Lohnen sich Affären? Funktionieren Dreiecksbeziehungen? Und wann sollte man die Reißleine ziehen?
Lohnen sich Affären oder ist das Risiko viel zu groß? Wann sollte man die Reißleine ziehen und wie erkenne ich, dass ich getäuscht wurde? Oft hatte ich ein ungutes Gefühl, wie die Liebesgeschichte einer Bekannten ausgehen würde. Leider wurde meine Skepsis bestätigt.
Die Bekannte hatte sich vor anderthalb Jahren in einen 12 Jahre älteren Mann verliebt, der seit fünf Jahren in einer Beziehung lebte. Zweifel und Hoffnungen habe ich mit ihr geteilt, Tränen getrocknet. Ich habe wiederholt auf die Gefahren hingewiesen, sich auf eine Liebschaft mit einem gebundenen Mann einzulassen, vor allem wenn große Gefühle aufkommen. "Nein, nein, das wird schon alles gut", musste ich mir in einer Endlosschleife anhören. "Er sagt, er liebt mich und wird sich trennen. Nur ist der Zeitpunkt gerade ungünstig, weil die Freundin gerade einen neuen Job annimmt. Das wäre doch unfair, was ich auch verstehen kann." Das nächste Mal war es die kranke Mutter der Freundin, dann die Geburt des Kindes seiner Schwester, dann eine persönliche Krise im Job und beim nächsten Mal die schon lange gebuchte Familienreise zum 70. Geburtstags des Vaters, die auf keinen Fall gefährdet werden könne, allein schon wegen der Kosten.
Mit einem Kollegen sprach ich darüber, was ich der Freundin noch raten könne. Ich hatte schon alle möglichen Varianten ausprobiert. Verliebte hören nicht, sie sind nicht selten wie Süchtige. Und bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Der Leidensdruck muss schon gehörig sein, bis eine Liebe losgelassen wird, von der man glaubt, dass einen nur noch Zentimeter von der ganz großen Erfüllung trennen. Das ersehnte und greifbar nahe Finale, den Schatz endlich zu besitzen, ist Balsam für die unterwegs geschundene Seele. Ein sachlich vernünftiger Blick ist unmöglich. Meine Bekannte beteuerte unentwegt, wie gut sie sich verständen. Alles würde stimmen, wenn man sich sieht. Er schriebe die tollsten Liebesbriefe, nichts gäbe es, was stört. Außer der Partnerin! Er würde versichern, dass mit der Freundin schon lange sexuell nichts mehr liefe, meine Bekannte seine Traumfrau sei, er aber Skrupel hätte, seine Partnerin so tief zu verletzen, wenn er sie verließe und er das irgendwie nicht übers Herz bringen würde. Mein Kollege bemerkte nur sarkastisch: "Raffinierte Strategie, genau das würde ich meiner Affäre auch so erzählen, damit sie noch möglichst lange bei der Stange bleibt."
Dreiecks-Affären sind fast immer mit Verletzungen verbunden. Meist sind Frauen die Leidtragenden. Wem es nicht rechtzeitig gelingt, seine Verliebtheit zu kontrollieren, sondern dieser folgt, findet sich schnell in einer emotionalen Verstrickung wieder. Gerade wenn auf beiden Seiten viel Leidenschaft herrscht, ist schwer zu unterscheiden, wie viel Substanz auf anderen Ebenen herrscht und wie hoch der Wahrheitsgehalt der Liebesschwüre ist. Diese können sogar auf echten Liebesgefühlen basieren, aber reichen sie auch für die entscheidenden Konsequenzen? Nicht selten wollen die verpartnerten Personen alles haben. Ihre vertraute Beziehung, die Gewohnheit im Alltag. Schließlich läuft vieles gut. Bis auf´s Bett, der Sex ist selten geworden. Dagegen hilft die Affäre. Sie bringt die Hormone in Wallungen und hält einen auch sonst noch auf Trapp. Warum also entscheiden, wenn man beides haben kann.
