Ein Sonntags-Ausflug mit der ganzen Familie. Vater, Mutter, die kleine Schwester und die Ich-Erzählerin. Es ist heiß, man geht in den Zoo, obwohl ein Besuch im Schwimmbad angebrachter wäre bei dem Wetter. Der Vater hält peinliche Vorträge, die der kleinen Schwester Luisa Angst machen.
Das Eis tropft, die Kinder schwitzen, die Eltern halten tapfer durch. Dann geht es doch endlich ins Schwimmbad. Dort werden sie Zeugen, wie zwei freche Jungs ihren grausamen Spaß mit ein paar Käfern treiben. Sie traktieren sie mit Stöcken und Luisa findet das alles andere als lustig. Überhaupt ist Luisa das Naturkind der Familie. Erst kürzlich verursachte sie einen Unfall mit Blechschaden, als sie einer "ganz tollen grünen Libelle" zu lange nachgesehen hatte und die Kontrolle über ihr Fahrrad verlor. Wohl deshalb besteht sie auch darauf, die von den grausamen Jungen zu Tode gequälten Käfer angemessen zu beerdigen.
Die Ich-Erzählerin hat einen besonderen Blick für das Kleine und Feine und die Details der Natur um sie herum. So beschreibt sie die Wespen, die sie umsurren und ihre Angst vor einer Allergie. Während sie sich in diesen Gedanken verliert und die Eltern mit sich selbst beschäftigt sind, fällt ihr gar nicht auf, dass die kleine Schwester plötzlich verschwunden ist.
Mit einem Mal hat das sonntägliche Nichtstun ein jähes Ende. Zunächst macht sie sich nicht sonderlich beunruhigt auf die Suche. Der Vater treibt geschmacklose Spielchen im Becken, indem er Toter Mann spielt, was weder die Ich-Erzählerin, noch die anderen Badegäste im Mindesten amüsant finden.
Horror im Schwimmbad
Im Kinderbecken ist Luisa nicht zu entdecken. Also bleibt nur noch das tiefe Becken mit der Rutsche. Aber dort ist niemand, das Becken selbst ist leer, doch drum herum haben sich zahlreiche Schaulustige versammelt, die ihr die Sicht versperren. Natürlich liegt es nahe, dass sie zunächst vermutet, es könne etwas mit Luisa passiert sein. Oder vielleicht doch etwas mit dem Vater! Denn gleichzeitig rast schon der Rettungswagen heran.
Doch sie schafft es nicht bis nach vorn, denn die Mutter, eben noch schlafend mit dem Arztroman auf der Badematte, hält sie zurück. Entwarnung: Mit Vater und Schwester ist alles in Ordnung. Also muss sich jemand anderes hinter dem Badeunfall verbergen. Und tatsächlich: Es ist einer der Jungen, die noch wenige Augenblicke zuvor die Käfer gequält hatten. Und er atmet nicht mehr.
Die Familie steht unter Schock als sie ihre Sachen zusammenpackt, während die Polizei ermittelt. Dem Vater ist sein kindisches Verhalten peinlich, doch man versichert ihm, dass er nichts dafür könne. Aber ist die Familie wirklich so unschuldig? Beim Verlassen des Schwimmbades ist die Ich-Erzählerin sich nicht mehr so sicher, denn plötzlich erscheint ihr Luisas Liebe zu den Käfern in ganz anderem Licht.
Myriam Keil, Jahrgang 1978, hat ein kleines Bändchen vorgelegt, in der sie ihre erzählerischen Fähigkeiten unter Beweis stellt. Sie hat bereits einige Auszeichnungen und Preise gewonnen und diese absolut verdient. Man darf gespannt sein auf ein längeres Werk dieser jungen Autorin.
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