Ohne Frage: Abwarten und Tee trinken ist viel einfacher als das Herz in die Hand zu nehmen und den ersten Schritt zu machen. Das mag für viele stimmen, zahlt sich aber meistens nicht aus.
Interessant, beim Einlass in ein angesagtes Popkonzert, in dem es keine nummerierten Plätze gibt, sind wir schnell zur Stelle, nähert sich die Hand des Einlassers nur der Türe. Wir sind die ersten, die eine Lücke entdecken, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Amüsiert bewundere ich immer wieder, wie selbst beim Fliegen der überwiegende Teil der Wartende aufspringt, sobald sich nur die Fluggesellschaftsangestellte dem Mikrofon zum Aufruf nähert. Egal, ob es gleich losgeht oder die Durchsage kommt, dass sich leider der Flug verspätet. Und das Faszinierendste daran ist: Es gibt nicht mal etwas zu gewinnen! Denn seines Platzes kann man sich sicher sein und auch das Bordcase findet mit großer Wahrscheinlichkeit einen Platz. Geht es um Sonderangebote, schnellen sogar bei manchen die Ellenbogen aus, die versuchen, auf diese Weise Mitdrängler in Schach zu halten.
Analysieren wir diese Energie einmal auf den positiven Kern. Die hier Beschriebenen sind dynamisch, wachsam, aktiv und vor allem eins: Motiviert! Sie nutzten Körperspannung und teilweise Mut, um ans Ziel zu kommen. Wobei mir das Ziel in manchen Fällen fraglich erscheint. Wagen wir einen radikalen Schwenk: Was ist der Grund, warum diese Entschlossenheit einigen bei der Partnersuche zu großen Teilen verloren geht? Sich sogar ins Negative umkehrt und sich in geduldiger Warterei mit verschränkten Armen äußert? Bei zu großer Drängelei in der Kinoschlange, kann es durchaus einen scharfen verbalen Anpfiff hageln. Im schlechtesten Fall sogar einen Schubser als Retourkutsche. Das hält viele aber nicht davon ab.
Und bei der Partnersuche? Richtig. Wenn der andere nicht gleiche Sympathie empfindet wie man selber, kann es einen Korb in Form einer Absage geben. Oder einfach gar nichts, nur ein Schweigen im Walde. Das sind beides keine angenehmen Reaktionen und sie können einem schon ab und an in den Eingeweiden zwiebeln. Schließlich hatte man das Gefühl, es könnte ideal passen. Nur zum „Ideal passen“ gehören zwei. Ich bin mir sicher, dass jeder schon einmal selbst in der Situation war, eine Anfrage, einen Flirt oder Avancen nicht erwidern zu wollen. Das ist doch gerade beim Erstkontakt kein Beinbruch. Hier geht es ausschließlich um ein ausgedehntes Hallo, ein Anklopfen oder ein „Hier bin ich und ich wollte mal schauen, wer du so bist“. Man kann einfach nicht Everybody’s Darling sein. Würde ja umgekehrt heißen: Man könnte jeden nehmen und wäre schon längst in Partnerschaft. Also: Gleiches Recht für beide.
Frauen mögen es, wenn Männer den ersten Schritt machen. Klar, das ist ohne Risiko für die Frauen, weil sich die Männer ins Zeug legen müssen und sich die Finger verbrennen, falls es nicht passt. Ohne zu viel zu verraten: Viele Männer lieben diese Rolle nicht und freuen sich, wenn Frau mal mutiger ist und den ersten Schritt wagt. Danach haben es Männer natürlich gerne, wenn sie wieder etwas mehr das Ruder in die Hand nehmen können. Also: Gleichberechtigung mal anders!