Was es nicht alles gibt?! Haben Sie schon einmal vom Discoblick gehört? So nennen Sozialpsychologen neuerdings den Scannerblick, den wir aufsetzen, um unser Gegenüber schnell mal auf seine Tauglichkeit als Partner abzuklopfen. Dabei beschränken wir uns rein auf die äußerlichen Kriterien.
Das ist keine schlechte Herangehensweise für eher düstere Kaschemmen, einen lohnenswerten One-Night-Stand ziehen wir damit bestimmt an Land. Aber mehr? Zweifelhaft. Meine Freundin M. beispielsweise hat ganz genaue Vorstellungen, wie ihr Traummann zu sein, bzw. auszusehen hat. Sie offenbart eine sehr ausgeprägte Form des Discoblicks. Dabei ist sie gar keine richtige "Disco-Gängerin" im klassischen Sinne. Allerdings funktioniert dieser Discoblick auch auf dem Golfplatz oder im Fitnessstudio, im Supermarkt oder im Theater.
"Boah, guck mal der!", habe ich schon so einige Male von ihr gehört. Zum Beispiel neulich in einer Bar. Da stand ein großer, breitschultriger Typ Marke "Latin Lover" – genau ihre Zielgruppe. M. war vollkommen aus dem Häuschen als der Traumtyp ihren Blick erwiderte, lächelte und sie letztendlich ansprach. Er war gepflegt, gut gekleidet, trug eine teure Uhr. M. raunte mir zu, der sei ein ernst zu nehmender Kandidat, ein richtiger Mann, der mit beiden Beinen im Leben stünde, das habe sie im Gespür.
Tatsächlich verbrachten die beiden eine heiße Nacht miteinander. Der Morgen danach war jedoch recht ernüchternd. Der Traumtyp entpuppte sich als etwas schlichter Macho, der mit einem tadellosen Äußeren die Tatsache zu verdecken suchte, dass er von Hartz IV lebte und auch sonst im Leben nicht viel auf die Reihe kriegte. Letztlich suchte er wohl eine Frau, die ihn versorgte. M. hat sich inzwischen vorgenommen, ihren Discoblick öfter mal auszuschalten. Wenn wir zusammen ausgehen, haben wir durchaus schon mal unseren Spaß damit. Aber wenn es tatsächlich um die ernsthafte Partnersuche geht, dann schalten wir auf seriös.