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Kategorie | Fräulein Wunder wundert sich über die Liebe


Du Tarzan, ich Jane! Das große Missverständnis im Großstadtdschungel
Du Tarzan, ich Jane! Das große Missverständnis im Großstadtdschungel (Kategorie: Fräulein Wunder wundert sich über die Liebe)
Als Held der Stunde zahlte er die Getränke. Das ist okay, liebe Männer.

Die männlichen Helden meiner Kindheit hießen Colt Sievers und Peter Lustig. Ja, ich gebe es zu, das ist ein Problem. Denn mein Männerbild ist zwiegespalten, seit ich ungefähr zehn Jahre alt bin. Und das hat sich bis heute nicht geändert.

Colt Sievers war der Tarzan der 80er. Testosterongesteuerter Dschungelmann mit Stunt-Ambitionen und Dreitagebart – diese Spezies begegnet mir auch heute noch. Im Rausch der Hormone stürzen wir uns dann in eine Liaison. Und wer zerrt sich das Genick, wenn die Herren sich auf der Liane zum nächsten Abenteuer schwingen? Na, ich natürlich!
Zwischendurch waren da auch noch diese sensiblen Künstlertypen, die immer wirkten, als hätten sie ein bisschen zu viel Löwenzahn geraucht. Dafür waren sie im Rausch der Pusteblume zu vielen tiefgründigen Gesprächen bereit und sogar auch fähig. Aber zu sonst im Leben nicht viel. So, leider lautet nun meine Erkenntnis: Beides funktioniert für mich nicht.
Wie hießen denn eigentlich eure Heldinnen der Kindheit, liebe Männer? Pippi Langstrumpf? Pamela Anderson? Fleischgewordener Männertraum in Baywatch, Jane der 80er. Sie bewies: Gut aussehen reicht manchmal. Das vergessen aber die Pippi Langstrumpfs der Neuzeit gerne mal. So wie ich. Eigentlich bin ich nämlich eher die Herrin meiner Villa Kunterbunt, sollte mich aber und zu auf die Pamela Anderson-Niveau herunter begeben. Du Tarzan, ich Jane – es könnte so einfach sein! Doch in unserem Liebesleben bewegen wir uns in einem Dschungel frühkindlicher Prägung und verstrickter Sozialisation.

Neulich ist meiner Freundin Vanessa Folgendes passiert: Sie hatte ein Date, übers Internet. Und siehe da: Die Fotos hielten schon mal, was sie versprachen. Als Held der Stunde zahlte er die Getränke. Und selbst, wenn es altmodisch ist: Das ist okay, liebe Männer. Wir gehen nicht mit euch aus, weil wir umsonst Getränke abgreifen wollen. Aber wir genießen es, dass ihr uns damit den Tarzan in euch zeigt, zumindest, wenn wir über 30 sind. Mit Mitte 20 hätten wir uns natürlich wahrscheinlich noch heftig gewehrt. Nun lehnen wir uns entspannt zurück und freuen uns, wenn ihr galant die Geldbörse zückt.
Zurück zu Vanessa. Sie fühlte sich bewundert und irgendwie ein bisschen wie eine Jane. Ein vielversprechender Beginn. Am nächsten Morgen eine begeisterte SMS, wenige Tage später das nächste Treffen, von ihm initiiert. Alles wunderbar. „Ich finde dich ganz bezaubernd!“ schrieb er seiner Jane nach dem Date. Damit markierte er abermals den Tarzan, und damit machte er alles richtig.

Doch dann. Dann ging irgendwie alles schief. Vanessa ergriff die Initiative, als es um ein drittes Treffen ging. Schrieb eigeninitiativ SMS. Schlug Termine vor. Und verließ damit ihren „Jane “-Thron. Was zur Folge hatte, dass sich der entschlossene Tarzan in einen wankelmütigen Grünzeug-Luschi verwandelte.
„Mal schauen, was am Wochenende so geht.“, antwortete er. Was ja irgendwie so viel heißt wie: „Wenn ich nichts Besseres vorhabe, können wir uns treffen. Aber vielleicht kommt auch was Gutes im Fernsehen. Oder ich rauche ein bisschen Löwenzahn. Oder ich mache ein Fußbad.“ Also wartete Vanessa das Wochenende ab. Die Formel lautet schließlich immer noch: Jane checkt, ob Tarzan ernsthaftes Interesse hegt.
Sonntagnacht erhielt sie eine SMS: „Schade, dass du dich nicht gemeldet hast. Ich finde, eine Frau sollte sich auch mal melden, wenn sie interessiert ist. Für mich war's das.“ Unglaublich: Beide hatten das Wochenende über aufeinander gewartet – und sich nicht zuständig gefühlt.
Was war passiert? Die Kompetenzen waren offenbar durcheinander geraten. Weil heute kein Colt Sievers mehr sicher ist, ob er den Tarzan markieren oder zur Entspannung lieber eine Löwenzahntüte durchziehen soll. Und eine taffe Singlefrau vergisst es zuweilen, sich als heißer Feger des Dschungels einfach mal zurückzulehnen. Wir alle müssten uns nicht so sehr über die Liebe wundern, wenn wir beim Dating alle Regeln beherzigen würden, die wir im Zuge der Emanzipation über Bord geworfen haben. Klar können wir Frauen unsere Getränke selber zahlen. Und ohne Hilfe eine Telefonnummer wählen. Aber in der Liebe herrscht immer noch das Gesetz des Dschungels.

Ich freue mich auf Sie – mit neuen Eskapaden im neuen Jahr!

Ihr Fräulein Wunder


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2 Antworten zu “Du Tarzan, ich Jane! Das große Missverständnis im Großstadtdschungel”

  • Püppie sagt:

    Hallo Ihr Lieben,

    ja, ja. Ich wundere mich auch so manches Mal…

    Mich kann man durchaus als gestandene Frau bezeichnen und auch als attraktiv. Mit beidem verbinden Männer offenbar Einiges. Ich brauche nicht einmal etwas tun, um Mißverständnisse zu produzieren. Es läuft alles bereits in den Köpfen ab. Manchmal sogar vor dem Kennenlernen…
    … oder Mann hat danach Probleme mit seinem Selbstwertgefühl.
    So wird es nie was – fürchte ich.
    Aber: Meine Entscheidung, authentisch UND somit auch “Jane” zu bleiben, steht!
    Liebe Männer, habt doch ein bißchen mehr Mut, Vertrauen und Liebe!
    Na dann! Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch (ins neue Jahr)!

  • Netti sagt:

    Liebe Männer, wir lieben euch und wollen das inzwischen auch zeigen. Aber wenn frau die Initiative ergreift, Kontakte aufnimmt und Nachrichten schreibt passiert meistens: nichts… Meldet euch auf unsere Anfragen, reagiert auf uns, zeigt uns, was ihr könnt, dann fallen wir gerne zurück ins Jane-Schema, nur: Von nix kommt nix!

    Allen efrauzipierten Männern ein zweisames neues Jahr!