"Briefe an Julia" heißt eine leichte Romanze, die derzeit in den Kinos läuft. Darin geht es um ein junges Paar, das aus den USA ins italienische Verona reist. Während der Verlobte sich zunehmend für die italienische Küche begeistert, langweilt sich die New Yorker Journalistin Sophie immer mehr.
Bis sie "Julias Sekretärinnen" entdeckt, die die Briefe an Julia beantworten, die täglich in Verona eintreffen. Ja, die Julia, die von Romeo ist gemeint. Mehr als ein Dutzend ehrenamtlicher Sekretärinnen beantworten 5.000 Briefe und 2.000 E-Mails aus aller Welt. Sie alle gehören zum "Club di Giulietta", den Giulio Tamassia Mitte der Siebzigerjahre als Freundeskreis für Kulturinteressierte der Stadt Verona gründete. Irgendwann übernahm der Verein auch die Beantwortung der Julia-Briefe.
Der erste Brief kam irgendwann in den 1930ern an. Er war schlicht an "Julia, Verona" adressiert und man vermutet, George Cukors Shakespeare-Verfilmung habe damals den Anlass gegeben. Irgendwie gelang der Brief an Julias angebliches Grab, einer Gruft in einem Kloster vor der Stadt. Ein Weltkriegsveteran, der dort als Wächter arbeitete, fand ihn und da er Englisch konnte, schrieb er eine Antwort. Nach dem Krieg beantwortete zeitweise ein veroneser Poet die Briefe.
Neben den Briefen und E-Mails gibt es noch mehrere Tausend Zettel, die an Julias Haus und ihrem Grab zurückgelassen werden. Die meisten übrigens von Frauen geschrieben. Viele stammen von amerikanischen Teenager-Mädchen, doch tatsächlich kommen sie aus aller Welt. Fast alle Briefe sind per Hand geschrieben und so werden sie auch beantwortet.
Natürlich geht es um Liebe und Liebesleid. Vieles ist romantisch und herzzerreißend, manches regelrecht belastend. Dafür steht den Sekretärinnen dann psychologische Hilfe zur Verfügung, die sie gelegentlich auch in Anspruch nehmen. Der Lohn der unbezahlten Arbeit ist das unglaubliche Gefühl, am Leben und Lieben vieler Menschen Teil zu haben und ihnen Hoffnung, Mut und Trost zu geben.
Denn ansonsten ist das Geld immer knapp. Zwar übernimmt die Stadt eigentlich die Portokosten, doch das reicht meist nicht aus und so buhlt der Verein ständig um Sponsoren. Die dürften sich nach dem Film bestimmt um einiges leichter finden lassen. Wobei auch zu vermuten ist, dass die Flut der Briefe nach dem Film um ein Vielfaches ansteigt.