Wenn Frau merkt, dass den Worten immer wieder keine Taten folgen, Vertröstungen sich aneinander reihen, die Verabredungen immer nur unter der Woche stattfinden, vieles nicht verbindlicher wird, sollte sie sich dringend die Frage stellen, wie lange sie das noch aushält, bis sie Konsequenzen zieht. Die meisten haben Angst, durch Forderungen oder ein Ultimatum alles zu verlieren. Das kann auch sein. Mit großer Wahrscheinlichkeit hätte man das auch später verloren. Doch durch Zeit geben oder Verständnis aufbringen, wird selten etwas besser. Meist bleibt nur alles, wie es ist. Wie lange man das aushalten kann, entscheidet jeder für sich selbst. Dem Rat der Freunde sollten Betroffene ist in solchen Fällen aufmerksamer lauschen, denn diese sehen von außen mehr als man selbst.
Das ist ein heikles Thema und ich möchte hier meine persönliche Geschichte erzählen. Ich hatte fast 3 Jahre eine Affäre mit einem verheirateten Mann. Angefangen hat es, als ich noch selber verheiratet war – es herrschte also Gleichstand. Die Beziehung hielt aber auch über die Zeit meiner Trennung und Scheidung hindurch. Beiden war von Anfang an klar, dass es niemals eine gemeinsame Zukunft geben wird. Seine "Komfortzone" wollte er nicht verlassen. Aus der anfänglichen Affäre entwickelte sich eine wirklich tiefe Liebesbeziehung. Wir haben perfekt zueinenander gepasst. Ich habe emotionale Höhen und Tiefen durchgemacht – "vielleicht wirds ja doch was", so in der Art. Wir haben sogar gemeinsam nach einem neuen Mann für mich gesucht. Erst als ich merkte, dass ich innerlich gar nicht frei bin für eine neue Beziehung, habe ich mich getrennt. Dennoch ist mein Fazit: Ich würde es genauso wieder machen. Das, was ich in diesen Jahren empfunden und bekommen habe, hat mich glücklich und zufrieden gemacht, wie noch nie in meinem Leben. Wir haben es nun geschafft, Freunde zu werden/bleiben, und wollen uns auf dieser Basis nicht mehr missen. So kann es auch gehen, mit einer Affäre.
Liebe Helena, da hast du aber Glück gehabt, dass es so lief. Du scheinst genug Kraft gehabt zu haben, dich abzugrenzen. Ich bin bitter auf die Nase gefallen. Ich hatte auch eine Affäre. Am Anfang hieß es, dass mein Partner gerade in der Trennung sei. Im Nachhinein glaube ich, dass war alles Strategie. Fast zwei Jahre habe ich mich vertrösten lassen, seinen Worten geglaubt, immer wieder neuen Mut gefasst. Wie bei dir, alles schien gestimmt zu haben. Hätte er mir gesagt, dass er seine Frau niemals verlässt, hätte ich das nicht so lange mit gemacht. Doch er schwor mir viele Male, dass er mich ganz will und ich nur noch bisschen warten solle.
Er hat mich von Anfang an ausgenutzt und belogen. Ich habe das mit mir machen lassen, ich war naiv. Stimmt. Lange habe ich mich sehr gedemütigt gefühlt. Als ich merkte, es wird nie etwas, bin ich dann auch noch wie ein begossener Pudel durch die Hintertür abgezogen. Ich hätte lieber Mal der Ehefrau alles sagen sollen. Aber so viel Mut hatte ich nicht. Da fehlt mir die Aggression und der Hass.
Männer, die sich so verhalten und das wissentlich und täuschend tun, sind echte Ar**********.
Clara
Sicher wird das hier keine Frau gerne lesen wollen. Aber Clara, du warst wirklich naiv. Stimmt, Männer sprechen von Liebe und versprechen alles mögliche, wenn sie eine Affäre aufrecht erhalten wollen.
