Lange verschwiegen, jetzt steht die Volkskrankheit endlich im Interesse der Öffentlichkeit.
Der Tod des Fußballspielers Robert Enke hat uns aus dem Dornröschenschlaf geweckt und uns allen die Realität gespiegelt. Nun ist es offiziell und endlich ausgesprochen: Auch prominente Menschen, die im Sport oder in den Medien erfolgreich sind, können an Depressionen erkranken.
Keiner ist vor dieser Krankheit geschützt, egal ob arm oder reich. Das spielt keine Rolle. Wie kann es sein, dass es in unserer ach so freien Welt immer noch totgeschwiegen wird, wenn es sich um psychologische Belage handelt?
Es ist wie in meiner Praxis mit meinen Klienten! Liebeskummer, Depressionen – das gehört zusammen und wird von den meisten Menschen unterschätzt und mit ein paar Worten abgetan, wie: Reiß dich doch mal zusammen! Auch meine Klienten tuen sich schwer in meine Praxis zu kommen und schämen sich. Wenn sie mich dann auf der Straße treffen, grüßen sie mich nicht aus Scham.
Leider leben wir nicht in USA. Dort hat man seinen Coach/Psychologen/Berater. Auch über Antidepressiva liest man leider nur Schlechtes – dabei hat es bei besonnener und fachlicher Dosierung durch die Unterstützung eines Arztes schon viele Leben gerettet…
Ich kann gut mitreden, da ich durch ein schlimmes Erlebnis über ein Jahr eine Depression hatte – die Medizin und natürlich mein Arzt haben mich gerettet. Schade, dass diese Krankheit so totgeschwiegen wird. Keiner kann sich vorstellen in welchem Zwiespalt ein Mensch lebt, der an einer Depression leidet. Der Klient kann nicht frei agieren, geblockt durch die Depression und dem permanenten schlechten Gewissen "nicht genug zu sein". Der Betroffene ist selten in der Lage sein normales Tagespensum zu leben. Kommt nicht aus dem Bett. Schon das Zähneputzen kann zum Alptraum werden. Einer meiner Klienten hat das Leben seiner Depression so beschrieben: "Ich saß auf der Rutsche, rutschte ungewollt runter, sah es von außen und war nicht in der Verfassung das Rutschen zu stoppen!"
Zu dem aktuellen Thema Robert Enke hatte ich auf dem Portal Facebook eine Fragerunde eröffnet und gab meine Bestürzung zum Besten. Eine der Antworten möchte ich Ihnen nicht vorenthalten: Hier der O-Ton:
Aber der Selbstmord von Robert Enke bleibt dennoch sehr mysteriös und ist die Tat eines Mannes, der trotz angeblich schwerster Depressionen zur sportlichen und gesellschaftlichen Elite des Landes gehörte und seine Aufgaben bestens erfüllt hat. Dann lässt er plötzlich alle im Stich, wirft sich vor einen Bummelzug und entschuldigt sich bei seiner treusorgenden Ehefrau und seinem Therapeuten für die bewusste Täuschung mit dem Grund, er habe befürchtet, das Sorgerecht für seine Adoptivtochter zu verlieren. Ein schwer Depressiver kann kaum permanent Höchstleistungen bringen und Liebe und Verantwortungsgefühl gegenüber seinen Mitmenschen und die Sorge um Frau und Kind haben ihm plötzlich gar nichts mehr bedeutet? Seltsam, seltsam…
An dieser Reaktion können Sie genau ablesen: Dieser Schreiber weiß nicht, was eine Depression ist. Er hat in der Tat keine Ahnung. Es gibt viele Arten von Depressionen. In diesem Fall kam und ging die Krankheit und war kein Dauerzustand. Natürlich kann ein Mensch Höchstleistungen bringen, trotz seiner Erkrankung. Den traurigen Zustand der Krankheit vor der Umwelt zu verschleiern, ist ein Leichtes – allerdings benötigt diese Heimlichtuerei eine enorme Energie und Kraft. Und irgendwann geht gar nichts mehr.
Wir können nur hoffen, dass dieser Fall die Menschen ein wenig offener für diese psychologischen Erkrankungen macht.
achtet mehr auf euch und auf eure Mitmenschen. Kommt runter von dem Egotrip und dem immer besser, schneller, reicher, größer…!!!!
Ich leider leide schon fast mein halbes Leben unter Depressionen. Dazu bin ich seit ca 15 Jahren kronischer Schmerzpatient, was mit den Depressionen zusammen hängt.
Leider ist es so, dass sich in den letzten 10 Jahren, einer nach dem anderen meine ganzen Freunde und Bekannte zurückgezogen haben. Mein Eindruck ist, dass es den Mitmenschen mit einem Dauerkranken viel zu anstrengend ist. Hat man mal eine Grippe, rufen alle an und wünschen einem schnell mal gute Besserung, denn man weiß ja, spätestens in zwei Wochen ist alles vergessen und ist wieder die Alte. Wenn ich schon die Floskel höre"Wie geht es dir?", könnte ich aus der Haut fahren. In Wirklichkeit interessiert es nämlich fast niemanden, wie es einem wirklich geht. Ich habe es tatsächlich erlebt, traf beim Einkaufen eine alte Freundin. Auch sie fragte mich, wie es mir geht? Ich antwotete: " Nicht so gut. Die ewigen Schmerzen machen mich echt kaputt." Zur Antwort bekam ich: " Na ja, das kennen wir ja, du bist doch immer kaputt." Wau, das saß! Diese blöde Kuh, warum fragt sie mich denn überhaupt? Und das, in der ich eine sehr depressive Phase hatte. Im Auto angekommen habe erstmal geweint.
