Gerade las ich ein Buch des indischen Autors Vikram Seth namens "Eine gute Partie". Darin geht es unter Anderem um arrangierte Ehen in Indien der Fünfziger Jahre und darum, wie beherzte Frauen sich dagegen auflehnen.
Mal ganz abgesehen davon, dass allein der Begriff "arrangierte Ehe" den meisten Frauen die Haare zu Berge stehen lässt – Zwangsheiraten gehen natürlich gar nicht, die gegen den Willen der Betroffenen entstehen. Aber: Überlegen Sie doch einmal, welche Kriterien Sie bei der Partnerwahl tatsächlich anlegen. Wäre es beispielsweise denkbar, dass Sie einen Mann oder eine Frau in Betracht ziehen würden, der oder die ziemlich weit von Ihrem sozialen oder bildungsmäßigen Niveau liegt? Oder jemanden aus einem völlig anderen Kulturkreis? Wie viel Gehör schenken Sie nahe stehenden Freunden oder Verwandten, in Bezug auf das Urteil bezüglich des potenziellen Partners?
Natürlich ist es leicht zu sagen, das habe mit arrangierten Ehen nichts zu tun, aber nichts ist so Schwarz-Weiß, wie es im ersten Moment scheint. Beispielsweise kenne ich nämlich auch ein indisches Paar, beide jenseits der sechzig, die tatsächlich von ihren Eltern verheiratet wurden, ohne einander zuvor wirklich gekannt zu haben. Die beiden leben inzwischen seit über zwanzig Jahren in Deutschland und sind eines der harmonischsten Paare, die ich je getroffen habe. Sie beteuern, einander zu lieben und sind ihren Eltern sogar dankbar, dass sie so eine gute Wahl getroffen haben. Ihr Sohn hat übrigens aus Liebe eine Deutsche geheiratet, die seine Eltern nicht für ihn ausgesucht haben. Aber ihr Urteil über die Zukünftige war ihm vor der Hochzeit schon wichtig.
Auch die Eltern einer Freundin wurden mehr oder weniger dazu genötigt, zu heiraten. Dauernd hieß es, die beiden passten so gut zusammen. Und in den spießigen 60er Jahren kamen sie dann in Ermangelung eines jeweils besseren Kandidaten schließlich zusammen. Und tatsächlich sind sie bis heute glücklich und feiern im nächsten Jahr ihren 45. Hochzeitstag. Keine Sorge, das wird hier selbstverständlich kein Plädoyer für arrangierte Ehen. Aber vielleicht ein Denkanstoß, dass Familie und Freunde uns schließlich ziemlich gut kennen und womöglich einen guten Impuls geben könnten, wenn es darum geht herauszufinden, wer tatsächlich zu uns passen könnte. Das macht die Partnersuche mit ein bisschen Glück sogar noch harmonischer.