Ich hatte schon einige Affären und Seitensprünge. Die meisten Männer können nicht treu sein. Es muss nicht so gravierend zugehen wie bei Herrn Kachelmann, aber irgendwann kommt immer der Moment der Verführung. Meine Frau weiß von all meinen Geschichten nichts. Das ist auch gut so, denn es läuft mit ihr und der Familie gut, aber eben das gewisse Etwas im Bett fehlt nach so vielen Jahren. In meine erste Affäre habe ich mich verliebt und war kurz davor, meine Familie dafür zu verlassen. Dann merkte ich aber, dass diese ganze Sache auch mit meiner Midlife-Krise zusammen hing. Ich wollte meine Familie nicht aufgeben, wir verstanden uns ausgezeichnet. In meiner Frau habe ich eine intelligente Gesprächspartnerin und gute Ratgeberin. Die Affäre hat mir sexuell viel gegeben, meine Frau und ich sind mit der geringen Frequenz zufrieden. Wir sprachen auch schon drüber. Sie ist nicht so sexuell. Doch von meinen Außengeschichten kann ich ihr nicht berichten, dass würde sie wohl nicht akzeptieren. Daher liebe Frauen: Wenn Männer nach Monaten oder Jahren immer noch bei ihrer Frau sind, dann wird sich daran nichts ändern.
Hans
Hallo,
hier tun wie üblich alle so, als wären es nur die Männer, die ihre "Komfortzone" mit Kindern, Haus und schönem Auto nicht verlassen wollen. Ich habe die Frau erlebt, die sich "ihren Seitensprung" sucht, aber trotzdem nicht dazu stehen will. Die diesen Mann (mich) nur benutzt, um ihren ehelichen Frust zu bewältigen, aber dennoch ihre kleine bürgerliche Welt erhalten will. Und genau darum geht es: Wirtschaftliche und soziale Bindungen aufrecht erhalten und trotzdem nochmal spüren, dass man noch "im Rennen" ist. Auch Männer haben ein Herz, und sowas tut verdammt weh …
Ich bin früher mehrmals Beziehungen zu gebundenen Männern eingegangen, wenn diese sich für mich interessierten und mir gefielen. Dies geschah immer dann, wenn ich mich nicht in eine Partnerschaft begeben wollte, aber dennoch auf Körperlichkeit und Sex verzichten wollte. Sie erschienen mir als sicher, was das "mehr wollen" angeht, weil ich glaubte, dass auch sie nur an einer Affäre interessiert seien und mich ansonsten in Ruhe lassen würden. Das war jedes einzelne Mal ausnahmslos ein Trugschluss. Innerhalb kürzester Zeit war jeder von Ihnen bereit, sein bisheriges Leben aufgeben zu wollen und alles offen legen zu wollen. Immer war ich die Jenige, die sich zurück ziehen musste, weil ich die Verantwortung für diese Konsequenz auf keinen Fall tragen wollte. Einige suchten/suchen immer noch den Kontakt zu mir. Manche auch, nach (ohne mein Zutun) erfolgter Trennung. Mein Fazit ist jedenfalls, dass gebundene Männer die allerunsicherste "Bank" sind, wenn es um den Wunsch nach ausschließlich einer Affäre geht.
Allerdings ist es doch komisch, dass fast alle Frauen, die möchten, dass sich der gebundene Partner trennt, diesen Wunsch nie erfüllt bekommen und mir immer das Gegenteil passiert ist. Vielleicht liegt es am "Jagdinstinkt"?
Wenn ja, dann würde eine Änderung der "Strategie" der unglücklichen Geliebten vielleicht eher von Erfolg gekrönt sein: Betont die ganze Zeit, dass ihr auf keinen Fall mehr als eine unverbindliche Liebschaft wollt (und lebt auch danach!), dann habt ihr ihn vielleicht schneller an der Backe, als euch lieb ist. Aber vergesst dabei eines nicht: Das, was er mit einer Frau macht, macht er auch mit der nächsten. Und ihr selbst habt ja erlebt, wie prima er lügen kann. Was sollte das für eine Vertrauensbasis für eine echte und gute Partnerschaft sein?
Ein kluger Mensch hat mal zu mir gesagt: "Was mit einer Lüge beginnt endet auch mit einer."
Viel Glück!
