Sie ist weg und man ist wieder allein. Allein. Der Verlassene ist das Opferlamm im Trennungsdrama.
Man sitzt plötzlich alleine da und die Einsamkeit starrt einen an. Räume werden leer, Bilder vom Ex lauern überall. Und dann rufen auch noch an und sagen Wörter wie "ihr" und "euch" und man muss anfangen es all seinen Freunden zu sagen. Es tut weh.
Strategien gibt es jetzt viele. Ich könnte gute Tipps geben wie: Die Bilder wegzuwerfen. Skandinavischen Jazz hören. Sehr populär in Ratgebern ist immer das Treffen mit Freunden, das Reden über das ganze und der symbolische Akt der Trennung durch das entfernen von irgendwas Wichtigem. Der Haare. Der Kleidung. Dem Wohnort. Aus der Praxis kennt man da schon handfestere Tipps. Meine Freunde schworen immer auf Alkohol und One Night Stands. Weinen. Auch ein Klassiker. Sich seinen Gefühlen stellen. Schreien. Feiern. Sport treiben. Rache üben. Sich neu verlieben. Umziehen. Reisen. Frisur ändern. Kleider verbrennen. Bücher. Opern. Naturheilkunde. Steine. Mineralien. Tierzeichen. Liebesromane. Tragödien.
Eigentlich alles Blödsinn. Man muss halt irgendwas tun. Weil man weiß, dass nichts tun auch nicht hilft.
Es dauert. Man kann sich da vielleicht helfen, aber es dauert halt. Es braucht Zeit.
Mein einziger Rat ist, es nicht zu verleumden. Sich dabei auch nicht schwach zu fühlen. Ohnehin nicht krank zu fühlen. Niemals glauben, es werde nicht enden. Man muss das durchmachen.
Es ist halt traurig allein zu sein. Erstmal. Irgendwann dann…ist es plötzlich wieder in Ordnung.
Na ja, leichter gesagt als getan. Zu meiner ersten sehr schmerzhafte Trennung hat damals einer meiner besten Lehrer gesagt: "Das wird dir noch 3mal passieren, dann tuts nicht mehr weh". Und er hatte recht, heute im meinem 51. Lebensjahr und nach meiner x-ten Trennung tut’s wirklich nicht mehr weh. Aber dazu musste ich wirklich 30 Jahre warten. Also meine drei Tipps zu diesem Thema: Geduld, Geduld und abermals Geduld.
Was aber, wenn sich das "Opfer" gar nicht als Opfer fühlen kann, vielmehr in einem Gefühlschaos sitzt und nicht mehr weiß, wo oben und unten ist? Und was nutzt dann die reichlich vorhandene Geduld, wenn man nicht anfangen kann, sich in ihr zu üben, um über den Trennungsschmerz hinwegzukommen?
Mir selbst macht das Problem zu schaffen, keine Erklärung für das Sich-von-mir-trennen-müssen seitens des Ex-Partners erhalten zu haben. Statt dessen kam anschließend per Mail: "…es geht mir auch nicht so gut mit meiner entscheidung…jetzt wo ich sie getroffen habe zweifel ich wieder…es ist ja nicht so, dass du mir nichts bedeutest… …es kann sein, dass es wirklich die erkenntnis (unbewusst) war, das für eine richtige "zukunftsorientierte" liebe ein teil der chemie halt doch nicht stimmt…genauso kann es sein, dass ich mir ersteres einbilde, weil ich angst vor dem "mehr" habe…davor mich ganz und gar einzulassen