Nach der Scheidung wird alles geteilt. Auch das Geld?
Eine Ehe ist mehr als eine Beziehung. Eine Ehe ist das Fundament einer Familie. Und oft bleiben da nicht nur zwei Menschen miteinander verbunden. Kinder sind in Scheidungen immer ein besonders bitteres Kapitel. Aber es ist eigentlich das gesamte Leben, das in zwei Teile geteilt werden muss.
Je länger man zusammen ist, umso mehr muss man teilen. Das haben wir ja schon bei anderen Beziehungen festgestellt. Je intensiver man zusammen ist, umso schmerzhafter ist der Trennungsprozess. Und gibt es intensiveres Zusammensein als das Eheversprechen? Wer sich für immer bindet, macht aus zwei Menschen eine Einheit. Konten, Wohnungen, Küchen, Freunde. Kinder sind nicht einzige Beispiel, aber wohl das schlimmste.
Die Trennung als Freunde wird daher oft zum Kleinkrieg, wenn es um materielle Dinge geht. Scheidungen sind meistens mit Entbehrungen verbunden, die beide Seiten als unfair betrachten. Sobald das Haus aufgegeben werden soll oder das Sparbuch durch zwei geteilt wird, hört die Freundschaft schnell auf. Vor allem, wenn der Neue oder die Neue fragt, ob du wirklich die Hälfte deines Geldes verlierst. Machen wir uns keine Illusionen: Keiner von uns verschenkt gern sein Geld. Hat der Partner einen Anspruch auf die Hälfte? Klar, hat er das. Besonders Frauen geben oft ihre Karriere auf und unterstützen ihre Männer. Aber auch Männer, denen ein Ausgleich zustehen kann, haben Opfer gebracht.
Und empfindet man das so? Das dem anderen die Hälfte zusteht? Dem Typen, der dich betrogen hatte, während er den Hausmann spielte? Oder der Frau, die eh immer alles von dir gekriegt hat, weil sie selbst kein Geld verdiente? Hölle, nein. Kein Mensch ist gut darin, anderen etwas zuzusprechen, das er selbst nicht hat. Aber eine Trennung macht das fast ausgeschlossen. Selig sind jene, die da einen kühlen Kopf behalten. Sie sind eine sehr beneidenswerte Minderheit.
Nach der Beziehung hört man also so schnell nicht auf, Dinge zu verlieren – wenn man so will. Diese Auseinanderrechnung des Lebens hat natürlich nicht nur Tränen und persönliche Entscheidungen zum Inhalt. Es ist auch die Stunde der Juristen. Ob der gemeinsame Anwalt, oder zwei sich gegenüber stehende Advokaten, die jeweils ihre Seite vertreten…Wie das Standesamt das Bündnis offiziell besiegelt, muss in Deutschland ein Gericht es offiziell auch wieder auseinander rechnen. Kostspielige und langwierige Verfahren können einen erwarten. Und was oft als Nebenkriegsschauplatz wirkt, kann schnell zum eigentlichen Spießrutenlauf durch das deutsche Rechtssystem werden. Deshalb werdet ihr hier bald auch mehr zu diesem Aspekt der Scheidung lesen können. Ich konnte zwei Experten gewinnen, die uns demnächst Rede und Antwort stehen und uns die Spielregeln des rechtlichen Teils der Scheidung erklären.
Vorher aber noch ein Thema, dass vor mir besonders am Herzen hängt. Kinder und Scheidungen.
Meine Scheidung im Jahr 2007 war sehr kostspielig. Unsere Anwälte und die Gerichte haben sehr viel Geld von uns bekommen. Wäre ich rechtzeitig zur anwaltlichenen Beratung gegangen, bevor ich die Scheidung einreichte und hätte wir uns vorab gütig geeinigt im Beisein unserer Anwälte, oder noch besser, hätten wir uns einen gemeinsamen Anwalt genommen, wäre es für uns beide besser gelaufen. Hätte, hätte, hätte … Ihr seht schon, im nachhinein ist man schlauer. Ich denke, es geht allen so, die eine Scheidung hinter sich gebracht haben.
Wer teilt schon gerne? Man kennt ja das ganze schon von Kindern. Jeder will das Bonbon. Es macht am Ende alles kaputt. Der ewige Streit ums Geld und die CD Sammlung. Bin gespannt was die Anwälte dazu sagen. Weiter so, Herr Leyendecker.