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Kategorie | Fräulein Wunder wundert sich über die Liebe


Bratkartoffelverhältnisse – der große Appetit auf Zweckbeziehungen
Bratkartoffelverhältnisse – der große Appetit auf Zweckbeziehungen (Kategorie: Fräulein Wunder wundert sich über die Liebe)
Es gab schon immer attraktivere Argumente für eine Beziehung als Liebe: Regelmäßig warme Mahlzeiten in der Nachkriegszeit zum Beispiel. Und heute?

Mein bester Freund Kalle-Hase wechselt seine Freundinnen ja am liebsten warm. Das ist wörtlich zu nehmen: Dem Bettlaken ist kaum die Körperwärme der Geradenochfreundin entwichen, schon teilt er seine Matratze mit der nächsten. Welches Motiv mag wohl hinter dem horizontalen Austauschmanöver stecken, frage ich mich.
Silvester stieß ich noch mit Kalles Freundin namens Karina an. Gestern stieß ich mit seiner neuen Freundin Maja zusammen. Ohne zu wissen, dass Kalle zwischendurch überhaupt Single war. Irgendwann zwischen Silvesterraketen und Neujahrskater hatte Karina unseren Kalle abgeschossen. Und seitdem sind immerhin schon fast zwei Wochen vergangen! Verliebt sich Kalle wirklich so schnell? Oder was treibt ihn im Zeitraffer in die Arme einer beliebigen anderen?

Der Zeitgeist bestimmt offenbar die Motive, sich auch ohne brennend empfundene Liebe in eine wenigstens lauwarme Liebelei zu stürzen. Von meiner Oma kenne ich noch den Begriff „Bratkartoffelverhältnis“. Kurz nach dem Krieg genügte der Duft brutzelnder Erdäpfel in der Pfanne vielen Männer als Grund, eine Beziehung einzugehen. Attraktiv war das, was auf dem Herd stand, eher egal war, wer vor dem Herd stand. Wo das Feuer der Leidenschaft fehlte, wärmte die Zweckgemeinschaft in erster Linie den Magen. Und nebenbei dann eben auch irgendwie das Herz.
Heute verspricht der warme Wechsel ebenfalls flauschigen Ersatz für die plötzlich fehlende Nestwärme. Egal, welches Vögelchen das Baumhaus zeitweilig mit einem teilt, die Hauptsache ist doch, dass da jemand Zweites herumzwitschert. Und manchmal entsteht aus solch einer WG dann eben auch eine Brutstätte mit Gelege.
 
Doch ich frage mich: Wie müssen sich die Majas dieser Welt fühlen? Die unwissentlich in längst ausgestorben geglaubten Bratkartoffelverhältnissen vor sich hin schmoren, der Überzeugung erlegen, „die Eine“ für ihren neuen Freund zu sein? Meist ereilt die Majas das Schicksal der Übergangsfreundin. Sie werden verheizt, bis die Beziehung merklich abkühlt. Was selten lange dauert. Denn niemand, der nur wegen Bratkartoffeln in einer Beziehung steckt, verspürt langfristig Appetit auf Hausmannskost.
Warum nur ist es für Männer wie Kalle-Hase so schwierig, sich eine kleine Damen-Diät aufzuerlegen? Ich bin mir sicher, dass es nicht schaden kann, für eine Weile den prall gefüllten Singlemarkt zu meiden. Wer bereit ist zu warten, stolpert nicht in die schnell verfügbaren Fast-Food-Fallen. Auf den wartet mit etwas Glück das Sterne-Menü. Ein seltener Genuss, der nicht an jeder Straßenecke mit dem aufdringlichen Geruch von billigem Fett lockt, sondern auf den es sich zu warten lohnt.

Ich denke, es ist an der Zeit, Kalle-Hase bei unserem allwöchentlichen Kochabend zu seinem Konsumverhalten in Bezug auf Frauen zu befragen. Bratkartoffeln werde ich wohl eher nicht servieren. Die hat er ja schon jeden Tag zu Hause…

Was halten Sie von den modernen Zweckbeziehungen? Und neigen Männer Ihrer Erfahrung nach eher dazu als Frauen?

Ich bin gespannt auf Ihre Meinung!

Ihr Fräulein Wunder



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