegenseitigem Vertrauen.
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