Riskieren Sie was! Es ist immer noch besser, eine schlechte Erfahrung beim Flirten zu machen als gar keine!
Es gibt viele Ursachen, die dafür verantwortlich sind, warum selbst attraktive Frauen oder Männer sich nicht trauen, "einfach so" jemanden anzusprechen. Eigentlich unfassbar. Eine Ursache ist der sogenannte "innere Kritiker". Man kann ihn überwinden.
Fragt man Singles, ob sie generell offen auf andere Menschen zugehen und mit ihnen zwanglos flirten können, so bekommt man verschiedene Antworten. Klar. Aber es wird auch ein Trend augenscheinlich, je mehr Probanden an so einer Studie teilnehmen. (Ich habe selbst mal eine durchgeführt, sehr aufschlussreich.)
Es offenbart sich nämlich schnell ein "innerer Kritiker", der die ansonsten so wunderbar offensichtliche Kommunikationsfreudigkeit im Keim erstickt, quasi von "innen heraus". Der innere Kritiker offenbart sich sowohl emotional, und zwar als unangenehmes Gefühl, als auch gedanklich (kognitiv). Letzteren Aspekt kennt man. Bevor man dazu kommt, jemanden in Reichweite anzusprechen, "spricht es" aus einem selbst. Genauer gesagt, man führt Selbstgespräche. Teilnehmer sind meistens: Der innere Kritiker und der "gesunde Menschenverstand". Beide führen ein Zwiegespräch, und der innere Kritiker malt stets ein Worst case-Szenario ("Lass es, Du kriegst einen Korb", oder: "Der Andere findet Dich bestimmt total doof", oder: "Du wirst gleich stottern, also lass es!")
Woher kommt diese negative Selbsteinschätzung? Nun, mit dem inneren Kritiker sind wir nicht auf die Welt gekommen. Der innere Kritiker war irgendwann einmal – meistens in unserer Kindheit oder Jugend – ein äußerer Kritiker.
Fakt ist, dass wir unsere Bezugspersonen (vor allem deren Meinungen über uns) im Laufe unserer Entwicklung psychisch verinnerlichen. Die Ansichten unserer Eltern, Lehrer, Verwandtschaft usw. "brennen" sich in unser Gehirn – und sie werden, ganz wichtig(!), zu unseren eigenen. Natürlich gilt das nicht für alle Meinungen, aber für manche.
Was kann man da machen? Zunächst einmal ist es wichtig, sich in entscheidenden Flirt-Situation klarzumachen: "Du kannst was! Du hast schon etwas im Leben erreicht. Du bist kein Loser!"
Ein anderer Tipp stammt aus der Lehre des "Inneren Teams" (Friedemann Schulz von Thun). Ordnen Sie demnach dem inneren Kritiker eine bestimmte Person zu, das macht ihn (an)greifbarer. Rufen Sie ein "Meeting" ein, bevor Sie einen Small Talk anstreben. Dann kommen eventuell folgende Persönlichkeiten zu Wort: "Frau Schüchtern", "Herr Pessimist", "Tante Unattraktiv" usw. Lassen Sie jedes Teammitglied im Geiste zu Wort kommen. Denken Sie daran: Sie haben auch eine weitere innere Stimme: Die des Moderators(!) Und der kann die anderen Mitglieder durchschauen, ihre Herkunft erkennen. Das nimmt denen die innerpsychische Kraft.
Kommen Sie sich selbst durch "Meetings" selbst auf die Schliche und vereinbaren Sie einen Kompromiss: "So, heute spreche ich wenigstens drei Menschen des anderen Geschlechts an, dann ist Sense. Okay?"
Und: Riskieren Sie was! Es ist immer noch besser, eine schlechte Erfahrung beim Flirten zu machen als gar keine! Außerdem ist es unmöglich, immer einen Korb zu bekommen. Gesetz der Wahrscheinlichkeit.
Schöner Beitrag, danke.
Genauso ist es, der "innere Kritiker" kann einem das Leben schon schwer machen.
Aber wie Herr Damm rät, es lohnt sich, einfach mal aufs Ganze zu gehen. Ich selbst bin vor einiger Zeit das Risiko eingegangen und habe eine sehr sehr attraktive junge Mitstudentin angesprochen, obwohl mein innerer Kritiker dagegen war. Ich hatte Erfolg und war selbst positiv überrascht von ihrer Reaktion auf meinen "Anflirten."
Man muss sich nur überwinden können, wenn es drauf ankommt.
Als ich diesen Beitrag gelesen habe, habe ich mich wirklich selbst wieder erkannt.
"Herr Unattraktiv" und seine Stammtischkollegen sind bei mir seit meiner Kindheit leider sehr aktiv, da ich sehr dick war und oft Ablehnung in verschiedenen Lebensbereichen erfahren habe.
Mit 15 Jahren habe ich dieses Problem vermeindlich gelöst und mein Gewicht fast um die Hälfte reduziert.
Im Kopf blieb das Problem aber, leicht abgeschwächt, bis heute bestehen.
Vor einigen Jahren hatte ich auf einem Fest ein interessantes Gespräch mit einer ehemaligen Bekannten aus der Schulzeit. Sie erzählte mir lachend, wie süß mich damals in der Schule viele fanden, aber keine sich getraute, mich anzusprechen .. und ich habe das damals schlicht und einfach nicht bemerkt.
Das Interessante ist, immer, wenn ich all meinen Mut zusammengenommen habe, verliebt war und die Dame meines Herzens unbedingt erobern wollte, hat es in allen Fällen "funktioniert".
Leider hatte mein innerer Kritiker, das überkommene Selbstbild, die eine Beziehung, von der ich dachte "Das ist sie!" in einer schwierigen Phase mit einigen "Schicksalschlägen" unterwandert.
Man kann sich die Zusammenhänge, die in diesem Beitrag beschrieben werden, immer wieder bewusst machen, dannach handeln, erfolgreich, aber die "inneren Stimmen" sind, zumindest in meinem Fall, so hartnäckig, dass sie mich auch 14 Jahre nachdem der äußere Anlass weggefallen ist, immer noch in meiner Lebensqualität einschränken.
Besonders enttäuscht hat mich, dass ich in meiner letzten Beziehung nie offen über diese Dinge reden konnte, ohne mit Unverständnis konfrontiert und als Weichei abgetan zu werden.