Betroffene erzählen ihre ganz persönliche Geschichte.
Der im vergangenen Jahr verstorbene Oswalt Kolle war Journalist und Filmproduzent und gilt als der deutsche Aufklärungs-Papst. Gemeinsam mit der Sexualtherapeutin, Autorin und Medizinjournalistin Dr. Beatrice Walter hat er als eine Art Nachlass ein Buch verfasst mit dem vielsagenden Titel: „Sex – die 10 Todsünden“.
In zehn Geschichten wird geschildert, was beim Sex alles daneben gehen kann. Die Fallstricke der Liebe werden beleuchtet und lustvolle Wege aus dem Liebesfrust gezeigt. Dass das Lesevergnügen durchaus prickelnd und gleichsam erhellend ist, dafür sorgt die Expertise der Autoren, die es verstehen, auch schlüpfrige Details in stilvolle Worte zu fassen.
10 Todsünden ganz persönlich
Dazu erzählen Betroffene ihre ganz persönliche Geschichte. Diese wird dann von Oswalt Kolle „ganz persönlich“ kommentiert. Zum Schluss folgt noch der „heiße Tipp“ mit ganz konkreten Anregungen zum jeweiligen Punkt. In den einzelnen Kapiteln geht es beispielsweise im ersten um Sprachlosigkeit und darum, was passiert, wenn ein Paar nicht miteinander über seine sexuellen Wünsche und Bedürfnisse spricht. An dieser Stelle wird auch erklärt, wie das „Verlieben“ funktioniert und wie sexuelle Fantasien entstehen.
Das zweite Kapitel widmet sich der Beliebigkeit und dem Zusammenhang von Selbstwertgefühl und gutem Sex, weiterhin geht es ums Gekränktsein und Achtlosigkeit, um Lügen, Besitzansprüche, Hygienezwang, Vorurteile, Eifersucht und Überrumpelung. Zu guter Letzt wird auch noch erklärt, was erotische Intelligenz ist und wie wichtig Dynamik für eine gute Sexualität sein kann.
Ein würdiges Vermächtnis
Bei seinen Kommentaren schreibt Oswalt Kolle zunächst, was ihm spontan dazu in den Sinn kommt. Danach schreibt er gemeinsam mit seiner Kollegin, indem auch wissenschaftliche Erkenntnisse hinzugezogen werden, um die jeweilige „Todsünde“ mit ihren Hintergründen möglichst objektiv zu beleuchten.
Im Vorwort schreibt Kolle, dieses Buch sei die Quintessenz seines Lebens und er habe nun alles gesagt, was es zu diesem Thema zu sagen gebe. Ein weiteres Buch über Sexualität werde er nicht schreiben, so lautet einer der letzten Sätze. Damit liegt also in diesem Buch der Nachlass dieses Aufklärers vor, dem wir in Sachen sexueller Information vieles zu verdanken haben. Ein durchaus würdiges Vermächtnis und eine anregende Lektüre.