Facebook, StudiVZ, Xing und wie sie nicht alle heißen - Social Communities, die uns die Illusion von der total vernetzten Welt geben wollen. Was für Business-Kontakte ja noch ganz sinnvoll sein mag, nimmt im Privaten geradezu skurrile Züge an.
Meine Freundin S. zum Beispiel, hat seit einiger Zeit einen Facebook-Account, auf dem sie alle zwanzig Minuten ihren Befindlichkeitszustand mitteilt. Ihre 346 Facebook-Freunde wissen also immer gleich, wenn sie grad mal wieder schlechte Laune hat, weil in ihrer Lieblingsbäckerei die Zimtschnecken ausverkauft waren. Ich habe S. schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen. Sie ist einfach zu beschäftigt. Auf Nachrichten bei Facebook antwortet sie übrigens immer sofort. Wenn ich ihr zu Hause auf den Anrufbeantworter spreche und ein Treffen vorschlage, stehen die Chancen auf einen Rückruf eher schlecht. Wahrscheinlich zu analog, irgendwie. Warum persönlich, wenn es auch virtuell geht?
Auch auf das Liebesleben wirkt sich das inzwischen aus. Natürlich googlen wir den tollen Typen, der uns gerade eine Partneranfrage geschickt hat. Welche Kontakte hat er bei Xing, wie sehen seine Freunde bei Facebook aus? Und nicht wenige Beziehungen sind schon daran zerbrochen, dass einer der Partner allzu viel Zeit mit seinen virtuellen Kontakten verbrachte.
Wie gerufen kommt da die Seite www.ausgestiegen.com. Dort können Aussteiger aus Social Communities eine letzte Botschaft in die Welt senden und den Grund ihres Ausstiegs nennen. Und sich dann völlig unvernetzt der realen Welt widmen. Die Betreiber der Seite sind keine Misanthropen, die der Einsamkeit das Wort reden wollen, wie es auf der Seite heißt: "Wir erachten soziale Netzwerke sogar von existenzieller Wichtigkeit. Aber letztendlich bestehen soziale Netzwerke immer aus Menschen, völlig unabhängig von der Technik, die die Kommunikation und den Austausch ermöglicht. Vielleicht wäre es einfach wieder mal gut, jemandem einen Besuch abzustatten…"
Ein interessanter Ansatz, der immer mehr Anhänger findet. Ein etwas rücksichtsvollerer Umgang mit Privatem wäre wünschenswert, ein bisschen mehr Mensch und etwas weniger User. Zum Glück spielt bei aller High-Tech dann doch immer noch der menschliche Faktor mit und den entdecken immer mehr in sich. Gut so. Weitermachen.
Auch ich fühle mich immer genervter von E-Mails, Internet-Partnersuche (!) und werde demnächst versuchen, nur noch alle zwei Tage das Internet aufzusuchen.
Ich fürchte, wenn man die Zeiten addiert, die man vor dem Computer sitzt, kommen bestürzende Ergebnisse zutage.
Also, raus in die Welt zu den echten Menschen sowie das Wetter besser wird.
Die durchschnittliche Fernsehdauer ist mehr als drei Stunden pro Tag in DE. Was ist besser: TV oder Kommunikation (zugegeben: virtuell) über Soz.Netze?
ich finde, dass es nicht viel zeit kostet, rasch in seinen virtuellen postkasten zu schauen und kontakt zu leuten zu halten, die man manchmal länger als eine woche nicht sieht und spricht, weil der arbeitstag vollgepackt ist mit einer menge realer anderer kontakte. netzwerke sind prima, um viele leute real an einen ort zu einer bestimmten zeit zu bekommen, die info zu einer party o.ä. ist perfekt in kürzester zeit bei allen, wer lust hat, trifft sich zum quatschen bei musik und aus virtuell wird real, in maßen genossen ist so gut wie gar nicht schädlich…
Der Autorin kann ich nur 100%ig zustimmen. Jugendliche sitzen heute ständig vor dem Laptop und schreiben sich Nachrichten, chatten und tauschen Bilder aus. Was dabei verloren geht ist doch die Fähigkeit zur persönlichen Kommunikation und das gemeinsame Erlebnis, bspw. beim Sport. In der Realität müssen Konflikte ausgetragen werden, im Internet genügt es, sich einfach nicht mehr zu melden oder den Kontakt zu löschen. Der größte Unsinn ist m.E. Twitter. Wenn ich lese, dass bspw. Calmund zig-tausend Follower hat dann frage ich mich, wer soviel Zeit hat und wen es interessiert, was Calmund den ganzen Tag so macht. Anyhow, jeder eben nach seinem Geschmack.