Gelungener Small Talk steht und fällt mit der richtigen Eröffnung. Lesen Sie hier drei Taktiken von Autor Tilman Spengler.
Jeder weiß: Kein Flirt kommt ohne angenehmen Small Talk aus. Doch was soll man sagen? Wie soll man eine Unterhaltung beginnen?
Im "Deutschlandradio" hörte ich ein interessantes Interview mit dem Autor Tilman Spengler. Er hatte viel zum Thema Small Talk zu sagen. Sein neues Buch heißt übrigens "Sind Sie öfter hier? – Von der Kunst, ein kluges Gespräch zu führen".
Zu Beginn des Interviews sagte er, dass man durchaus etwas mutiger vorgehen und zum Beispiel mal etwas Witziges zitieren kann, um jemanden in mehr als nur ein oberflächliches Gespräch zu verwickeln. Aber ein Flirtgarant ist auch diese Methode nicht. Vielleicht kennt der andere das Zitat nicht, oder aber der Urheber macht mit einem überheblichen Unterton den Eindruck eines Angebers. Dann gibt's einen Korb.
Von der Frage "Sind Sie öfter hier?", die sich im Allgemeinen höchster Beliebtheit erfreut, hält Spengler sehr wenig. Er findet sie zunächst einmal altbacken (in den 50ern war sie up to date). Sie würde außerdem über denjenigen, der sie stellt, lediglich aussagen, dass er (oder sie) noch nicht genau die Kunst der Konversation eingeübt hat. (Da hat er wohl Recht, die Frage ist wirklich sehr einfallslos. Was er aber übersieht: Wenn sich zwei Menschen gefallen, ist der Einstieg so gut wie irrelevant.)
Der absolute Reinfall ist seiner Meinung nach der Satz: "Na, wie geht's?" Er würde eine "fürchterliche Schachtel" aufmachen (Büchse der Pandora?), der die typisch deutsche Lust am Sich-Beklagen wecken würde.
Der Moderator konstruierte dann einige "Anmachsprüche", die der Autor als passend empfand.
Die besten Eröffnungstaktiken
1. "Zur neuen Musik habe ich ein eher gespanntes Verhältnis. Und Sie?" (in der Konzertpause von einem Schönberg-Streichquartett)
2. "Halten Sie Thomas Mann nicht auch für überschätzt?" (bei einer literarischen Veranstaltung)
3. "Also, ich freue mich ja immer, wenn Bayern München eins auf die Mütze kriegt." (in der Kneipe)
Spengler ist sich letztlich sicher: Der erste Satz ist gar nicht so entscheidend, eher der zweite. Das heißt, es kommt darauf an, was man aus der Gesprächsaufforderung macht. Ein guter Small Talk entwickelt sich stets weiter, und außerdem dreht er sich meistens um die "kleinen Dinge", die die gerade erlebte Situation hergibt.
Daraus folgt: Konstruieren Sie einen unverfänglichen Satz – angelehnt an das Hier und Jetzt – und versuchen Sie, leichtfüßig die Unterhaltung zu führen. Testen Sie Ihre Small Talk-Kompetenzen, von morgens bis abends. Es gibt im Alltag zahllose Möglichkeiten.