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Kategorie | Fräulein Wunder wundert sich über die Liebe


Arbeitstitel für das Projekt Partnersuche
Arbeitstitel für das Projekt Partnersuche (Kategorie: Fräulein Wunder wundert sich über die Liebe)
Meine Freunde konnten sich nie die Namen meiner Dates merken. Da musste ich mir was einfallen lassen.

Im Leben eines Singles summieren sich über die Monate oder auch Jahre die Namen der Interessenten, Date-Kandidaten und Beziehungsanwärter. Die Biografien ebenso wie die mehr oder weniger spektakulären Date-Ereignisse. Es verwundert daher nicht, dass ein aktiver Single unbewusst ein ausgeklügeltes System entwickelt, um die Details im Liebesleben nicht nur im Alltag, sondern auch im eigenen Kopf zu organisieren. Ich weiß ja nicht, wie erfolgreich Sie Ihre Dates managen. Ich konnte aber beobachten, dass wir da offenbar alle unsere eigene Strategie haben.

Meine Freundin Tiffy datet sich leidenschaftlich online, auch gerne mal auf unterschiedlichen Portalen. Da gerät gerne schon mal etwas durcheinander, was sie als kleine Perfektionistin aber gar nicht leiden kann. Ich staunte nicht schlecht, als sie mir erzählte, dass sie eine Art Karteikartensystem pflegt. Tatsächlich legt sie für jeden Kandidaten eine Art Setcard an. Foto, Name, Nickname, Kontaktdaten, Dating-Portal, Hobbys, Korrespondenz. Agentur Tiffy. Eigentlich könnte sie die Kandidaten direkt untervermieten – bei der Aufbereitung! Und auch meine Freundin Greta verriet mir, dass sie sich – nicht ganz so professionell, zumindest die wichtigsten Eckdaten notiert. In so einer Art Mindmap kritzelt sie bei ihren Telefonaten rund um den Namen ihres potenziellen Mr. Rights die Telefonnummer, den Beruf, den vorhandenen Kinderwunsch (andernfalls fliegt er eh raus) und jedes interessante Detail auf, das sie ihm entlocken kann. Sie pflegt sie sogar nach den ersten Treffen. Ein bisschen wird daraus immer schon eine Pro- und Kontraliste, die wir unfreiwillig wohl alle im Kopf herumtragen. Half mir aus dem Mantel. Plus. Erzählte von seiner Ex. Minus. Lilly, Kind. Minus, wenn auch ein heimliches.

Ich bin ja eher eine kleine Chaotin. Listen liegen mir fern. Vielleicht schaffe ich es gerade deshalb, die Charaktere, Namen und Nummern zuzuordnen, ein imaginärer Haufen, der genauso funktioniert wie der reale auf meinem Schreibtisch. Nur meine Freunde steigen nicht durch meine Date-Chroniken! Mir fiel zumindest irgendwann auf, dass sie mit den Namen von den Männern, die es noch nicht zur Vorstellungsrunde in den Freundeskreis geschafft hatten, einfach nichts anfangen konnten, weil sie kein Bild zur Person hatten.
„Hat sich der Thomas eigentlich gemeldet?“ „Thorsten, er heißt Thorsten! Thomas war vor einem Jahr.“ Kann sich doch wirklich kein Mensch merken, jedenfalls nicht, wenn man seinen Freunden nicht mehr wie früher ein stündliches Update auf dem Pausenhof geben kann. Viele Mittdreißiger legen jedoch ein ähnliches Datingverhalten wie 15jährige an den Tag – und haben kein Forum dafür. Weil nämlich ebenso viele Mittdreißiger sich nicht sonderlich gut auf das Auseinanderhalten von verschiedenen Dates verstehen – müssen sie sich selbst seit vielen Jahren doch nur noch einen Namen merken.
Das ist sehr ärgerlich, vor allem, wenn einem gerade ein Date-Ereignis auf der Seele brennt und niemand im Thema ist. „Weißt du noch, der Tom?“ Die Reaktion meiner sonst so aufmerksamen Freunde wäre: „Äh – nö…?“

Also ging ich irgendwann dazu über, die Herren nicht mehr nur bei ihrem Namen zu nennen, sondern ihnen gewissermaßen einen einprägsamen Arbeitstitel zu verleihen. Mich inspirieren dabei seine auffälligsten Attribute. Nur mal so als Beispiel: Ich datete jemanden, der mich mit seinen slawischen Gesichtszügen an den Prinzen aus dem tschechischen Märchen „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ erinnerte. Von da an hieß er in meinen Dates-Updates nur noch „der Prinz“. Dann gab es noch „den Nachbarn“ (selbsterklärend), „Miami-Marc“ (weil er sich direkt nach unserem Kennenlernen in den Urlaub verabschiedete), „den 31jährigen“ oder „den Regisseur“. Und wie das so ist: Sobald das Projekt fortgeschritten ist, überführe ich einen Mann vom Arbeitstitel zu seinem wahren Namen. „Du hast ‚den 31jährigen’ gerade zum ersten Mal Daniel genannt!“, freuen sich meine Freunde dann. Sie wissen, dann mag ich ihn wirklich. Diese Ehre wird nicht jedem zuteil. „Stöckchen“ hat es nicht geschafft.

Ihr Fräulein Wunder


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