Den passenden Partner zu finden, ist ähnlich mühsam, wie die Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen. Ein großer Such-Radius kann in dieser Hinsicht natürlich von Vorteil sein. Was ist aber, wenn wir für das erste Treffen quer durch die Republik reisen müssen? Lohnt sich der Aufwand?
Bevor wir uns auf die Suche begeben, sollten wir uns zunächst Gedanken über das "Danach" machen. Liane (41) hatte dies versäumt und befand sich in einem Dilemma, als sie Gerrit (44) kennenlernte, von dem sie 550 Kilometer trennten: "Wir waren beide ortsgebunden, hatten schulpflichtige Kinder, eigene Häuser, gute Jobs. Für eine gemeinsame Zukunft gab es gar keine wirkliche Perspektive." Die Konsequenz: Liane und Gerrit trafen sich lieber erst gar nicht, obwohl sie einen wirklich anregenden E-Mail- und Telefonkontakt hatten.
Vorher an Nachher denken
Single-Coach Lisa Fischbach rät: "Überlegen Sie, welche Konsequenzen ein Wohnortwechsel in Bezug auf Familie, Beruf, Freunde etc. hätte. Sind Sie dazu bereit?" Die romantische Vorstellung, dass Liebe Berge versetzt und sich Möglichkeiten auftun, die vorher nicht gesehen wurden, bewahrheitet sich leider nur selten.
Wie bei jedem ersten Treffen sollten Sie auch ein Date auf Distanz nicht auf die allzu lange Bank schieben – auch wenn die Planung und Umsetzung ein wenig mehr Zeit in Anspruch nimmt. Schließlich ist es ein kleiner Trip – mit Anreise und oftmals auch Übernachtung. Das ist natürlich aufwendiger als eine Verabredung auf ein Glas Wein nach der Arbeit. Lisa Fischbach: "Tauschen Sie sich im Vorfeld intensiv über E-Mail und Telefon aus. Wer über moderne Medien verfügt, sollte sich zum Video-Chatten via Webcam verabreden. So kann man sich recht gut einen ersten Eindruck verschaffen."
Der nächste Knackpunkt: Der geeignete Ort. Entscheidend ist, dass beide mit dem Treffpunkt einverstanden sind. Möglicherweise lässt sich das sogar mit einem Besuch bei Freunden oder Beruflichem verbinden. Vorteil: Oftmals ergeben sich hieraus neuer Gesprächsstoff und interessante Verknüpfungsmöglichkeiten, die zunächst nicht offensichtlich waren.
Schritt für Schritt die Distanz verringern
Natürlich fliegt kaum jemand nur für einen Kaffee von Hamburg nach München. Deshalb planen Distanz-Dater oft etwas mehr Zeit und Programmpunkte ein. Achtung: "Überfrachten Sie das Treffen nicht mit Aktivitäten und Erwartungen", warnt Lisa Fischbach. Besser: "Planen Sie ein 'Schritt für Schritt'-Programm, aus dem man jederzeit aussteigen kann, wenn sich herausstellt, dass es gemeinsam nicht funktioniert." Wer jedoch etwas längeren Vorlauf hatte, der hat auch bei fehlendem Funkenflug oft noch genügend gemeinsame Interessen und Anknüpfungspunkte entdeckt und somit eine Basis für ein nettes Miteinander geschaffen. Lisa Fischbach: "Das Wissen auf beiden Seiten um die herausfordernde Situation lässt verantwortlicher mit dem Treffen umgehen. Schließlich weiß man um den Einsatz."
Für Catharina (28) aus Kiel war es kein Problem, sich mit Steffen (34) aus Berlin zu treffen. Doch als er sein Wochenendhaus in Mecklenburg als Treffpunkt vorschlug, zögerte sie: "Das war mir zu riskant. Wenn es nicht funkt, komme ich da nicht so schnell wieder heraus." Lieber besuchte sie ihn in Berlin, einer Stadt, die Catharina immer schon mochte. Aber auch die Einladung in seinem Gästezimmer zu übernachten, schlug sie aus. "Das war mir zu viel Druck, in einer gewissen Abhängigkeit zu sein." Catharina nahm sich trotz knappen Budgets lieber ein Hotel, um unabhängig zu bleiben.
Apropos Kosten: Paarberaterin Lisa Fischbach rät, schon im Vorfeld offen darüber zu sprechen und nach einer gleich verteilten Lösung zu suchen: "Möglich ist, dass sich einer um die Logistik kümmert und der andere die Kosten für Restaurantbesuche, Eintritte und Ähnliches übernimmt. Verhandlungen über die Kostenaufteilung sind zudem eine schöne Probe, wie mit diesem Thema umgegangen wird." Im schlechtesten Fall hat sich das Treffen dann schon erledigt.
Große Distanz und große Erwartungen
Grundsätzlich gilt: Die Erwartungen steigen unbewusst mit dem Aufwand und den Investitionen. Auch die Enttäuschungen sind größer, wenn es nach all den intensiven Vorbereitungen nicht klappt. Überlegen Sie, wie Sie im Fall eines fehlenden Funkenflugs reagieren: Lohnt sich die gemeinsam verbrachte Zeit vielleicht trotzdem, weil es eben genügend gemeinsame Interessen gibt, obwohl mein Gegenüber meinen Vorstellungen nicht entspricht? Weiterer Vorteil: So gebe ich mir selbst die Chance, im weiteren Verlauf einen zweiten Eindruck zu bekommen und womöglich verborgene Eigenschaften zu entdecken.
Ist der andere Ihnen allerdings derart unsympathisch, sollten Sie so konsequent und mutig sein, das Treffen zu beenden. Das ist zwar bitter, aber immerhin besser, als sich noch länger mit einander abzumühen. Das kann zur Tortur werden. Doch auch bei Distanz-Dates kann es gleich zu Beginn ordentlich funken. So wie bei Catharina und Steffen. Ihr Hotelzimmer blieb nämlich unbenutzt und bereits nach kurzer Zeit zog sie zu ihm nach Berlin, wo sie inzwischen gemeinsam glücklich sind.
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