Ich kann Euch mal aus der Sicht einer betrogenen Frau berichten. Ich bin 30 Jahre verheiratet und liebe meinen Mann, stand immer hinter ihm und hab alles gemacht und getan. Wir hatten tolle Urlaube, haben ein erwachsenen Sohn, alles schön. Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, dass da was mit einer anderen läuft. Vor einem Jahr fand ich es raus und es gab eine große Aussprache, die längst überfällig gewesen war. Er hat sich von Ihr getrennt, dachte ich jedenfalls. Er hat uns beide belogen und betrogen und mit uns beiden geschlafen, bei mir auf heile Welt gemacht und sie hin gehalten. Da sie eine Kollegin ist, hat er sie oft gesehen. Er hat es sogar fertig gebracht, sie mit in unser Ehebett zu nehmen. Ich war fassungslos, als sie mich anrief und mir zwei Sttunden lang erzählte, was da ablief. Ich weiß nicht mehr warum ich mir das antat. Danach sagte er mir unter Tränen, dass er nur mich und seine Familie will und er das endgültig beendet hat. Vier Wochen war alles ok und ich dachte das er sich nun entschieden hat, wie sein zukünftiges Leben aussehen soll. Ich glaubte ihm. Vorige Woche nachmittags hatten wir Spaß und Sex und am nächsten Morgen als ich aus dem Haus ging, war alles bestens, bis ich eine Stunde danach telefonisch informiert wurde, dass er abends nach Dienst seine Sachen packt und geht. Ich bin in ein tiefes Loch gefallen und immer noch nicht raus, natürlich nicht, denn ich liebe den ja. Übrigens ist sie 26 Jahre jünger als er, dagegen komme ich nicht an, obwohl ich kein Hausmütterchen bin und für mein Alter gut aussehe und zehn Jahre jünger. 33 Jahre dachte ich, ich kenne ihn, nun muss ich sagen das es nicht der Mann ist den ich kenne. Alles aufgeben für Schmetterlinge im Bauch, denn das war der Grund, ist doch nicht nachzuvollziehen, oder?? Hat er das gut durchdacht, ich glaube nicht.
Ich hatte knappe 10 Jahre eine Affäre, 5 davon waren wir beide verheiratet (wie helenagirl treffend sagt: Gleichstand), dann habe ich mich unter recht dramatischen Umständen von meinem Mann getrennt. Und dann wurde es einerseits so richtig schön mit 50% mehr Freiheit und andererseits so richtig schwierig. Trennungen, Ultimaten und Timeouts folgten Wiedersehen, Versöhnungen und immer wieder die Beteuerungen, nicht ohne einander leben zu können. Als nichts mehr ging und ich verständlicherweise doch etwas frustriert wurde, hat er mir nach einer längeren Trennungsphase eröffnet, seine Frau nun informiert zu haben, quasi ausgezogen zu sein und so weiter. Das wiegte mich rund ein halbes Jahr in Sicherheit und wir hatten eine besonders gute Zeit.
Bis er mir zum ersten Mal ins Gesicht log und ich es merkte. Es ging um eine Kleinigkeit, aber da bin ich aufgewacht. Ich katapultierte ihn aus meinem Leben und ersuchte ihn, seiner Frau meinen Anruf in ein paar Tagen anzukündigen. Wollte er nicht, weil es im "ega" sei. Nun gut, diese Türe musste ich mit einem Kraftakt zuschlagen und ich traf mich mit der sehr interessierten und auch ihrerseits offenen Ehefrau. Das Gespräch war aufschlussreich für uns beide.
Es gab dann keinen Kontakt mehr. Einmal sind wir uns durch Zufall begegnet und ich habe erspäht, dass er wieder seinen Ehering trägt…Es gäbe viel zu spekulieren und ich wäre sehr neugierig zu erfahren, was die Frau mit meinen Informationen angefangen hat!
Jetzt ist bald ein Jahr vergangen, die Wunden sind geleckt und beinahe verheilt und ich stehe vor einer neuen Herausforderung: Ich messe Männer an der Intensität und Qualität dieser langen Affäre. Ich habe zehn Jahre in großer Sehnsucht und unglaublicher Erfüllung gelebt und unbewusst wünsche ich mir das wohl auch für die Realität. Und das ist ein echter Stolperstein…