Soziale Netzwerke - seit Jahren aus dem gesellschaftlichen Leben nicht mehr wegzudenken. Jeder ist mit jedem auf virtuellen Plattformen befreundet. Frei nach dem Motto "In ist, wer drin ist!" Da wundert es nicht, dass mehr als die Hälfte aller Internet-Nutzer in Deutschland mindestens ein Profil zum Online-Dating nutzt.
Wer glaubt, dass das nur ein Trend unter Mitzwanzigern und Teens ist, der irrt gewaltig. Auch die Fourtysomethings hat der "Social-Networking"-Virus gepackt, dass viele ein Profil bei Facebook, Xing oder auch MeinVZ haben und dort so einiges über sich Preis geben. Das macht das Dating allerdings nicht leichter. Noch vor dem ersten realen Treffen wird per Google unser Gegenüber durchleuchtet: Wo wohnt er, als was arbeitet er, findet man gar ein paar pikante Details heraus, über die er eigentlich lieber den Mantel des Schweigens gelegt hätte? Egal, man kann ihm ja trotzdem schon mal eine Freundschaftseinladung schicken…
Viele Internet-Nutzer definieren sich inzwischen tatsächlich darüber, wie viele Freunde sie in den verschiedenen Online-Netzwerken aufweisen können. Doch echte Freundschaften sind das in den seltensten Fällen, oft kennen sich diese Menschen nicht einmal persönlich.
Gruscheln ins Leere
Doch es wird gegruschelt, was das Zeug hält. Gruscheln, eine neudeutsche Wortschöpfung, die sich aus den Wörtern "grüßen" und "kuscheln" zusammensetzt, ist eine dieser seltsamen Blüten, die die schöne, neue Online-Freundschaftswelt erschaffen hat. Angeblich soll das Gruscheln das virtuelle Pendant zum Blickkontakt in der realen Welt sein. De facto ist es allerdings so, dass das Gruscheln mit einem unverbindlichen Klick aufs Profil erledigt ist und allzu oft keinerlei weiteren Kontakt nach sich zieht.
Und wenn doch? Dann gehen wir auf die Suche im Netz und fischen heraus, was wir kriegen können. Wenn bei Facebook das Profil womöglich nur für Freunde sichtbar ist, wir aber noch keine sind, dann gibt es ja noch MeinVZ und Co., die weitaus weniger zimperlich mit privaten Daten umgehen. Irgendwo gibt es meist ein paar Bilder aus dem letzten Urlaub oder etwas Ähnliches.
Spionage leicht gemacht
Niklas (26) wurde von einer Kommilitonin gegruschelt. "Ich wollte nichts von ihr, aber weil sie süße Profilbilder hatte, habe ich ihr eine Freundschaftsanfrage geschickt", sagt der BWL-Student. Doch nach einiger Zeit fühlte er sich verfolgt. Sie kommentierte jeden seiner Einträge und Bildverlinkungen. "Einmal wollte sie mich abends treffen, aber ich gab vor, arbeiten zu müssen. Dummerweise habe ich bei Facebook etwas anderes gepostet. Das hat sie natürlich prompt gelesen." Nach einer hässlichen Szene im Hörsaal kündigte Niklas ihr die Online-Freundschaft und ging ihr auch auf dem Campus aus dem Weg.
Eigentlich ist es mühsam und zeitraubend, unser Gegenüber auszuspionieren, dennoch funktioniert es erstaunlich gut. Aber wollen wir das wirklich? Nimmt es nicht jegliche Spannung und freudige Erwartung auf ein Treffen mit einer an sich fremden Person? Zudem: Echte, reale Kommunikation kann nicht durch virtuelle ersetzt werden. Im Gegenteil, das Schnüffeln durch Online-Profile schürt oftmals nur überflüssige Missverständnisse und lässt Raum für die absurdesten Interpretationen, die im direkten Dialog vermieden werden könnten.
Nora (30) hat sich vor einiger Zeit mit Kilian (32) getroffen, von dem sie schon einiges wusste: "Er hatte einige Fotoalben eingestellt von seinem Fußballclub und seinem Trip durch Neuseeland letztes Jahr." Auch Fotos von einer Party bei Freunden waren dabei. Nora fand es lustig, schon so viel von ihm gesehen zu haben. Doch sie gibt zu: "Beim tatsächlichen Treffen hatte er mir nicht mehr viel zu erzählen, das ich nicht schon wusste." Das ist nicht jedermanns Sache und Kilian fand es befremdlich, dass Nora sich so gut in seinem Privatleben auskannte.
"Mir war überhaupt nicht klar, dass wirklich jeder Zugang zu diesen Daten hat", sagt der Geologe. Die Konsequenz: Er hat seine Profile überarbeitet und zensiert. "Ich habe nichts zu verbergen, aber es war mir zu viel, so öffentlich zu sein." Ein Phänomen, das viele kennen. Kilian hält sich nun lieber bedeckt, wenn es um private Informationen geht.
Goldene Regel: Schnell treffen
Wichtig ist, dass wir das rechte Mittelmaß finden. Klar, sind Online-Netzwerke eine tolle Sache: Man lernt Menschen rund um den Globus kennen, die man womöglich sonst niemals getroffen hätte. Dennoch gilt auch hier: Warten Sie nicht zu lange mit einem persönlichen Treffen. Denn nur auf diesem Weg finden Sie heraus, ob die Chemie stimmt und sich eine Freundschaft, oder sogar mehr, entwickeln kann.
Nora ist inzwischen ausgestiegen. Nach zahlreichen gescheiterten Versuchen über Facebook und MeinVZ nette Männer kennenzulernen, sucht sie nun über ElitePartner.de nach einem Partner. "Das ist nicht ganz so beliebig und ich weiß, dass mein Gegenüber auch auf der Suche nach etwas Festem ist." Sie hat sich vorgenommen, keinen Mann mehr zu googlen, mit dem sie in Kontakt kommt.
Abschließend dazu noch ein passendes Filmzitat aus der amerikanischen Komödie "Er steht einfach nicht auf dich": "Letztens hat einer im Büro auf die Mailbox gesprochen, ich habe ihn zu Hause angerufen und dann hat er mir auf mein Black Berry gemailt und ich hab auf sein Handy eine SMS geschickt und dann hat er mir zurückgemailt, auf meinen Computer zu Hause und das Ganze ist total aus dem Ruder gelaufen und ich weine der Zeit nach als man nur eine Telefonnummer und einen AB hatte mehr nicht. Und weißt du noch, dieser eine AB hat genau ein Kassette gehabt und auf der einen Kassette die es gab hat dir der Typ entweder was hinterlassen oder nicht. Und heute loggt man sich überall ein und checkt lauter verschiedene Portale nur um sich über sieben verschiedene Geräte eine Abfuhr zu holen…das ist anstrengend." Recht hat sie!
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