Alle vier Jahre wieder. Am 27. 09. 2009 wird zum 17. Mal der Deutsche Bundestag gewählt. Politik ist zu trocken, zu weit weg? Die Autoren Holger Ucher und Christoph Reichen gewähren mit "Querfeldein - ein langer Tag, ein neuer Weg" einen ganz speziellen Einblick ins weite Feld der Bundestagspolitik.
Darum geht's
Man muss nicht selbst politisch aktiv sein, um sich schnell in die Geschichte einlesen zu können: Thomas Koopmann, ein engagierter Politiker aus dem Kreis Viersen, hat es geschafft: Über sein Mandat im Düsseldorfer Landtag hat er es letztendlich bis nach Berlin in den Bundestag gebracht. Sogar von einer Kanzlerkandidatur ist die Rede. Der verdiente Lohn für harte Arbeit, Entbehrungen und einer großen Portion Stress und Verantwortung. Die Kehrseite der Medaille – unter der auch sein Privatleben leiden muss, denn seine Familie muss definitiv zurückstecken und sich mit dem ungeliebten Platz der zweiten Geige zufrieden geben.
Beruflich läuft alles in geordneten Bahnen bis Koopmann von seiner Vergangenheit eingeholt wird. Früh morgens. Ohne Vorwarnung. Ohne Rückendeckung. Ein Müllskandal aus seiner Zeit als Kommunalpolitiker kommt ans Tageslicht und bringt dabei nicht nur ihn und seine Karriere ins Wanken, sondern lässt ihn auch über sein bisheriges Weltbild nachdenken. Doch nicht nur in seiner Laufbahn als Politiker muss er einen herben Rückschlag verkraften, auch in seinem privaten Umfeld kriselt es heftig. Sein Sohn fliegt vom Internat, seine Frau zieht sich immer mehr von ihm zurück. Ein Kartenhaus, das langsam aber sicher in sich zusammenfällt. Auf der Flucht vor sich selbst trifft Koopmann die unterschiedlichsten Menschen und erkennt, dass auch andere mit Problemen und Schicksalsschlägen zu kämpfen haben. Unter anderem begegnet er Saskia, einer Mitarbeiterin der Hilfsorganisation "Querfeldein". Kann das Zufall sein? Oder Schicksal? Grund genug für eine Neuordnung seines auf den Fugen geratenen Lebens, das nicht mehr schön stringent geradeaus verläuft, sondern von ihm verlangt, seine eingetretenen Pfade zu verlassen und sich "querfeldein" durchzuschlagen.
Alles nur Fiktion?
"Querfeldein" – nur eine Geschichte fernab der Realität und des politischen Alltags? Weit gefehlt. Nicht umsonst hat das Autoren-Duo, das erstmalig zusammen gearbeitet hat, mehr als 1550 Tage für die Fertigstellung des Buches gebraucht. Das erklärte Ziel: Eine Geschichte so authentisch wie möglich zu entwickeln.
Spitze Zungen mögen behaupten, dass es nicht allzu aufwendig und schwierig sein dürfte, aus politischen Fehltritten einen Roman zu stricken. Schließlich sind Polit-Skandale mehr als häufig in den tagesaktuellen Medien präsent. Dennoch haben Ucher und Reichen demokratisch unter Freunden und Bekannten abstimmen lassen: Visa-Betrug, Menschenhandel, Müllskandal?
Ein weiterer Aspekt, der die Authentizität unterstreicht: CDU-Bundestagsabgeordneter Uwe Schummer konnte von den beiden Jungautoren für das Vorwort gewonnen werden. Wie die Romanfigur, ist er vom Niederrhein nach Berlin in den Bundestag gegangen. Allerdings skandalfrei. Doch er weiß, was es heißt, Vollblut-Politiker zu sein. Und er weiß auch, dass Familie und Freunde ein kostbares Gut sind, das es zu pflegen gilt. Politik ist seiner Meinung nach ein Haifischbecken – in dem die Romanfigur Koopmann unterzugehen droht.
Fazit
"Querfeldein" ist eine originelle, spannende Geschichte, die zwar sicherlich das ein oder andere Klischee bedient, aber dennoch auch einen hohen Bezug zur Realität aufweist. Es bietet einen umfassenden Einblick in die Tätigkeit eines Bundestagsabgeordneten, was vor allem jetzt – so kurz vor der Bundestagswahl – von großem Interesse sein dürfte. Vorteil für all diejenigen, denen das Lesen nicht so leicht fällt: Mit 144 Seiten ist das Buch verhältnismäßig dünn.
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