Die nächsten sechs Schritte zur konstruktiven Konfliktlösung.
In dieser Woche präsentieren wir Ihnen die restlichen 6 Schritte zu dem spannenden Thema: Die Kunst des effektiven Streitens.
Stufe 5: Machen Sie sich klar, dass Sie und Ihr Partner im Moment unterschiedliche Standpunkte haben. Versuchen Sie, diesen anderen Standpunkt ohne Einteilung in richtig oder falsch zur Kenntnis zu nehmen. Und vor allem: Reden Sie sich nicht ein, Ihre Liebe sei in Gefahr, nur weil Sie und Ihr Schatz in einem oder mehreren Punkten nicht übereinstimmen.
Stufe 6: Bleiben Sie ausschließlich bei dem augenblicklichen Streitthema. Vermeiden Sie jedes Erinnern an andere Auseinandersetzungen, bei denen Ihr Partner Ihrer Meinung nach bereits den gleichen oder einen ähnlichen "Fehler" gemacht hat. Hören Sie ihm einfach zu! Ohne zu unterbrechen! Wenn Sie seinen Standpunkt begriffen haben, geht es Ihnen schon besser.
Stufe 7: Machen Sie nun nicht den Fehler zu glauben, Sie müssten den Standpunkt Ihres Partners übernehmen. Das müssen Sie nicht! Es reicht, wenn Sie ihm Ihren eigenen in aller Ruhe entgegensetzen. Zwei Meinungen sind kein Drama, sondern eine positive Chance, einen gemeinsamen Mittelweg zu finden. Oder auch nicht. Unterschiedliche Ansichten dürfen bestehen bleiben. Sie bilden keine Gefahr für die Beziehung, solange sie vorurteilsfrei erörtert werden.
Stufe 8: Machen Sie sich und Ihrem Partner bewusst, dass viele Konflikte nur auf unterschiedlichen Wahrnehmungen beruhen. Wahrnehmungen, die jeweils ihre eigene Gültigkeit haben. Es geht nicht ums Gewinnen oder Verlieren, ums Rechthaben-Müssen, sondern nur um eine Mediation, eine für beide lebbare Vermittlung.
Stufe 9: Versuchen Sie, zwischen Konflikten und Missverständnissen zu unterscheiden. Missverständnisse lassen sich leicht aufklären, wenn beide Seiten ihre Wahrnehmungen darlegen und dem anderen vorurteilsfrei zuhören.
Stufe 10: Machen Sie sich klar, dass Sie weder Ihr Gesicht noch die Liebe des Partners verlieren, wenn Sie einen Fehler, der Ihnen unterlaufen ist, offen zugeben. Sie beweisen damit soziale Kompetenz, Souveränität und Eigenverantwortlichkeit – Charaktereigenschaften, die Sie zur Gewinnerin stempeln.
Und noch etwas: Streiten will nicht nur gelernt sein, sondern erfordert auch Zeit und gewisse Regeln. Zwischen Tür und Angel lässt sich kein Konflikt austragen. Gestatten Sie sich die nötige Muße, um unterschiedliche Wahrnehmungen und Vorstellungen zur Kenntnis zu nehmen. Setzen Sie sich dazu möglichst einander gegenüber. Achten Sie darauf, dass Sie für die nächste Viertelstunde ungestört sind. Schalten Sie also vorher nicht nur den Fernseher oder das Radio, sondern auch das Handy aus. Sehen Sie nun einander in die Augen. Machen Sie sich, ehe Sie mit der Debatte beginnen, noch einmal klar, dass Sie Ihr Gegenüber lieben. Und bemühen Sie sich schließlich, so genannte Ich-Aussagen nicht negativ, sondern positiv zu formulieren. Das heißt im Klartext: Sagen Sie nicht: "Ich denke nicht daran,…" oder "Ich mache es nicht länger mit, dass…", sondern stattdessen: "Ich meine, dass…", "Ich hoffe…" oder "Ich wünsche…".
Sie werden sehen, dass ein solches Streitgespräch nicht nur die Wogen glättet und beide Seiten befreit, sondern der Liebe einen neuen, wunderbaren Kick gibt.
Ich-Aussagen sind meiner Meinung nach dann positiv, wenn sie das eigene Problem beschreiben und nicht, was der andere falsch gemacht hat, z.B. ich bekomme den Bus nicht mehr, anstatt Du bist zu spät gekommen. Wenn man das eigene Problem beschreibt, dann ist der andere eher geneigt, das Problem, dass er möglicherweise verursacht hat, zu beseitigen/wieder gut zu machen. Wenn er hingegen zu hören bekommt, was er falsch gemacht (und mitunter sogar selbst schon weiß), wird er nur versuchen, sich zu verteidigen!