Stress, emotionale Probleme, Druck: Immer mehr Frauen werden seelisch krank.
Immer häufiger erleben wir in der heutigen schnelllebigen und stressigen Zeit, dass Frauen Mitte 30 an einem Burn-out-Syndrom erkranken. Früher hörte man das Wort Burn-out-Syndrom ausschließlich im Zusammenhang mit Managern oder Top-Entscheidern. Mittlerweile zeigen Untersuchungen, dass es zudem auch ein Einsamkeits-Burn-out gibt.
Zahlreiche Frauen verbrauchen enorme Energie für ihren Beruf. Dazu kommt, dass sie keinen Partner, sprich keine Stütze für ihr privates soziales Leben haben. Immer wieder erleben sie die Enttäuschung, dass eine neue Beziehung nach zwei bis vier Monaten in die Brüche geht.
Diese Frauen haben in ihrem Leben schon viel erreicht. Sie haben eine gute Ausbildung genossen, sind oft in Führungspositionen tätig und verdienen gutes Geld. Aber wie sieht es im Privaten aus? Auch da sind sie für sich ganz alleine verantwortlich, haben niemanden, der ihnen die fehlende Nähe und Liebe gibt, und das macht auf die Dauer krank. Diese Frauen quälen die folgenden Gedanken: Werde ich mich je wieder verlieben? Bin ich alleine für meine Altersvorsorge zuständig? Mit wem kann ich meine Probleme besprechen? Werde ich je heiraten? Werde ich je Kinder haben? Oder werde ich alle Feiertage und Urlaube alleine verbringen müssen? Diese Fragen stellen sich auch geschiedene oder bei verwitwete Frauen. Sie vereinsamen ohne soziales Umfeld und sind getrieben von dem Gedanken, dass diese Situation sich eventuell für den Rest ihres Lebens nicht ändert.
Eine meiner Klientinnen, auf die diese Punkte zutreffen, berichtete mir: "Ich bin lange herumgerannt, habe mich mit Arbeit und Sport abgelenkt, um nie das Gefühl der Einsamkeit zu fühlen. Ich hatte einen großen Freundeskreis und permanent klingelte mein Telefon. Manchmal hatte ich bis zu 15 Anrufe pro Abend. Ich fühlte mich sicher und geliebt. Ich rannte ständig von einer Party zur anderen und von Abendessen zu Abendessen. Doch plötzlich, ohne Vorbereitung, fühlte ich mich ausgebrannt. Meine Freunde interessierten mich nicht mehr, ich war nicht mehr in der Lage zu arbeiten. Nachts litt ich unter Panik, Schlaflosigkeit und ständigen Migräneanfällen. Nach einer Woche ging ich zu meinem Hausarzt, der mich sofort in eine psychosomatische Klinik überwies. Dort diagnostizierte man ein Burn-out-Syndrom, hervorgerufen durch emotionale Einsamkeit."
Dieses Beispiel zeigt ganz deutlich, dass wir nicht zum Alleinsein geboren sind und dass die Emanzipation der Frauen nicht nur positive Auswirkungen für uns Frauen hat.