Die Liebe braucht nicht viele Worte. Doch warum ist es dann so schwer, die richtigen zu finden - in Phasen größter Verliebtheit? Noch komplizierter wird es, wenn wir unseren eigenen Kulturraum verlassen - was angesichts der fortschreitenden Globalisierung nicht mehr ungewöhnlich ist.
Die britische Autorin und Sprachwissenschaftlerin Erin McKean hat sich auf die Suche gemacht, wie die Welt sich die Liebe erklärt. Das Resultat: Ein amüsantes und kurzweiliges Buch.
So beschreibt die Welt die Liebe
Franzosen beispielsweise empfinden das Sich-Verlieben als übermächtige Naturgewalt und übersetzen es wörtlich als Blitzschlag: "Un coup de foudre". Ganz ähnlich drücken auch die Italiener dies aus. Während die Niederländer "als een blok vor iemand vallen", was so viel heißt: Sich in jemanden – wie ein Klotz – zu verlieben.
Wenn zwei Japaner einander so gern mögen, dass die bloße Präsenz des anderen sie erröten lässt, dann steigern sie die Temperatur ("netsu wo ageru"). Schwarze Amerikaner haben "die Nase offen" ("get one's nose open") und den Russen ist der Geist derart vernebelt, dass sie "Frieden und Verstand verlieren", wenn sie jemanden lieben ("ya poteryal i rassudok").
Auch bei der Liebeswerbung benutzen die Nationen unterschiedliche Metaphern: Wenn ein Portugiese sich zu verlieben droht, benutzt er den Warnruf "ein Mohr ist vor der Küste". Dieser seltsame Ausdruck entspringt einer iberischen Geschichte: 711 n. Chr. landeten die Mauren in Portugal und veränderten das Leben der Menschen grundlegend. Läuft jemand Gefahr, sich zu verlieben, so ruft er aus: "ha un muro na costa." Die spanischen Nachbarn brennen bei lebendigem Leib "abrasarse vivo" und die Griechen wollen ihr Gegenüber essen "tha se fao".
Merkwürdige Kosenamen
Eine Welt für sich ist auch die Benutzung von Kosenamen: Perser nennen ihre Liebsten gern "khordani", was so viel wie ganz besonders lecker heißt. Auch "hooloo" (= Pfirsich) nennen sich persische Turteltäubchen gern. Schweden bezeichnen einander als "min lilla sockertopp", meine kleine Zuckerspitze. Weniger kulinarisch geht es bei den Argentiniern zu: Sie nennen ihren Schatz "el filito" oder "la filita", was kleines Messer bedeutet. Für die Chilenen ist es die Hummel – el/la pololo/-a. Und die Amis nennen ihren Liebling bisweilen "Schnickelfritz", was sich wahrscheinlich von dem deutschen Dialektwort "Schnickel" ableitet, was "kleiner Jungenpenis" bedeutet. Eine unterhaltsame Lektüre für Verliebte, aber auch ein hübsches Geschenk zur Hochzeit.
Ein Buch, das von der Liebe zur Sprache lebt und die Sprache der Liebe einmal rund um den Globus nachzeichnet. Die weltweite Sprache der Liebe ist komisch oder berührend, erstaunlich oder wohl vertraut, dabei unterhaltsam und inspirierend.
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