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Kategorie | Fräulein Wunder wundert sich über die Liebe


Biologische Uhr? Tickende Zeitbombe!
Biologische Uhr? Tickende Zeitbombe! (Kategorie: Fräulein Wunder wundert sich über die Liebe)
Plopp. Plopp, plopp. Ploppploppplopp. Momentan schießen die Babymeldungen nur so aus dem Boden der Tatsachen. An meinem 35. Geburtstag gehe ich mit dem Gedanken schwanger: Muss ich mich jetzt schon entscheiden?

„Den Sekt habe ich gerade kaltgestellt!“, sagte ich zu meiner Freundin Vanessa am Telefon, einer lieben Studienfreundin, die ich für ein gemeinsames Mädelswochenende erwartete. Und horchte angestrengt. Ob sie so was sagt wie: „Ich mache gerade eine Alkoholpause.“ Oder „Ich vertrage momentan keine Kohlensäure.“ Oder „… Ich muss dir da noch was erzählen.“ Ich bin darauf eingestellt, dass das Reizwort „Sekt“ eine gewisse Reaktion auslöst.

Zu oft haben mich in letzter Zeit Momente wie diese eiskalt erwischt. Meine Freundinnen werden Mutter. Ich werde stattdessen wahrscheinlich Alkoholikerin, weil ich den Sekt nun ganz alleine trinken muss. Wenn eine Freundin in ihrer Handtasche wühlt, ahne ich schon, dass sie mir eine Neuigkeit aus den Tiefen ihres Uterus präsentieren möchte. Und mir als nächstes wortlos strahlend den Mutterpass überreicht. Mittlerweile kenne ich schon die unterschiedlichen Designs der Standardschutzhüllen und erkenne auch ohne den Markierungskringel den Erdnussflip aus dem Universum Fruchtblase. Ich weiß mittlerweile, dass die kleinen Nachkömmlinge meiner Freundinnen je nach Schwangerschaftswoche entweder 7 oder 20 cm messen, wenn sie gerade wieder vom Ultraschall kommen. Und ich muss Ihnen ehrlich gestehen: Unsere früheren Gespräche über entscheidende Zentimeter (die in der Hose unserer aktuellen Liebhaber nämlich) waren mir lieber. Als gute Freundin jedoch lausche ich den Berichten über Übelkeit wegen eines Hormoncocktails statt eines Cocktailrausches, über Ölmassagen gegen Schwangerschaftsstreifen statt über den süßen Lomi Lomi-Masseur und staune, dass die 1.000 Euro Vergnügungsbudget jetzt in einen ultrawendigen Kinderwagen statt in den Kleiderschrank fließen.

Heute feiere ich meinen 35. Ein runder Geburtstag. Nicht der Zahl wegen, vielmehr ist der Ausdruck dem Leibesumfang meiner Freundinnen geschuldet, die sich am Nachmittag wahrscheinlich Maracujasaftschorle schlürfend und je nach Bauchausmaß die geschwollenen Beine hochlagernd über ihr neues Leben austauschen werden. Über die neue Schwangerschafts-App, die anzeigt, in welcher Woche welches Wehwehchen lauert. Über den besten Weg zur sanften Geburt, den schnellsten Weg zum Krankenhaus und den steinigen Weg, sich die alte Figur à la Heidi Klum schnellstmöglich zurückzuerhungern. Ich werde dazwischen sitzen und mich um das Wohl der Schwangeren kümmern. Noch ein Kissen? Möchtest du noch was trinken? Lass das Geschenk stehen, du darfst doch nicht schwer heben!
Wie ein emsiges Bienchen werde ich um sie herumschwirren, was sehr besorgt wirken könnte, aber eigentlich nur einem Zweck dient – den lästigen Fragen möglichst weiträumig auszuweichen. Sie klingen mir schon bedrohlich im Ohr, vorsorglich versehen mit einem Augenzwinkern: „Und? Wann legst du los? Wir wollen Johann-Karl-Otto schließlich mit deiner ungeborenen Tochter verheiraten.“ Hossa.

Ich hätte da einen Geburtstagswunsch. Ausnahmsweise hat der was mit Zahlen zu tun. Ich wünsche mir eine 2. Vorne im Alter. Wahlweise auch eine 8 im Geburtsjahr, an dritter Stelle. Oder eine kleine Frischzellenkur für die körpereigene Babystation. Und könnte mal jemand dieses lästige Ticken abstellen? Es könnte die biologische Uhr sein, aber auch eine tickende Zeitbombe. Was in meiner Situation eigentlich aufs Gleiche rauskommt. Aber nein! Es kommt aus dem Päckchen, das vor mir steht! Die sündhaft teure Uhr hat es doch tatsächlich von meiner Wunschliste an mein Handgelenk geschafft. Was kein Wunder ist, weil ich sie mir selbst geschenkt habe und mein Vergnügungsbudget zum Juwelier statt in die Baby-Erstausstattung  geflossen ist. Glücklicherweise übertönt sie alle anderen Störgeräusche wie Gespräche von Schwangeren… und ich denk mir: Wenn die biologische Uhr schon so laut ticken muss, dann soll sie verdammt noch mal wenigstens super aussehen!

Ihr Fräulein Wunder



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