Selbst mein Exmann hat mich gegen eine gesunde Frau ausgetauscht. Das einzige Argument, was ich je heute gehört habe, war:" Ich will schließlich noch Leben." Mit mir kann man das wohl nicht mehr? Meine Ehe war immer Top, nie hatten wir Streit oder andere Probleme.( Dachte ich jedenfalls!) Wir gingen durch dick und dünn. Ich habe ihn abgöttisch geliebt.
Dieser Verrat, der da an mir begangen wurde und die Trennung sorgen nun noch mehr für Depressionen, aber wen interessiert’s?
Jetzt werde ich demnächst wieder in eine Psychosomatische Reha- Maßnahme fahren. Einmal war ich schon dort und ich kann es jedem nur empfehlen, denn dort wird einem echt geholfen, wenn man es will. Und dort nehmen einen alle ernst.
Eure Rosi
genau, und achtet auch auf eure Worte, dass sie nicht zu Schwertstichen werden. Werdet gütig zueinander und bereitwillig vergebend. Vergebung ist der erste Weg schwere Depressionen zu lindern, ich leide schon seit 15 Jahren daran, es heilt nicht, aber es hilft.
Ich leide auch schon seit einigen Jahren immer wieder mal an Depressionen, habe gelernt, damit zu leben und sehe die Sache zweigeteilt:
Sicherlich steht es außer Frage, dass es sich um ein psychisches Problem handelt, welches man ernst nehmen sollte.
Andererseits wird einem in dieser Welt, in der es an allen Ecken und Enden krankt, durch Überpsychologisierung vorgegaukelt, dass man für jedes Problem eine Lösung finden könnte und man jeden eben mal schnell gesund therapieren kann. Dabei werden die gesellschaftlichen Ursachen nicht einmal im Ansatz in Frage gestellt – die Menschen werden wieder in sie reintherapiert.
Depressionen können verschiedenste Ursachen haben, aber bei vielen ist die Ursache m.M. nach die, dass sie Dinge wahrnehmen und spüren, die anderen längst egal geworden sind. Man könnte zumindest darüber streiten, wer hier gesund ist und wer krank ist: jener, an dem alles abprallt oder jener, der noch fähig ist, bestimmte Dinge wahrzunehmen.
Tabu ist das Thema in erster Linie deshalb, weil es nicht in die Leistungsgesellschaft passt, depressiv zu sein und zu guter letzt ist sie m.M. nach auch eine Folge dieser Gesellschaft, in der nur noch schneller, höher, stärker, schöner und andere Superlativen zählen. Während früher durch schwere Arbeit der Körper kaputt ging, so passiert dasselbe nun mit der Seele.
@Rosi: Du hast genau das in Worte gefasst, wie ich es auch denke und erlebe.
In unserer Firma kommt immer der Spruch: "Na, Alles klar?" Gebe ich dann meinen wirklichen Gemütszustand an; eben,dass NICHT alles klar ist, fragen die Wenigsten warum…
Meine neue Liebe ist nach fünf Wochen meines Negativ-Denkens panikartig geflüchtet. Dennoch bin ich ihr sehr dankbar, weil sie es relativ lange ausgehalten hat und ich durch den Schock der Trennung in der Lage bin, neue Hilfe anzunehmen.
Ein aktueller Tipp, besonders für Angehörige:
z.Zt. läuft in den Programmkino’s "HELEN".
Die Hauptdarstellerin muss wohl selbst betroffen sein, so authentisch spielt sie eine depressiv Erkrankte.
Ich finde es toll wie in diesem Artikel Depressionen beschrieben werden. Besser hätte ich es nicht in Worte fassen können. Es ist dieses Gefühl "Ich genüge der Gesellschaft und meinen nächsten Menschen nicht mehr" Der engste Freundeskreis hält in der ersten Zeit noch zu einem, dauert es aber länger kommen Komentare "Langsam musst Du aber mal wieder voran kommen" "Anderen Menschen geht es viel schlechter" Bei mir fing es vor zwei Jahren mit einem Bunrout an und ich finde nur schwehr zurück zur Normalität.
Meine Freundin hat sich vor kurzem wegen meiner Depressionen und den damit auftretenden Stimmungschwankungen von mir getrennt. Ich würde ihr alle Kraft rauben. In einem letzten Gespräch hat sie mir gesagt, das Sie keine Achtung mehr vor so einem Versager wie mir hat. Harte Worte von einem Menschen, den man geliebt hat. Das gibt noch mehr das Gefühl nichts wert zu sein. Jetzt sucht sie hier nach einem erfolgreichen Menschen.