Bill Clinton hatte dazu eine ganz eigenwillige Meinung. Oder hatte er Recht?
Erinnern Sie sich noch an den Skandal um die Praktikantin im Weißen Haus? Der damalige Präsident Bill Clinton versicherte unter Eid, mit Monica Lewinsky keinen Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Jedenfalls nicht richtig. Schließlich stellte sich heraus, dass es sich um Oralverkehr handelte.
Daraufhin wurde in epischer Breite diskutiert, ab welchem Punkt im Austausch von Zuwendungen man sagen würde, es sei Geschlechtsverkehr. Amerikanische Wissenschaftler sprechen gar vom "Clinton-Lewinsky-Effekt" und meinen, diese Affäre von damals habe die Wahrnehmung von Oralsex in der Gesellschaft verändert.
Aus diesem Grund wurde kürzlich an der Universität von Kentucky eine Umfrage unter 477 Studenten durchgeführt. In dieser sollten sie elf verschiedene Verhalten einordnen, um davon ausgehend herauszufinden, was sie unter "richtigem Sex" verstehen und was nicht. Eindeutig beantworteten fast alle 328 Frauen und 149 Männer, Vaginalverkehr falle in diese Kategorie, knapp 80 Prozent fanden dies ebenfalls bei Analverkehr.
Oralsex zählt nicht
Erstaunlich hingegen das Ergebnis beim Oralverkehr: Lediglich 20 Prozent der befragten Studenten hielten diese Sexualpraktik für richtigen Sex. In den Jahren 1991 und 2001 waren es bei ähnlichen Umfragen immerhin noch doppelt so viele gewesen. Die Autoren der Studie weisen zudem darauf hin, dass die Einschätzungen der Befragten unabhängig von Geschlecht, sozialem Hintergrund oder sexueller Erfahrung seien.
Mit seiner damaligen Aussage hatte Bill Clinton deutlich gemacht, dass Oralverkehr für ihn kein richtiger Sex sei, denn schließlich sei er nicht aktiv gewesen. Er hielt es lediglich für eine Form von Petting. Scheinbar hat sich diese Meinung seither durchgesetzt. Doch der "Clinton-Lewinsky-Effekt" ist laut US-Forschern nicht der alleinige Grund. Einen wesentlichen Beitrag zur Veränderung der Wahrnehmung von Oralverkehr in der Gesellschaft leistet auch die Allgegenwärtigkeit von Sex in den Medien.
So zeigte eine in Deutschland durchgeführte Befragung denn auch ein anderes Bild: Hier gaben 67 Prozent der rund 500 Befragten an, es handele sich auch bei Oralverkehr selbstverständlich um Sex. So stellt sich die Frage, ob auch wir erst einen Clinton und eine Lewinsky brauchen, um zu einer neuen Einschätzung dieses weltbewegenden Themas zu kommen. Vorschläge für potentielle Protagonisten, die dafür in Frage kommen, sind willkommen.
Gut recherierter Beitrag. Ich konnte dabei Neues erfahren und mein Verhalten überprüfen.